Elektro-Lkw ist in fünf Minuten wieder startklar – Chinas Batterie-Gigant setzt auf Akkuwechsel statt Laden

CATL will Elektro-Lkw mit einem Akkuwechsel in fünf Minuten versorgen. Ein Reserveakku soll die Reichweite besser nutzbar machen.

An den QIJI-Wechselstationen sollen Elektro-Lkw innerhalb von nur fünf Minuten eine volle Batterie erhalten. CATL plant bis Ende 2027 insgesamt 2.000 solcher Anlagen in China. © CATL

An den QIJI-Wechselstationen sollen Elektro-Lkw innerhalb von nur fünf Minuten eine volle Batterie erhalten. CATL plant bis Ende 2027 insgesamt 2.000 solcher Anlagen in China. © CATL

Fünf Minuten für einen vollen Akku: So schnell sollen schwere Elektro-Lastwagen künftig wieder auf die Straße kommen. Der chinesische Batteriehersteller CATL hat dafür ein neues Batteriewechselsystem vorgestellt. Statt lange an einer Ladesäule zu stehen, erhalten die Fahrzeuge an speziellen Stationen eine bereits geladene Batterie. Bis Ende 2027 plant das Unternehmen 2.000 solcher Stationen in China.

Hinter der Entwicklung steckt kein kleines Start-up, sondern ein Gigant der Batterieindustrie. Der chinesische Konzern CATL ist der weltweit größte Hersteller von Elektrofahrzeugbatterien. Das 2011 gegründete Unternehmen mit Sitz in Ningde beliefert die Automobilindustrie und produziert Energiespeicher. Nun nimmt CATL auch den Schwerlastverkehr ins Visier. Bei einer Präsentation am 20. Oktober 2026 in Peking verkündete der Konzern bereits Vereinbarungen über 13.000 Einheiten des neuen Systems.

Batteriewechsel bei Elektro-Lkw soll in fünf Minuten gelingen

Beim neuen Batteriewechsel fährt der Lastwagen eine Station an, wo sein entladener Akku gegen einen geladenen ausgetauscht wird. Der eigentliche Wechsel soll nach Herstellerangaben nur fünf Minuten dauern. CATL nennt zudem eine Erfolgsquote von 99,99 Prozent beim ersten Versuch. Unabhängig überprüfte Ergebnisse für den regelmäßigen Betrieb unterschiedlicher Fahrzeugtypen nennt das Unternehmen nicht.

Lange Ladezeiten gehören zu den Hindernissen für Elektro-Lkw auf Fernstrecken. Hinzu kommen hohe Anschaffungskosten, das Gewicht großer Batterien und fehlende Schnellladestationen mit besonders hoher Leistung. CATL setzt deshalb auf austauschbare Energiespeicher statt auf immer höhere Ladeleistungen. Laut Reuters bezeichnete CATL-Technikchef Gao Huan den Batteriewechsel als die einzige Möglichkeit, schwere Elektro-Lkw möglichst effizient mit neuer Energie zu versorgen. Besonders hohe Ladeströme erzeugten zusätzliche Wärme und führten zu Energieverlusten, erklärte er.

Zweiter Akku macht fast die gesamte Batterie nutzbar

Eine zusätzliche Batterie hinter dem Fahrerhaus soll die Reichweite besser nutzbar machen. Sie speichert 77 Kilowattstunden und übernimmt bei Bedarf die Stromversorgung. Der Hauptakku sitzt dagegen unter dem Fahrzeug und lässt sich an den Wechselstationen austauschen. Beide Batteriesysteme arbeiten unabhängig voneinander.

Viele Fahrer steuern eine Wechselstation bereits an, obwohl ihr Hauptakku noch ungefähr 30 Prozent Energie enthält. Sie wollen vermeiden, unterwegs mit leerer Batterie liegen zu bleiben. Die Reservebatterie soll diese Vorsicht überflüssig machen. Laut CATL können die Lastwagen künftig mehr als 95 Prozent der Hauptbatterie nutzen. Sinkt deren Ladestand auf etwa fünf Prozent, übernimmt der zweite Akku innerhalb von Millisekunden die Stromversorgung.

Neue Batteriemodule sollen Kosten senken

Für sein QIJI-Wechselsystem bietet CATL standardisierte Batteriemodule mit 432 und 513 Kilowattstunden Kapazität an. Diese sollen sich in unterschiedlichen kompatiblen Lastwagen einsetzen lassen. Die neue Konstruktion benötigt nach Herstellerangaben 52 Prozent weniger Bauteile und soll gegenüber bisherigen Modellen 15 Prozent günstiger sein.

Auch bei der Finanzierung verspricht der Hersteller Vorteile. Speditionen müssen den austauschbaren Hauptakku nicht zwangsläufig kaufen, sondern können ihn mieten. Das Mietmodell berücksichtigt unter anderem den tatsächlichen Energiebedarf. CATL nennt folgende Vorteile:

  • Weniger Standzeit: Der Batteriewechsel soll lediglich fünf Minuten beanspruchen.
  • Mehr nutzbare Energie: Der zusätzliche Akku ermöglicht eine Entladung der Hauptbatterie auf unter fünf Prozent.
  • Flexible Batteriemiete: Speditionen können Mietzeiten an saisonale Transportaufträge anpassen.
  • Geringere Mietkosten: Bei bestimmten Basistarifen sollen die Kosten pro Kilowattstunde um bis zu 20 Prozent sinken.

Die Einsparungen beruhen auf Berechnungen des Herstellers. Ob der Batteriewechsel insgesamt wirtschaftlicher ist als leistungsfähiges Schnellladen, bleibt offen.

CATL will bis 2027 insgesamt 2.000 Wechselstationen errichten

Die Infrastruktur soll rasch wachsen. Bis Ende 2026 plant CATL zunächst 900 Wechselstationen in China. Ein Jahr später sollen es 2.000 sein. Langfristig strebt der Konzern gemeinsam mit Partnern ein landesweites Netz von 10.000 Stationen an. Besonders wichtige Güterverkehrsstrecken sollen dadurch miteinander verbunden werden.

Parallel erweitert CATL sein Batterieangebot für Elektro-Lkw. Die neue Langstreckenversion Tianxing II besitzt laut Reuters eine Batterie mit 760 Kilowattstunden Kapazität. Damit sollen Lastwagen mehr als 600 Kilometer ohne Nachladen zurücklegen können. Außerdem entwickelte das Unternehmen leichtere und dünnere Akkus für unterschiedliche Fahrzeugtypen. Die Reichweitenangabe bezieht sich auf die Langstreckenversion und nicht ausdrücklich auf das neue Wechselsystem.

Die neue Doppelbatterie von CATL kombiniert einen austauschbaren Hauptakku mit einer 77-kWh-Reservebatterie. So sollen Elektro-Lkw ihre gespeicherte Energie besser ausnutzen können. © CATL
© CATL Die neue Doppelbatterie von CATL kombiniert einen austauschbaren Hauptakku mit einer 77-kWh-Reservebatterie. So sollen Elektro-Lkw ihre gespeicherte Energie besser ausnutzen können. © CATL

Auch DHL arbeitet mit CATL an Elektro-Lkw

Für Deutschland könnte die Entwicklung ebenfalls interessant werden. Im September 2026 unterzeichneten CATL und der deutsche Logistikkonzern DHL eine vorläufige Vereinbarung. Beide Unternehmen wollen gemeinsam mit Fahrzeugherstellern umweltfreundliche Güterverkehrskorridore in Europa entwickeln. Dabei sollen elektrische Lastwagen verstärkt im Logistikbetrieb eingesetzt werden.

Ob DHL künftig auch das neue Batteriewechselsystem verwendet, ist noch offen. Konkrete Pläne für entsprechende Stationen in Deutschland gibt es bislang nicht. CATL konzentriert den angekündigten Ausbau zunächst auf China. Dort sollen die ersten großen Wechselnetze den Einsatz elektrischer Lastwagen auf viel befahrenen Transportstrecken erleichtern.

Kurz zusammengefasst:

  • Akkuwechsel in fünf Minuten: Der chinesische Batteriehersteller CATL hat ein System vorgestellt, das Elektro-Lkw laut Herstellerangaben in nur fünf Minuten mit einer geladenen Batterie versorgen soll.
  • Reserveakku erhöht die nutzbare Reichweite: Eine zusätzliche Batterie mit 77 Kilowattstunden ermöglicht es, den Hauptakku zu mehr als 95 Prozent zu entladen, ohne liegen zu bleiben.
  • 2.000 Wechselstationen bis 2027 geplant: CATL will in China ein großes Netz aufbauen, während eine Zusammenarbeit mit DHL den Einsatz elektrischer Lastwagen in Europa voranbringen soll.

Übrigens: Nicht nur beim Antrieb verändert neue Technik den Straßenverkehr. BMW und die TU München entwickeln ein KI-System, mit dem Autos sogar verdeckte Gefahren hinter Hausecken erkennen sollen. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © CATL

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