Musik zum Essen – Warum das gleiche Gericht plötzlich besser schmeckt

Musik zum Essen beeinflusst die Geschmackswahrnehmung. Eine neue Studie zeigt, wie Klänge bestimmte Gehirnregionen aktivieren und Speisen als angenehmer wahrgenommen werden.

Musik beim Essen kann beeinflussen, wie wir Speisen wahrnehmen. Eine neue Studie belegt, dass Klänge die Verarbeitung von Geschmack im Gehirn verändern können.

Musik beim Essen kann beeinflussen, wie wir Speisen wahrnehmen. Eine neue Studie belegt, dass Klänge die Verarbeitung von Geschmack im Gehirn verändern können. © Pexels

Leise Musik im Hintergrund ist eine hervorragende Begleitung zu einem gepflegten Dinner im Restaurant und eine traditionelle Live-Band kann einen rustikalen Biergartenbesuch so richtig abrunden. Dass die musikalische Untermalung von Esskultur mehr als nur etwas Kultur zum Essen sein könnte, dafür spricht eine Untersuchung der Universität Kopenhagen und weiterer Forschungseinrichtungen. Mithilfe von Hirnscans fanden die Wissenschaftler heraus, dass Musik Bereiche aktiviert, die auch an der Verarbeitung von Geschmack beteiligt sind.

Wie gut etwas schmeckt, hängt offenbar auch davon ab, was im Hintergrund läuft. Musik zum Essen kann also die Geschmackswahrnehmung beeinflussen, obwohl sich an den Zutaten nichts verändert. Bestimmte Klänge lassen manche Speisen sogar angenehmer erscheinen. Dabei spielt das Gehirn eine größere Rolle als bislang angenommen. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Scientific Reports veröffentlicht.

Geschmack hat einen Klang

Für die Untersuchung nahmen 48 gesunde Erwachsene an einem Geschmackstest teil. Von 28 Personen lagen zusätzlich vollständige Hirnscans vor. Während der Messungen erhielten sie süße und saure Flüssigkeiten. Mal hörten sie dazu Musik, mal probierten sie die Lösungen ohne musikalische Begleitung. In weiteren Durchgängen erklangen die Musikstücke allein.

Die Forscher verwendeten eigens ausgewählte Melodien, die unterschiedliche Geschmacksrichtungen vermitteln sollten. Die süße Variante bestand aus hohen, weichen Tönen und harmonischen Klängen. Die saure Musik klang dagegen schärfer und weniger harmonisch. Tatsächlich verbanden die Teilnehmer die jeweiligen Stücke überwiegend mit den vorgesehenen Geschmacksrichtungen. Auch Mischungen aus Zucker und Zitronensäure ordneten sie entsprechend ihrer Zusammensetzung zu.

Musik aktiviert bestimmte Gehirnregionen beim Schmecken

Besonders auffällig waren die Aufnahmen aus dem funktionellen Magnetresonanztomografen. Dieses Verfahren macht Veränderungen der Hirnaktivität anhand der Durchblutung sichtbar. „Wenn Musik die Ohren erreicht, während wir essen, reagiert das Gehirn stärker, als wenn wir Geschmack ohne Musik erleben“, erklärt Studienerstautorin Alberte Baggesgaard Seeberg.

Hörten die Teilnehmer Musik, waren Hirnregionen, die Geschmack und Empfindungen im Mund verarbeiten, aktiver als beim Schmecken ohne Musik. Allerdings zeigte sich dieser Effekt vor allem durch das Zusammentreffen beider Sinneseindrücke. Ob die Musik geschmacklich besonders gut zur Flüssigkeit passte, hatte einen deutlich geringeren Einfluss.

Süße Melodien machen Geschmack angenehmer

Persönliche Bewertungen lieferten dabei interessante Ergebnisse. Nach den Geschmackstests sollten die Teilnehmer beurteilen, wie angenehm, süß oder sauer ihnen die Flüssigkeiten erschienen. Begleitete die mit Süße verbundene Musik die Proben, bewerteten die 28 Teilnehmer mit vollständigen Hirnscandaten deren Geschmack als angenehmer als ohne Musik.

Eine deutliche Verstärkung der wahrgenommenen Süße oder Säure ließ sich in dieser kleineren Gruppe dagegen nicht nachweisen. Erst bei der Auswertung aller 48 Teilnehmer zeigte sich ein messbarer Effekt auf die Süßewahrnehmung. Unter süß klingender Musik erschienen die Lösungen süßer als bei saurer Musik oder Stille.

Wahrnehmung einer Mahlzeit ist ein individuelles Sinnespaket

Für Studienleiterin Qian Janice Wang liegt der besondere Erkenntniswert der Ergebnisse in der Verbindung verschiedener Sinneseindrücke. „Geschmack ist nicht einfach eine Eigenschaft von Lebensmitteln. Geschmack ist ein Erlebnis, das vom Gehirn erzeugt wird“, erklärt sie. Neben den Signalen der Zunge verarbeitet das Gehirn zeitgleich auch Gerüche, Geräusche und weitere Sinneseindrücke. Beim Essen entsteht daraus ein Paket – die persönliche Wahrnehmung einer Mahlzeit.

Bei der Interpretation der Ergebnisse ist allerdings etwas Vorsicht geboten. Die vollständigen Hirnscandaten stammen lediglich von 28 überwiegend jungen Erwachsenen. Zudem verwendeten die Forscher einfache Zucker- und Säurelösungen statt vollständiger Mahlzeiten. Auch könnten persönliche Musikvorlieben und kulturelle Unterschiede beeinflussen, wie Menschen auf bestimmte Klänge reagieren.

Musik zum Essen könnte den Appetit beeinflussen

Die Ergebnisse könnten künftig auch außerhalb von Gastronomie und Esskultur interessant werden. Besonders in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen ließe sich die musikalische Begleitung von Mahlzeiten gezielt gestalten. „Für Menschen, bei denen ein Risiko für Mangelernährung besteht, könnte etwas so Einfaches wie Musik möglicherweise das Esserlebnis verbessern“, sagt Seeberg. Auch Menschen mit geringem Appetit könnten davon möglicherweise profitieren. Ob sie dadurch tatsächlich mehr essen, wurde allerdings nicht untersucht.

Ein Vorteil eines solchen Effekts wäre der geringe Aufwand für eine Umsetzung. Anstelle neuer Rezepturen oder zusätzlicher Zutaten könnten passende Klänge die Atmosphäre beim Essen verändern. Welche Musik sich wofür eignet, müsste jedoch zunächst im Alltag untersucht werden.

Kurz zusammengefasst:

  • Musik beeinflusst die Geschmackswahrnehmung: Das Gehirn verarbeitet beim Essen auch Geräusche und reagiert stärker, wenn Musik und Geschmack zusammenkommen.
  • Bestimmte Klänge können Essen angenehmer erscheinen lassen: Besonders Musik, die mit Süße verbunden wird, verbesserte in der Studie die Bewertung des Geschmacks.
  • Musik könnte Mahlzeiten aufwerten: Restaurants, Kantinen und Krankenhäuser könnten davon profitieren. Ob Musik auch den Appetit steigert, ist bislang nicht nachgewiesen.

Übrigens: Musik könnte nicht nur beim Essen den Geschmack und unser Wohlbefinden beeinflussen, sondern auch während einer Vollnarkose positiv auf den Körper wirken – Patienten litten nach einer Operation mit musikalischer Begleitung deutlich seltener unter Übelkeit. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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