Jeder Dritte fragt KI zu Alkohol und Drogen – und vertraut den Antworten mehr als bei anderen Themen
In einer US-Befragung nutzten 32,3 Prozent der jungen Erwachsenen KI für Fragen zu Alkohol und Drogen. Ihr Vertrauen ist auffällig hoch.
Immer mehr junge Erwachsene suchen Informationen über Alkohol und Drogen bei KI-Chatbots. Eine US-Studie zeigt, dass sie den Antworten erstaunlich stark vertrauen. © Pexels
Wer wissen will, wie gefährlich eine Droge ist, muss heute keinen Arzt fragen oder medizinische Fachseiten durchsuchen. ChatGPT und andere KI-Chatbots liefern innerhalb von Sekunden Antworten zu Alkohol, Cannabis und anderen Substanzen. In einer US-Befragung hatten bereits 32,3 Prozent der jungen Erwachsenen KI für solche Fragen genutzt. Besonders bemerkenswert: Bei Fragen zu Alkohol und Drogen vertrauten die Befragten den KI-Antworten sogar etwas mehr als bei allgemeinen Themen – obwohl Sprachmodelle auch falsche Informationen liefern können.
Die Zahlen stammen aus einer Untersuchung der Rutgers University in den USA. Die Wissenschaftlerinnen Mireia Triguero Roura und Pia M. Mauro befragten im April 2026 insgesamt 995 Menschen zwischen 18 und 29 Jahren. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal JMIR Formative Research. Untersucht wurde die Nutzung von Anwendungen wie ChatGPT, Google Gemini, Meta AI und My AI von Snapchat.
KI beantwortet Fragen zu Alkohol und Drogen immer häufiger
Während 57,5 Prozent der Befragten bereits Google für Informationen über Alkohol und Drogen genutzt hatten, griff knapp ein Drittel auf KI zurück. Einige verwendeten Chatbots regelmäßig: 32,1 Prozent der entsprechenden KI-Nutzer mindestens einmal im Monat, 12,1 Prozent wöchentlich und vier Prozent sogar täglich oder nahezu täglich. Etwas mehr als die Hälfte nutzte solche Angebote dagegen nur sehr selten.
Die Fragen betreffen unterschiedliche Bereiche des Substanzkonsums. Besonders häufig geht es um gesundheitliche Folgen. Unter den 321 Befragten, die KI bereits zu Alkohol oder Drogen befragt hatten, verteilten sich die Interessen folgendermaßen:
- Risiken und Folgen: 92,8 Prozent informierten sich über mögliche Konsequenzen des Konsums.
- Einzelne Substanzen: 48,6 Prozent suchten konkrete Informationen, beispielsweise zur Dosierung.
- Sucht und Abhängigkeit: 34,9 Prozent beschäftigten sich mit Problemen durch Substanzkonsum.
Bei Fragen zu Alkohol und Drogen vertrauen viele der KI
Das Vertrauen in die Antworten unterscheidet sich je nach Thema. Auf einer Skala von eins bis fünf erreichten KI-Antworten zu Alkohol und Drogen durchschnittlich 3,66 Punkte. Bei allgemeinen Themen waren es 3,51 Punkte. Der Unterschied war statistisch signifikant.
Bei der wahrgenommenen Nützlichkeit kehrte sich das Verhältnis um. Allgemeine KI-Anwendungen erhielten durchschnittlich 4,44 Punkte, Antworten zum Substanzkonsum dagegen 4,12 Punkte. Die Befragten fanden allgemeine KI-Antworten also hilfreicher, vertrauten den Antworten zu Alkohol und Drogen jedoch etwas mehr. Bei der eingeschätzten Zuverlässigkeit gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied.
Falsche KI-Antworten können gesundheitliche Risiken bergen
Sprachmodelle können Informationen liefern, die überzeugend klingen, aber sachlich falsch sind. Bei Fragen zu Dosierungen, Wechselwirkungen oder gesundheitlichen Folgen kann das gefährlich werden. Problematisch sind insbesondere falsche Angaben, auf deren Grundlage Menschen Entscheidungen über ihren Konsum treffen.
Ob solche Fehlinformationen unter den Befragten tatsächlich auftraten, ist allerdings unbekannt. Die Untersuchung erfasste weder die Qualität der KI-Antworten noch deren Einfluss auf das Konsumverhalten. Ein Zusammenhang zwischen der Nutzung von Chatbots und gesundheitlichen Schäden wurde nicht nachgewiesen.
Männer nutzen KI für Drogenfragen häufiger
Unter den 497 befragten Männern hatten 198 bereits die KI zu Alkohol oder Drogen befragt. Das entspricht rund 40 Prozent. Bei den 496 Frauen waren es 123 beziehungsweise knapp 25 Prozent. Auch unter Berücksichtigung von Alter und weiteren demografischen Merkmalen blieb der Unterschied bestehen: Die statistischen Chancen einer entsprechenden KI-Nutzung waren bei Männern etwa doppelt so hoch.
Weitere Unterschiede gab es zwischen den erfassten Bevölkerungsgruppen. Schwarze Befragte hatten im Vergleich zu weißen Befragten etwa 2,5-mal so hohe statistische Chancen, KI für Informationen zum Substanzkonsum genutzt zu haben. Zwischen den Altersgruppen von 18 bis 23 und 24 bis 29 Jahren bestand dagegen kein statistisch signifikanter Unterschied.
Anonyme KI-Gespräche könnten Hemmschwellen senken
Chatbots ermöglichen Gespräche über Alkohol, Drogen und Suchtprobleme, ohne dass Nutzer ihre Fragen unmittelbar einer anderen Person stellen müssen. Auch ein Arzttermin ist nicht erforderlich. Solche Angebote könnten deshalb besonders für Menschen interessant sein, die aus Scham oder Unsicherheit persönliche Gespräche vermeiden.
„Die beobachteten Unterschiede bei der Nutzung von KI für drogenbezogene Fragen könnten Unterschiede beim Zugang zur Gesundheitsversorgung, bei Stigmatisierung, Vertrauen und der Suche nach Gesundheitsinformationen widerspiegeln“, erklärt Studienautorin Mireia Triguero Roura in einer Mitteilung der Rutgers University. Ob diese Faktoren tatsächlich für die Unterschiede verantwortlich sind, blieb offen.
Onlinebefragung erlaubt keine Aussagen über tatsächliche Schäden
Die Teilnehmer wurden über die Onlineplattform Prolific gewonnen. Bei der Auswahl berücksichtigten die Wissenschaftlerinnen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsgruppen. Eine repräsentative Zufallsstichprobe war es dennoch nicht. Menschen mit hoher Internet- und KI-Affinität könnten überdurchschnittlich häufig vertreten gewesen sein.
Die Ergebnisse lassen sich daher nicht ohne Einschränkungen auf alle jungen Erwachsenen übertragen. Ungeklärt bleibt außerdem, wie zuverlässig KI über Alkohol und Drogen informiert und welchen Einfluss solche Antworten auf tatsächliche Konsumentscheidungen haben. Gerade bei Fragen zu Sucht, Dosierungen und gesundheitlichen Risiken fehlen dazu bislang belastbare Daten.
Kurz zusammengefasst:
- Jeder Dritte nutzt KI: In einer US-Befragung gaben 32,3 Prozent der 995 jungen Erwachsenen an, KI bereits für Informationen über Alkohol und Drogen genutzt zu haben.
- Risiken stehen im Vordergrund: 92,8 Prozent dieser KI-Nutzer informierten sich über mögliche Folgen des Konsums und vertrauten solchen Antworten etwas mehr als allgemeinen KI-Auskünften.
- KI kann falsche Informationen liefern: Besonders bei Fragen zu Dosierungen und gesundheitlichen Folgen ist Vorsicht geboten, denn die Studie überprüfte weder die Richtigkeit der Antworten noch deren Einfluss auf das Konsumverhalten.
Übrigens: KI-Chatbots lassen sich bei medizinischen Fragen erstaunlich leicht umstimmen. In einer Untersuchung zu Schlafapnoe änderten sie in rund jedem dritten Gespräch ihre Empfehlung, wenn Patienten ihre Beschwerden herunterspielten. Mehr dazu in unserem Artikel.
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