Partnersuche mit Dating-Apps: Dieser kleine Profil-Hinweis schreckt viele sofort ab
Die politische Einstellung spielt bei der Partnersuche eine wachsende Rolle, weil sie oft mit Werten und Lebenszielen verknüpft wird.
Politische Ansichten im Dating-Profil beeinflussen oft den ersten Eindruck. Viele Menschen verbinden die Parteizugehörigkeit mit bestimmten Werten, Charaktereigenschaften und Lebensvorstellungen. © shutterstock.com / shutterstock AI
Wer auf einer Dating-App nach einem Partner sucht, achtet auf Fotos, Hobbys oder den Beruf. Immer häufiger taucht daneben noch eine weitere Information auf: die politische Einstellung. Was wie ein nebensächliches Detail wirkt, kann überraschend großen Einfluss bei der Partnersuche haben. Eine aktuelle Untersuchung legt nahe, dass viele Menschen politische Angaben nicht nur als Meinung verstehen. Sie sehen darin Hinweise auf Werte, Charakter und die Frage, ob eine gemeinsame Zukunft überhaupt denkbar erscheint.
Politische Unterschiede beeinflussen deshalb häufig schon den ersten Eindruck. Viele entscheiden anhand solcher Angaben, ob sie Interesse zeigen oder ein Profil direkt aussortieren.
Politische Einstellung wird bei der Partnersuche schnell zum Ausschlusskriterium
Der Soziologe PD Dr. Ansgar Hudde und die Doktorandin Shannon Taflinger von der Universität zu Köln untersuchten, wie politische Angaben in Dating-Profilen das Interesse an einer Person beeinflussen. Die Ergebnisse erschienen in der Fachzeitschrift European Sociological Review.
An der Untersuchung nahmen 1.097 Amerikaner im Alter von 20 bis 33 Jahren teil. Sie bewerteten insgesamt mehr als 6.200 fiktive Dating-Profile. Einige Profile enthielten den Hinweis „Demokrat“, andere „Republikaner“. Bei weiteren fehlte jede politische Angabe.
Das Ergebnis fiel deutlich aus: Menschen bevorzugten zwar Personen aus dem eigenen politischen Lager. Noch stärker fiel jedoch die Reaktion auf die Gegenseite aus. Politische Unterschiede waren häufig ein K.o.-Kriterium.
Viele suchen vor allem keinen politischen Gegenpol
Die Studienteilnehmer belohnten die eigene politische Richtung nur leicht. Wer jedoch einer anderen Partei angehörte, verlor deutlich an Attraktivität. Viele Menschen suchen offenbar nicht aktiv nach Gleichgesinnten. Häufiger versuchen sie, einen Partner mit gegensätzlichen politischen Ansichten zu vermeiden.
Dabei zeigten sich Unterschiede zwischen den politischen Lagern. Anhänger der Demokraten lehnten vor allem die andere Seite ab. Republikaner mieden politische Gegner ebenfalls, zeigten zusätzlich aber eine deutlichere Vorliebe für Menschen aus dem eigenen Lager. Die Forscher sprechen deshalb von einer stärkeren Ablehnung politischer Gegenspieler als von einer ausgeprägten Vorliebe für die eigene Seite.
Werte und Lebensstil entscheiden häufig mit
Viele nutzten die Parteizugehörigkeit als Abkürzung für andere Eigenschaften. Aus einer einzigen Information leiteten sie Rückschlüsse auf Werte, Lebensstil und Persönlichkeit ab. „Bevor man jemanden auf einer Dating-App anschreibt oder nach links oder rechts wischt, hat man nur ein Profil vor sich – und muss trotzdem schnell urteilen: Passen wir zusammen? Haben wir ähnliche Interessen? Ist die Person freundlich, aufgeschlossen und intelligent?“, erklärt Taflinger.
Sie ergänzt: „Steht in dem Profil die politische Ausrichtung, nutzen Menschen diese Information, um genau solche Fragen zu beantworten.“ Besonders stark wirkte die Frage nach Gemeinsamkeiten. Teilnehmer glaubten bei Personen aus dem eigenen politischen Lager häufiger, ähnliche Werte und ähnliche Vorstellungen vom Alltag zu haben.
Charakter spielt eine Rolle – aber nicht die größte
Die Forscher untersuchten mehrere mögliche Gründe für Zustimmung oder Ablehnung. Drei Faktoren erwiesen sich als besonders wichtig:
- Wahrgenommene Ähnlichkeit bei Werten und Lebensstil
- Einschätzung von Charaktereigenschaften
- Erwartete Reaktionen von Familie und Freunden
Am stärksten wirkte die wahrgenommene Ähnlichkeit. Wer politisch anders dachte, erschien vielen Menschen automatisch weniger kompatibel. Auch Eigenschaften wie Ehrlichkeit oder Intelligenz flossen in die Bewertung ein. Dieser Effekt fiel jedoch schwächer aus als die Frage nach gemeinsamen Lebensvorstellungen.
Familie und Freunde beeinflussen die Entscheidung indirekt
Viele Teilnehmer überlegten unbewusst, wie ihr Umfeld auf einen möglichen Partner reagieren würde. Wer eine Person aus dem gegnerischen politischen Lager sah, erwartete häufiger Ablehnung von Freunden oder Familienmitgliedern.
Die Partnersuche wird damit nicht allein von persönlichen Vorlieben beeinflusst. Auch soziale Erwartungen spielen eine Rolle. Gerade bei langfristigen Beziehungen gewinnt dieser Aspekt an Bedeutung. Schließlich treffen Partner selten nur aufeinander. Meist begegnen sie auch dem jeweiligen Freundeskreis und der Familie.
Demokratische Frauen reagierten besonders deutlich
Auffällige Unterschiede gab es zwischen den politischen Gruppen. Am stärksten lehnten demokratische Frauen Profile von Republikanern ab. Nach Angaben der Forscher fiel diese Reaktion etwa viermal stärker aus als bei republikanischen Frauen oder Männern.
Republikaner verhielten sich etwas anders. Sie zeigten häufiger eine positive Vorliebe für Menschen aus dem eigenen politischen Lager. Demokraten konzentrierten sich dagegen stärker darauf, politische Gegenspieler auszuschließen.
Die Forscher vermuten, dass gesellschaftliche Debatten der vergangenen Jahre dazu beigetragen haben könnten. Themen wie Abtreibung, Gleichberechtigung oder Geschlechterrollen spielen dabei vermutlich eine wichtige Rolle.
Wie die politische Einstellung die Partnersuche in Deutschland verändern könnte
Die Untersuchung stammt zwar aus den USA, Hudde und Taflinger sehen jedoch Parallelen zu Deutschland. Viele Dating-Apps erlauben inzwischen auch hierzulande, politische Einstellungen direkt im Profil anzugeben. Damit erhalten Nutzer schon vor dem ersten Gespräch Informationen, die früher oft erst nach mehreren Treffen bekannt wurden. „Man kann Leute also aus politischen Gründen aussortieren, bevor man auch nur ein Wort miteinander redet“, schlussfolgert Hudde.
Der Wissenschaftler verweist zudem auf einen wachsenden politischen Unterschied zwischen jungen Frauen und jungen Männern in Deutschland. „Junge Frauen wählen linker als junge Männer – und dieser politische Gender Gap war in der Bundesrepublik noch nie so groß wie heute.“ Seiner Einschätzung nach könnte sich dieser Trend künftig auch auf Beziehungen auswirken.
Kurz zusammengefasst:
- Politische Angaben in Dating-Profilen dienen vielen Menschen als Hinweis auf Werte, Lebensstil und Persönlichkeit und beeinflussen dadurch die Partnerwahl.
- Bei der Partnersuche werden politische Unterschiede oft als Zeichen für unterschiedliche Zukunftsvorstellungen und Lebensweisen verstanden – mit spürbaren Folgen für Sympathie und Interesse.
- Neben persönlichen Vorlieben wirken auch Erwartungen von Familie und Freunden mit, weshalb die politische Einstellung zunehmend Einfluss auf Beziehungen und Dating-Entscheidungen hat.
Übrigens: Politische Unterschiede sind nicht das einzige Hindernis bei der Partnersuche. Eine Studie zeigt, dass viele Menschen Dates nicht nur aus Angst vor Ablehnung vermeiden, sondern auch, weil sie niemanden enttäuschen oder zurückweisen möchten. Mehr dazu in unserem Artikel.
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