CO₂-Speicherung unter der Erde erreicht Rekord – 82 Prozent hängen mit Erdölförderung zusammen

2024 wurden weltweit 43,6 Millionen Tonnen CO₂ unterirdisch gespeichert. Viele Projekte dienen zugleich der Erdölförderung.

Industrieanlagen gehören zu den großen CO₂-Quellen. Statt das Treibhausgas in die Atmosphäre abzugeben, lässt es sich abscheiden und tief unter der Erde speichern – allerdings nutzen viele Projekte das CO₂ auch zur Erdölförderung. (Symbolbild) © Pexels

Industrieanlagen gehören zu den großen CO₂-Quellen. Statt das Treibhausgas in die Atmosphäre abzugeben, lässt es sich abscheiden und tief unter der Erde speichern – allerdings nutzen viele Projekte das CO₂ auch zur Erdölförderung. (Symbolbild) © Pexels

Kohlendioxid aus der Luft fernhalten und für Tausende Jahre tief im Gestein einschließen – damit soll die Erderwärmung gebremst werden. Weltweit erreichte die CO₂-Speicherung unter der Erde 2024 mit 43,6 Millionen Tonnen einen neuen Rekord. Doch ausgerechnet die Erdölindustrie gehört zu den größten Nutzern dieser Klimaschutztechnik. Rund 82 Prozent der seit 1996 gemeldeten Speichermenge entfallen auf Projekte, bei denen das eingepresste CO₂ zugleich hilft, zusätzliches Erdöl zu fördern.

Die jährliche Speichermenge hat sich seit 2016 mehr als verdoppelt. Das geht aus dem neuen Jahresbericht des London Register of Subsurface CO₂ Storage hervor, den Wissenschaftler des Imperial College London veröffentlicht haben. Die Datenbank umfasst inzwischen 70 Projekte in 17 Ländern. Seit 1996 summieren sich die gemeldeten Speichermengen auf rund 422 Millionen Tonnen, einschließlich erster Daten für 2025. Bei einigen Anlagen ist allerdings unklar, wie viel CO₂ tatsächlich dauerhaft im Untergrund verbleibt.

CO₂-Speicherung unter der Erde nimmt deutlich zu

Über Bohrungen gelangt das Kohlendioxid in poröse Gesteinsschichten, über denen undurchlässiges Gestein liegt. Das Gas stammt überwiegend aus industriellen Prozessen, etwa der Erdgasverarbeitung. Andere Verfahren filtern es direkt aus der Umgebungsluft. Geeignete Lagerstätten können CO₂ über sehr lange Zeiträume einschließen.

Besonders seit 2022 nimmt die jährlich gemeldete Menge stark zu. Damals lag sie bei 32,1 Millionen Tonnen, ein Jahr später bei 41,7 Millionen Tonnen. Gegenüber 2016 entspricht der Rekord von 2024 einem Zuwachs von rund 108 Prozent. Samuel Krevor, Professor am Imperial College London und Direktor des Registers, bezeichnet die geologische Speicherung als eine im großen Maßstab erprobte Technik zur Emissionsminderung.

Ein Ölfeld in Brasilien speichert fast ein Drittel

Die USA führen die weltweite Statistik an. Dort meldeten 23 Projekte für 2024 zusammen 20,2 Millionen Tonnen CO₂. Brasilien erreicht mit nur einer Anlage ebenfalls enorme Mengen. Im Santos-Becken vor der brasilianischen Küste betreibt der Ölkonzern Petrobras das größte im Register erfasste Einzelprojekt. Mit 14,2 Millionen Tonnen entfiel fast ein Drittel der weltweiten Speicherung auf diese Anlage.

Andere Länder liegen deutlich dahinter:

  • China: 1,7 Millionen Tonnen, vor allem aus den Ölfeldern Shengli und Daqing Aonan.
  • Australien: 1,7 Millionen Tonnen, unter anderem durch das Gorgon-Projekt und die Anlage Moomba.
  • Norwegen: rund 800.000 Tonnen aus den Anlagen Sleipner und Snøhvit.

Norwegen erweitert seine Speicherkapazitäten. Im August 2025 begann das Projekt Northern Lights mit der Einlagerung von CO₂ unter dem Meeresboden. Es soll abgeschiedenes Kohlendioxid aus Industrieanlagen in tief liegende geologische Formationen transportieren und dort dauerhaft einschließen.

Mit Kohlendioxid lässt sich zusätzliches Erdöl fördern

In älteren Ölfeldern bleibt häufig ein erheblicher Teil des Erdöls im Gestein zurück. Unternehmen pumpen deshalb CO₂ unter hohem Druck in die Lagerstätten. Das Gas kann die Fließeigenschaften des Öls verbessern und so zusätzliche Fördermengen ermöglichen. Das Verfahren heißt Enhanced Oil Recovery (EOR).

Ein Teil des eingepressten Kohlendioxids verbleibt im Untergrund. Gleichzeitig verlängert die Technik die wirtschaftliche Nutzung bestehender Ölfelder. Das zusätzlich gewonnene Erdöl verursacht bei seiner späteren Verbrennung weitere Treibhausgasemissionen. Für die Klimabilanz müssen deshalb auch die Emissionen aus Förderung, Verarbeitung und Verbrauch berücksichtigt werden. Die gespeicherte CO₂-Menge allein reicht für eine Bewertung nicht aus.

Bei 112 Millionen Tonnen ist die Bilanz unsicher

Bei der Erdölförderung gelangt häufig ein Teil des eingepressten Kohlendioxids zusammen mit Öl und Gas zurück an die Oberfläche. Betreiber können es abtrennen und erneut in die Lagerstätte pumpen. Wird dieses CO₂ bei jeder Einspeisung vollständig als neue Speichermenge erfasst, entstehen überhöhte Angaben.

Bei rund 112,5 Millionen Tonnen aus Projekten mit Erdölförderung ist nicht eindeutig dokumentiert, ob solche Rückführungen bereits berücksichtigt wurden. Das entspricht 32,4 Prozent der kumulierten Menge dieser Projektkategorie. Auch doppelte Meldungen auf Unternehmens- und Projektebene erschwerten die bisherige Bilanzierung.

Die Wissenschaftler korrigierten deshalb frühere Angaben. Für 2023 sank die gemeldete Jahresmenge nachträglich von 45,2 auf 41,7 Millionen Tonnen. Die bis Ende 2023 kumulierte Speicherung wurde von 351,4 auf 342 Millionen Tonnen reduziert. Xiaowei Gao vom Imperial College London erklärt: „Diese Überarbeitungen spiegeln den neuesten Kenntnisstand wider, und wir haben im Bericht ausdrücklich darauf hingewiesen, wo die Bilanzierung der gemeldeten Speicherung weiterhin unsicher ist.“

Bis 2050 müsste die CO₂-Speicherung massiv wachsen

Für 2025 haben bislang 29 Projekte aus zwölf Ländern insgesamt 36,2 Millionen Tonnen gemeldet. Die weltweite Jahresbilanz ist noch unvollständig, da Angaben mehrerer großer Anlagen fehlen. Petrobras erreichte im Santos-Becken bereits 19,6 Millionen Tonnen. China meldete 2,6 Millionen Tonnen aus sieben Projekten, die USA 8,9 Millionen Tonnen aus sechs Anlagen.

Mehrere große US-Ölfelder, darunter Denver Unit/Wasson San Andres Field und Hobbs Field, fehlen noch in der Statistik für 2025. Ein Vergleich mit dem Vorjahresrekord wäre deshalb verfrüht.

Um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, müsste die geologische Speicherung nach den von Krevor angeführten Klimaschutzprojektionen bis 2050 mindestens eine Milliarde Tonnen jährlich erreichen. Das wäre nahezu das 23-Fache des Rekordwertes von 2024. Dafür müssten weltweit erheblich mehr Abscheideanlagen, Transportleitungen und geeignete Lagerstätten entstehen.

Kurz zusammengefasst:

  • Neuer Rekord: Im Jahr 2024 wurden weltweit 43,6 Millionen Tonnen CO₂ unterirdisch gespeichert – mehr als doppelt so viel wie 2016.
  • Verbindung zur Erdölförderung: Rund 82 Prozent der seit 1996 gemeldeten Speichermenge stammen aus Projekten, bei denen CO₂ auch zur Förderung von Erdöl eingesetzt wird.
  • Unsichere Klimabilanz: Bei 112,5 Millionen Tonnen ist unklar, ob erneut eingepresstes CO₂ korrekt berücksichtigt wurde; zudem verursacht zusätzlich gefördertes Erdöl weitere Emissionen.

Übrigens: Kohlendioxid muss nicht erst tief im Gestein verschwinden, um der Atmosphäre fernzubleiben. Forscher haben ein Meeresbakterium entdeckt, das CO₂ bindet und zugleich Schadstoffe abbaut – welche Möglichkeiten sich daraus ergeben könnten, lesen Sie in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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