Schokolade aus dem Labor: Startup verwandelt eine Bohne in eine Tonne Kakaobutter

Im Labor entsteht aus nur einer Kakaobohne Schokolade. Sie soll gleich schmecken wie herkömmliche Tafeln – und den Regenwald schonen.

Ein Startup kann aus einer einzigen Kakaobohne genug Kakaobutter für Schokoladentafeln herstellen. © Celleste Bio

Ein Startup kann aus einer einzigen Kakaobohne genug Kakaobutter für Schokoladentafeln herstellen. © Celleste Bio

Schokolade wird immer teurer. Das liegt daran, dass wichtige Anbaugebiete immer stärker unter Druck geraten. Wetterextreme und unsichere Lieferketten treffen den Kakaoanbau direkt. Hersteller suchen deshalb nach Lösungen, um diese Abhängigkeit abzubauen. Schokolade aus dem Labor soll künftig ohne klassische Plantagen entstehen – Geschmack und Qualität bleiben dabei erhalten, verspricht der Hersteller.

Die Industrie macht Fortschritte auf diesem Gebiet: Das amerikanisch-israelische Startup Celleste Bio stellt nun Milchschokoladen-Tafeln vor, deren Kakaobutter nicht mehr auf Feldern entsteht. Stattdessen wächst sie aus Zellkulturen im Labor. Der US-Lebensmittelkonzern Mondelez International, der unter anderem die Marken Milka und Oreo vertreibt, hat das Produkt bereits weiterverarbeitet und mehrere Prototypen hergestellt.

So entsteht aus einer Bohne plötzlich mehr

Es beginnt mit einer einzelnen Kakaobohne, die nur ein winziges Stück Gewebe liefert. Dieses Material kommt in eine Nährlösung, in der sich die Zellen frei bewegen und weiter vermehren. In Bioreaktoren erhalten sie regelmäßig Nährstoffe, während Temperatur und Bedingungen konstant gehalten werden.

Statt eine ganze Pflanze wachsen zu lassen, bilden die Zellen nach und nach die Bestandteile, die später in Schokolade enthalten sind – vor allem Kakaobutter. Am Ende entsteht ein Rohstoff, der chemisch dem natürlichen Vorbild entspricht, aber unabhängig von Klima, Boden und Erntezeiten hergestellt werden kann.

Das Ergebnis unterscheidet sich laut dem Hersteller nicht von herkömmlicher Schokolade, weil Konsistenz, Schmelzverhalten und Geschmack erhalten bleiben. „Wir haben nachgewiesen, dass unsere Kakaobutter wie konventioneller Kakao funktioniert“, sagt Geschäftsführerin Michal Beressi Golomb.

Was sich jedoch deutlich verändert, ist die Menge. Denn aus dieser kleinen Bohne lässt sich sehr viel mehr Rohstoff gewinnen, ohne dass dafür neue Pflanzen angebaut werden müssen.

Bioreaktor ersetzt Fläche und spart Ressourcen

Wie groß der Unterschied ausfallen kann, zeigt ein einfacher Vergleich: Ein Bioreaktor mit 1000 Litern Volumen kann pro Jahr etwa eine Tonne Kakaobutter liefern. Für dieselbe Menge wäre sonst rund ein Hektar Anbaufläche nötig.

Das bringt gleich mehrere Vorteile:

  • deutlich geringerer Flächenbedarf
  • weniger Abhängigkeit von Wetter und Ernteausfällen
  • geringere Belastung für Wälder und Böden

Auch Transportwege lassen sich verkürzen. Die Produktion könnte näher an Fabriken stattfinden.

Schokolade aus dem Labor soll Produktion stabilisieren

Hinter der neuen Technik steckt ein Problem, das die Branche schon länger beschäftigt: Kakao wächst nur in wenigen Regionen der Welt, in denen sich Wetterextreme inzwischen öfter bemerkbar machen und Ernten unberechenbarer werden. Krankheiten in den Plantagen und politische Unsicherheiten verschärfen die Lage, sodass die Versorgung immer wieder ins Wanken gerät.

„Wir wollen eine stabile und nachhaltige Versorgung für die Schokoladenindustrie sichern“, teilt Celleste mit. Die Idee dahinter ist einfach: Die Zellkultur soll Engpässe abfedern und dafür sorgen, dass Preise weniger stark schwanken.

Auch für die Umwelt ist das eine gute Nachricht, denn neue Anbauflächen entstehen oft auf Kosten des Regenwaldes. Die Produktion im Labor kommt ohne zusätzliche Rodung aus.

Eigenschaften lassen sich gezielt verändern

Neben der Menge geht es auch um die Qualität. Die Kakaobutter lässt sich nicht nur aus Zellkulturen gewinnen, sondern auch gezielt anpassen. Die Industrie arbeitet daran, einzelne Eigenschaften so zu verändern, dass sich der Rohstoff besser für verschiedene Produkte eignet.

Dazu gehören vor allem:

  • das Schmelzverhalten, das je nach Anwendung variieren kann
  • Geschmack und Aroma, die sich feiner abstimmen lassen
  • die Stabilität, etwa für wärmere Umgebungen

Unterstützung kommt dabei von der Technik, denn mithilfe von Künstlicher Intelligenz lassen sich verschiedene Varianten durchspielen. Dabei können Hersteller ihre Rezepturen genauer anpassen als bisher.

Markteinführung rückt Schritt für Schritt näher

Noch steht die Entwicklung am Anfang, doch der Zeitplan nimmt bereits Form an. Celleste Bio will die Kakaobutter bis 2027 marktreif machen. Eine Pilotanlage produziert bereits erste Mengen.

Auch finanziell wächst das Projekt weiter. Bisher wurden rund 5,2 Millionen Euro investiert, um die Produktion auszubauen und wirtschaftlich tragfähig zu machen. „Wir sind auf dem Weg, jährlich eine Tonne Kakaobutter aus einer einzigen Bohne zu gewinnen“, sagt Technikchefin Hanne Volpin.

Industrie prüft Einsatz von Schokolade aus dem Labor

Für Hersteller ist vor allem wichtig, ob sich die neue Kakaobutter ohne großen Aufwand verarbeiten lässt, denn kaum ein Unternehmen will seine Produktion für einen neuen Rohstoff komplett umbauen. Celleste bewirbt seine Kakaobutter deshalb als direkten Ersatz, der sich in bestehende Abläufe einfügen soll.

Die ersten Schokoladentafeln aus dem Labor zeigen, dass sich die Kakaobutter bereits praktisch verarbeiten lässt. Es bleibt offen, ob das auch in großen Mengen wirtschaftlich funktioniert.

Kurz zusammengefasst:

  • Schokolade aus dem Labor entsteht aus Zellkulturen einer einzigen Kakaobohne und liefert Kakaobutter, die sich wie herkömmliche Ware verarbeiten lässt.
  • Die Produktion in Bioreaktoren benötigt deutlich weniger Fläche, ist unabhängiger von Klima und Ernten und könnte Lieferketten stabilisieren.
  • Noch steht die Technik am Anfang, doch erste Produkte zeigen, dass eine industrielle Nutzung möglich ist; die Markteinführung ist bis 2027 geplant.

Übrigens: Für Schokolade wird Regenwald gerodet, weil der Kakaoanbau immer weiter in neue Waldgebiete vordringt. Eine WWF-Analyse zeigt, welche Regionen besonders betroffen sind. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Celleste Bio

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