Wer mit 50 schlecht schläft, spürt die Folgen noch Jahre später

Schlafprobleme in der Lebensmitte gingen bei Frauen in einer Langzeitstudie mit geringerem psychischem Wohlbefinden Jahre später einher.

Schlechter Schlaf wirkte sich in der Untersuchung nicht nur auf die Nacht aus, sondern stand noch Jahre später mit dem Wohlbefinden in Verbindung.

Schlechter Schlaf wirkte sich in der Untersuchung nicht nur auf die Nacht aus, sondern stand noch Jahre später mit dem Wohlbefinden in Verbindung. © Unsplash

Jeder kennt solche Nächte: Man liegt wach, dreht sich von einer Seite auf die andere, schaut auf die Uhr. Am nächsten Morgen ist man müde, gereizt, weniger belastbar. Meist fühlt sich schlechter Schlaf wie ein Problem für den nächsten Tag an, das sich nach ein paar Tassen Kaffee erledigt hat. Doch das könnte zu kurz gedacht sein.

Wenn Schlafprobleme in der Lebensmitte immer wieder auftreten, können sie offenbar weit länger nachwirken. Neue Daten von knapp 600 Erwachsenen deuten darauf hin, dass schlechter Schlaf um die 50 noch fast neun Jahre später mit geringerem psychischem Wohlbefinden zusammenhängen kann – besonders bei Frauen.

Schlechter Schlaf um die 50 wirkt lange nach

Für die aktuelle Untersuchung begleiteten Wissenschaftler 574 Erwachsene über fast neun Jahre. Die Ergebnisse werden auf der Jahrestagung SLEEP 2026 vorgestellt und wurden von der American Academy of Sleep Medicine veröffentlicht.

Die Daten aus der Langzeitbeobachtung stammen von Personen mittleren und höheren Alters in den USA. Zu Beginn waren die Teilnehmer im Durchschnitt 51,7 Jahre alt. Gut die Hälfte waren Frauen. Erfasst wurden sowohl die Schlafqualität als auch verschiedene Aspekte des psychischen Wohlbefindens.

Dazu gehörten unter anderem Lebenszufriedenheit, persönliche Entwicklung, soziale Beziehungen und das Gefühl, den eigenen Alltag gut bewältigen zu können. Die Auswertung verglich Angaben zur Schlafqualität aus den Jahren 2005 und 2006 mit späteren Befragungen zwischen 2013 und 2017.

Frauen spüren die Folgen schlechter Nächte länger

Menschen mit häufigeren Schlafbeschwerden erreichten Jahre später niedrigere Werte beim psychischen Wohlbefinden. Dieser Zusammenhang blieb auch dann bestehen, wenn Alter, Bildungsstand, Berufstätigkeit, Partnerschaft, bestehende Erkrankungen und das frühere Wohlbefinden berücksichtigt wurden.

Besonders deutlich fiel der Effekt bei Frauen aus. Dort blieb der Zusammenhang statistisch bestehen. Bei Männern ließ er sich nach Berücksichtigung der zusätzlichen Einflussfaktoren nicht mehr eindeutig nachweisen.

„Schlafprobleme scheinen über fast ein Jahrzehnt hinweg anhaltende negative Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden zu haben. Diese Auswirkungen waren bei den Frauen unserer Untersuchung stärker ausgeprägt“, sagt Studienleiterin Fumiko Hamada von der University of South Florida.

Dabei ging es nicht um Depressionen oder andere psychische Erkrankungen. Erfasst wurde das allgemeine psychische Wohlbefinden. Dazu zählen beispielsweise positive Beziehungen zu anderen Menschen, persönliche Entwicklung, Selbstakzeptanz und das Gefühl, das eigene Leben sinnvoll gestalten zu können.

Schlaf hängt nicht nur an der Zahl der Stunden

Wer an gesunden Schlaf denkt, achtet oft zuerst auf die Dauer. Nach Angaben der American Academy of Sleep Medicine reicht das allein aber nicht aus. Auch Schlafqualität, regelmäßige Schlafzeiten und möglichst wenige Unterbrechungen in der Nacht zählen dazu.

Diese Punkte sind für Frauen in der Lebensmitte besonders wichtig. Die Daten verbinden schlechten Schlaf nicht nur mit Müdigkeit am nächsten Morgen, sie bringen ihn auch mit dem seelischen Wohlbefinden viele Jahre später in Zusammenhang.

Frühe Hilfe bei Schlafproblemen kann langfristig wichtig sein

Hamada sieht darin einen Ansatz für die Gesundheitsvorsorge. „Die Entwicklung früher Schlafmaßnahmen, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern berücksichtigen, könnte ein wichtiger Weg sein, um das psychische Wohlbefinden langfristig zu schützen“, sagt sie.

Für Frauen bedeutet guter Schlaf damit mehr als Erholung nach einem anstrengenden Tag. Die Schlafqualität um die 50 zeigt laut Studie einen Zusammenhang mit der psychischen Stabilität im späteren Leben.

Kurz zusammengefasst:

  • Schlafprobleme in der Lebensmitte können mit einem geringeren psychischen Wohlbefinden viele Jahre später zusammenhängen. In einer Langzeituntersuchung blieb dieser Zusammenhang über fast neun Jahre hinweg sichtbar.
  • Bei Frauen gingen Schlafprobleme auch nach Berücksichtigung von Alter, Gesundheit und Lebensumständen mit einem niedrigeren psychischen Wohlbefinden einher. Bei Männern war dieser Zusammenhang nach der statistischen Bereinigung nicht mehr eindeutig.
  • Gesunder Schlaf bedeutet mehr als ausreichend Stunden im Bett. Schlafqualität, Regelmäßigkeit und möglichst wenige nächtliche Störungen können wichtige Voraussetzungen für langfristiges seelisches Wohlbefinden sein.

Übrigens: Schlafprobleme können Frauen nicht nur Jahre später psychisch belasten. Neue Forschung deutet darauf hin, dass nächtliche Hirnsignale lange vor ersten Symptomen Hinweise auf ein erhöhtes Demenzrisiko liefern. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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