BMW i3 fährt 1.213 Kilometer ohne Laden – neue Batterie geht in Serie
BMW meldet 1.213 Kilometer ohne Nachladen bei einer Testfahrt in China. Neue Batterietechnik soll Elektroautos effizienter machen.
Der neue BMW i3 nutzt Batteriezellen der sechsten Generation. Die Technik soll höhere Reichweiten, schnelleres Laden und einen geringeren Energieverbrauch ermöglichen. © BMW Group
Von München bis an die Amalfiküste in Süditalien – und das mit einem Elektroauto, ohne ein einziges Mal nachzuladen. Eine vergleichbare Strecke von 1.213 Kilometern hat der neue BMW i3 50L bei einer Testfahrt in China zurückgelegt. Möglich machen soll das eine neue Generation von Batteriezellen, kombiniert mit einem besonders effizienten Elektroantrieb. Allerdings erreichte der Wagen diese Reichweite unter speziellen Testbedingungen. Wie weit er im Alltag tatsächlich kommt, ist noch offen.
BMW China stellte das Ergebnis am 15. Oktober 2026 in Shenyang vor. Dort begann zugleich die Serienproduktion der sechsten Batteriegeneration des Herstellers. Statt der bisherigen prismatischen Zellen setzt BMW auf große zylindrische Batteriezellen, die sogenannten Rundzellen. Zusammen mit einer 800-Volt-Architektur und einem verbesserten Energiemanagement sollen sie Elektroautos leistungsfähiger und effizienter machen.
Neue Batterietechnik soll den Stromverbrauch deutlich senken
Wie weit ein Elektroauto mit einer Akkuladung kommt, hängt auch vom Wirkungsgrad seines Antriebs ab. Elektromotoren wandeln einen großen Teil der eingesetzten Energie in Bewegung um. Dennoch entstehen Verluste, etwa durch Wärme in der Elektronik, im Motor und in der Batterie. BMW hat deshalb bei seiner sechsten Antriebsgeneration mehrere technische Komponenten überarbeitet.
Die neue 800-Volt-Architektur kann bei gleicher elektrischer Leistung mit geringerer Stromstärke arbeiten als ein 400-Volt-System. Dadurch lassen sich elektrische Verluste reduzieren. Außerdem ermöglicht die höhere Spannung bei geeigneten Ladestationen besonders hohe Ladeleistungen. Wie stark die einzelnen Verbesserungen zur Reichweite des neuen i3 beitragen, hat BMW bislang nicht beziffert.
BMW i3 fährt drei Tage lang durch Nordostchina
Die Testfahrt begann am BMW-Werk Tiexi in Shenyang. Nach Angaben des chinesischen Technikportals CNMO führte die Route drei Tage lang durch die Provinz Liaoning. Am ersten Tag passierte das Fahrzeug die große Liaohe-Brücke. Anschließend ging es zur Xinghai-Bucht-Brücke bei Dalian und zur Yalu-Fluss-Brücke bei Dandong an der nordkoreanischen Grenze. Insgesamt legte der Wagen 1.213,6 Kilometer zurück.
Dabei fuhr der BMW über Autobahnen, Fernstraßen, Landstraßen und durch Städte. Nach Angaben von CNMO zeigte der Bordcomputer am Ende der Testfahrt einen durchschnittlichen Stromverbrauch von lediglich 8,8 Kilowattstunden pro 100 Kilometer an. Am Ziel hatte die Batterie noch ein Prozent Restladung. Eine unabhängige Bestätigung dieser Messwerte liegt nicht vor.
Warum die Reichweite im Alltag deutlich geringer ausfallen kann
BMW selbst bezeichnet die Fahrt als Extremtest. Laut einem Bericht des chinesischen Automobilportals Autohome saß ein auf effizientes Fahren spezialisierter BMW-Ingenieur am Steuer. Er fuhr besonders gleichmäßig und energiesparend, um möglichst weit mit einer Akkuladung zu kommen.
Im gewöhnlichen Straßenverkehr lässt sich eine solche Fahrweise nicht immer umsetzen. Verschiedene Faktoren können den Stromverbrauch erhöhen:
- Geschwindigkeit: Bei doppeltem Tempo vervierfacht sich der Luftwiderstand. Die dafür benötigte Antriebsleistung steigt noch stärker.
- Außentemperatur: Kälte vermindert die Leistungsfähigkeit der Batterie und erhöht den Heizbedarf.
- Fahrweise: Starkes Beschleunigen kostet Energie. Beim Bremsen lässt sich ein Teil davon zurückgewinnen.
- Beladung: Zusätzliches Gewicht erhöht insbesondere beim Beschleunigen und an Steigungen den Energiebedarf.
- Klimatisierung: Heizung und Klimaanlage beziehen ihre Energie ebenfalls aus der Fahrzeugbatterie.
Für den i3 50L nennt Autohome eine offizielle Reichweite von 1.028 Kilometern nach dem chinesischen CLTC-Prüfverfahren. Die Testfahrt übertraf diesen Wert um rund 185 Kilometer. Allerdings basiert auch die CLTC-Reichweite auf festgelegten Prüfbedingungen. Das in Europa verwendete WLTP-Verfahren arbeitet mit anderen Vorgaben. Ein entsprechender WLTP-Wert für den getesteten BMW i3 50L liegt bislang nicht vor.
BMW investiert Milliarden in die neue Batteriegeneration
Im Werk Shenyang fertigt BMW nun die sechste Generation seiner Hochvoltbatterien. Der Standort verbindet die Batterieherstellung mit der Produktion von Motoren und Fahrzeugen. Allein in das neue Batterieprojekt investierte der Konzern nach eigenen Angaben zehn Milliarden Yuan, umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro.
Die neuen Energiespeicher bilden einen Bestandteil der sogenannten Neuen Klasse. BMW will künftig drei wesentliche Komponenten seiner sechsten elektrischen Antriebsgeneration in China herstellen. Die Fertigung vor Ort soll die Versorgung der chinesischen Fahrzeugwerke sicherstellen.
Neue Batterien kommen ab 2027 in weitere BMW-Modelle
Für den chinesischen Markt kündigt BMW im Jahr 2027 knapp 20 neue oder überarbeitete Fahrzeugmodelle mit Technologien der Neuen Klasse an. Dazu gehören weitere Elektroautos mit der neuen Antriebsgeneration.
Der Hersteller will außerdem den Anteil lokal produzierter Fahrzeuge in China bis 2030 auf mehr als 95 Prozent erhöhen. Zusätzlich prüft BMW, ob künftig mehr in China gebaute Fahrzeuge in südostasiatische Länder exportiert werden können.
Kurz zusammengefasst:
- 1.213 Kilometer ohne Laden: Der neue BMW i3 50L legte nach Herstellerangaben bei einer dreitägigen Testfahrt durch Nordostchina diese Strecke mit einer Akkuladung zurück.
- Neue Batterietechnik: BMW setzt auf große Rundzellen, ein 800-Volt-System und einen effizienteren Elektroantrieb. Die sechste Batteriegeneration wird bereits in China produziert.
- Alltagsreichweite bleibt offen: Die Rekordfahrt fand unter besonderen Testbedingungen statt. Die tatsächliche Reichweite hängt unter anderem von Geschwindigkeit, Temperatur und Fahrweise ab.
Übrigens: Während BMW mit neuer Batterietechnik 1.213 Kilometer ohne Ladestopp erreicht haben will, entwickeln japanische Forscher einen Akku, der Sauerstoff aus der Luft nutzt und Elektroautos künftig noch größere Reichweiten ermöglichen könnte. Wie die Lithium-Luft-Batterie funktioniert – mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © BMW Group
