Autos heizen Städte auf – selbst Wohnungen werden dadurch wärmer
Eine Studie zeigt: Autos heizen Städte auf, erhöhen die Lufttemperatur messbar und lassen selbst Innenräume spürbar wärmer werden.
Autos geben bei jeder Fahrt Wärme ab – diese staut sich zwischen Straßen und Gebäuden und lässt Städte messbar wärmer werden. © Unsplash
Im Sommer wird es in vielen Städten selbst nachts kaum noch erträglich. Straßen, Häuser und versiegelte Flächen speichern die Hitze und geben sie nur langsam wieder ab. Neue Forschung nimmt nun noch einen weiteren Faktor ins Visier, den fast jeder täglich vor Augen hat: den Verkehr. Autos, Lieferwagen und andere Fahrzeuge fahren nicht nur durch die Stadt, sie heizen sie bei jeder Fahrt zusätzlich auf.
Wie stark dieser Effekt wirklich ist, haben Experten jetzt genauer berechnet. Dabei geht es nicht nur um Abgase, sondern um Wärme, die direkt beim Fahren entsteht – durch Motoren, Bremsen und die Technik der Fahrzeuge. Laut einer neuen Studie der Universität Manchester wurde dieser Anteil an der Stadthitze bisher deutlich weniger beachtet als Gebäude, Oberflächen oder Sonneneinstrahlung.
Verkehrshitze lässt Temperaturen messbar steigen
Für die Studie haben die Forscher Verkehr erstmals als eigene Wärmequelle in ein großes Klimamodell eingebaut. So ließ sich genauer berechnen, was die zusätzliche Wärme von Fahrzeugen in der Stadt tatsächlich anrichtet – auf der Straße, an Gebäuden und in der Luft.
Das Ergebnis ist mehr als nur ein Rechenspiel. In Manchester stieg die simulierte Lufttemperatur durch den Verkehr im Jahr 2022 im Mittel um 0,25 Grad. Im Sommer lag der Effekt bei etwa 0,16 Grad, im Winter bei rund 0,35 Grad. In Toulouse fiel er noch stärker aus: Dort erhöhte sich die Temperatur im Jahresmittel um 0,4 Grad.
Das klingt erst einmal nach wenig, in ohnehin aufgeheizten Städten kann aber selbst so ein kleiner Anstiegt deutlich zu spüren sein. Jede weitere Zehntelgrad-Stufe erschwert das Abkühlen – auf der Straße, in Innenhöfen und sogar in Wohnungen.
Auto heizen Städte zusätzlich auf – nachts bleibt die Hitze länger in der Stadt
Besonders deutlich zeigte sich der Effekt nach warmen Tagen. Dann geben Straßen, Fassaden und andere Oberflächen die gespeicherte Wärme nur langsam wieder ab. Der Verkehr liefert zusätzliche Energie, die sich in den Häuserschluchten hält und erst verzögert entweicht.
Deshalb fällt die Erwärmung laut Studie nachts stärker ins Gewicht als tagsüber. In Manchester zeigte sich, dass vor allem der Verkehr am späten Nachmittag und Abend dazu beiträgt, dass die Luft bis tief in die Nacht hinein wärmer bleibt.
Während der Hitzewelle im Juli 2022 stieg dadurch auch die Belastung für Menschen. Der Hitzeindex lag länger über kritischen Werten. Insgesamt hielt sich die gefühlte Temperatur über mehrere Stunden hinweg spürbar über der Marke von 40 Grad.
Die zusätzliche Wärme dringt sogar in Gebäude ein
Die Hitze bleibt nicht auf der Straße. Sie wirkt auch auf Häuser und Wohnungen. Wenn sich Straßen und Fassaden stärker aufheizen, gelangt ein Teil dieser Wärme weiter ins Gebäudeinnere.
In Toulouse stieg die simulierte Innenraumtemperatur im Sommer um bis zu 0,42 Grad. In Manchester lag der Wert bei bis zu 0,14 Grad. Vor allem dicht bebaute Viertel speichern die Wärme besonders lange.
Im Alltag kann das spürbare Folgen haben:
- Räume heizen sich schneller auf
- warme Nächte werden noch belastender
- der Kühlbedarf im Sommer steigt
Im Winter zeigte sich zwar auch ein kleiner entlastender Effekt beim Heizen. Dieser Vorteil fiel laut Studie jedoch deutlich schwächer aus als die zusätzliche Belastung in warmen Phasen.
Nicht jedes Auto heizt die Stadt gleich stark auf
Wie viel Wärme der Verkehr freisetzt, hängt auch vom Antrieb ab. Im Modell ergeben sich folgende Werte pro Fahrzeug:
- Benziner: rund 18,9 Kilowatt Wärme
- Diesel: etwa 19,34 Kilowatt
- Hybridfahrzeuge: circa 5,24 Kilowatt
- Elektroautos: nur etwa 0,67 Kilowatt
Der Fahrzeugmix spielt also eine direkte Rolle. Wenn mehr Hybrid- und Elektroautos unterwegs sind, sinkt die zusätzliche Verkehrswärme. Laut Studie kann eine Verschiebung beim Antrieb dann ähnlich wirken wie ein spürbarer Rückgang des Verkehrs.
Warum enge Innenstädte besonders betroffen sind
Wie stark sich diese Wärme in einer Stadt hält, hängt nicht nur von der Zahl der Fahrzeuge ab. Auch die Bauweise entscheidet mit. Enge Straßen, hohe Gebäude und wenig offene Flächen sorgen dafür, dass sich Wärme länger staut.
Das zeigte sich im Vergleich der beiden untersuchten Städte deutlich. Toulouse ist dichter bebaut. Dort blieb die Wärme länger im Stadtraum gespeichert. Manchester ist offener aufgebaut, weshalb sich die Energie schneller verteilt.
Studienleiter Zhonghua Zheng vom Manchester Environmental Research Institute sagt: „Die Forschung zu Stadthitze hat sich traditionell auf Gebäude, Materialien und Oberflächen konzentriert. Die direkte Wärme von Fahrzeugen aus Motoren, Abgasen und Bremsen wurde deutlich weniger beachtet.“
Neues Modell macht den Einfluss des Verkehrs erstmals sichtbar
Für die Studie entwickelte das Team ein neues Modul für das Community Earth System Model. Damit lässt sich Verkehr als eigene Wärmequelle abbilden. So wird sichtbar, wie Wärme von Fahrzeugen mit Straßen, Gebäuden und der umgebenden Luft zusammenwirkt.
„Unser Modell ermöglicht es, zu simulieren, wie die von Fahrzeugen freigesetzte Wärme mit Straßen, Gebäuden und der umgebenden Atmosphäre interagiert“, erklärt Zheng. Es berücksichtigt außerdem unterschiedliche Fahrzeugtypen und reagiert auch auf Wetterbedingungen wie Regen, Schnee oder Kälte. Dadurch lässt sich genauer abschätzen, wie sich der Verkehr auf das Stadtklima auswirkt — heute und in Zukunft.
Erstautor Yuan Sun erklärt deshalb: „Es ist wichtig, Verkehrssysteme bei Anpassungen an Hitze, Stadtplanung und Klimastrategien mitzudenken.“
Kurz zusammengefasst:
- Autos machen Städte nicht nur durch Abgase wärmer, sondern auch durch direkte Abwärme aus Motoren, Bremsen und Technik – dieser Effekt wurde bisher deutlich unterschätzt.
- Neue Studie zeigt: Diese zusätzliche Wärme lässt die Luft messbar wärmer bleiben, verschärft vor allem nachts den Hitzestress und kann sogar Wohnungen spürbar aufheizen.
- Besonders betroffen sind dicht bebaute Innenstädte; zugleich deutet das Modell darauf hin, dass weniger Verkehr und mehr Elektroautos die zusätzliche Verkehrshitze senken könnten.
Übrigens: Was bei Verkehrshitze für Temperaturen gilt, zeigt sich auch beim Lärm. Neue Messungen belegen, dass Verkehr im Alltag stärker belastet als gedacht und klassische Modelle die Realität oft unterschätzen. Moderne Technik und KI machen erstmals sichtbar, wie stark diese Belastung wirklich ist. Mehr dazu in unserem Artikel.
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