Studie mit überraschendem Effekt: Zwei Cannabis-Wirkstoffe könnten Fettleber reduzieren

Zwei Cannabis-Wirkstoffe könnten Fettleber bremsen: CBD und CBG senken Leberfett und verbessern Blutzucker.

Nahaufnahme einer Cannabis-Pflanze

Zwei Wirkstoffe aus der Cannabispflanze stehen im Mittelpunkt der Studie: CBD und CBG verbesserten im Experiment den Stoffwechsel der Leber und reduzierten Fettablagerungen. © Vecteezy

Fettleber zählt heute zu den häufigsten chronischen Krankheiten weltweit. Rund jeder dritte Erwachsene ist betroffen. Viele verbinden die Diagnose zunächst mit Alkohol. In den meisten Fällen steckt jedoch etwas anderes dahinter: Übergewicht, Diabetes oder zu wenig Bewegung. Mediziner sprechen dann von einer metabolischen Fettleber, kurz MASLD. Die Krankheit gilt als gefährlich, weil sie Entzündungen der Leber auslösen und später sogar zu Zirrhose oder Herz-Kreislauf-Problemen führen kann.

Die Behandlung ist schwierig. Ärzte empfehlen meist Gewichtsabnahme, mehr Bewegung und eine gesündere Ernährung. Medikamente gibt es bislang nur wenige. Deshalb suchen Forscher intensiv nach neuen Ansätzen. Eine Studie aus Israel lenkt den Blick nun auf zwei Wirkstoffe aus der Cannabispflanze. Sie verursachen keinen Rausch, greifen aber im Stoffwechsel der Leber ein. In Laborversuchen beeinflussten sie Prozesse, die bei der Entstehung einer Fettleber eine zentrale Rolle spielen.

Cannabis und Fettleber: Zwei Wirkstoffe verändern zentrale Prozesse in der Leber

Die Studie stammt von Forschern der Hebrew University of Jerusalem. Das Team um den Pharmakologen Prof. Joseph Tam untersuchte zwei Wirkstoffe aus der Cannabispflanze: Cannabidiol (CBD) und Cannabigerol (CBG). Beide Stoffe lösen keinen Rausch aus, stehen aber seit einigen Jahren im Fokus der Medizin.

In den Versuchen arbeiteten die Forscher mit Mäusen, die durch eine fettreiche Ernährung eine Fettleber entwickelt hatten. Nach der Behandlung mit CBD oder CBG veränderten sich mehrere Prozesse im Stoffwechsel der Tiere. Die Leber konnte Fett wieder besser abbauen. Gleichzeitig verbesserten sich wichtige Blutwerte, etwa beim Zucker- und Fettstoffwechsel.

„Unsere Ergebnisse identifizieren einen neuen Mechanismus, durch den CBD und CBG die Energieversorgung der Leber und die Funktion der Lysosomen verbessern“, erklärt Tam.

Damit geraten zwei grundlegende Funktionen der Leber in den Blick: die Energieversorgung der Zellen und ihr internes „Reinigungssystem“, das schädliche Stoffe abbaut.

Prof. Joseph Tam vom Tam Lab an der School of Pharmacy der Hebrew University of Jerusalem. © Tom Barnea
Prof. Joseph Tam vom Tam Lab an der School of Pharmacy der Hebrew University of Jerusalem. © Tom Barnea

Energie-Reserve der Leber steigt deutlich an

Ein besonders auffälliger Effekt zeigte sich bei der Energieversorgung der Leberzellen. In den Proben fanden die Forscher deutlich höhere Mengen eines Moleküls namens Phosphokreatin. Es funktioniert wie eine schnelle Energiereserve für die Zelle.

In Muskeln spielt dieses System eine wichtige Rolle, in der Leber dagegen normalerweise kaum. In den Experimenten änderte sich das deutlich. Die Menge an Phosphokreatin stieg stark an:

  • unter CBD auf etwa das Vierfache
  • unter CBG auf rund das 3,4-Fache

Diese zusätzliche Energie hilft den Zellen, Belastungen besser zu verkraften. Eine sehr fettreiche Ernährung setzt den Stoffwechsel stark unter Druck. Wenn mehr Energie zur Verfügung steht, kann die Leber solche Belastungen deutlich besser ausgleichen.

Recycling-System der Zellen arbeitet wieder effizient

Neben der Energieversorgung beobachtete das Team eine zweite wichtige Veränderung. In den Zellen wurden sogenannte Cathepsine wieder aktiver. Diese Enzyme befinden sich in den Lysosomen. Das sind kleine Strukturen, die beschädigte Zellbestandteile und Fett abbauen.

Bei einer Fettleber funktioniert dieses Recycling häufig schlechter. Fett und Stoffwechselabfälle sammeln sich dann in der Zelle an. Nach der Behandlung mit CBD und CBG nahm die Aktivität mehrerer Cathepsine deutlich zu. Dadurch konnten Zellen überschüssige Lipide wieder effizienter abbauen. Die Forscher sprechen deshalb von einer Umstellung im Stoffwechsel der Leberzellen.

Problematische Fettstoffe gehen deutlich zurück

Die Veränderungen in den Leberzellen hatten klare Folgen. Die Leber speicherte deutlich weniger Fett. Besonders zwei Stoffe gingen zurück, die bei einer Fettleber eine wichtige Rolle spielen.

Dazu gehören:

  • Triglyceride – das sind Fettmoleküle, die sich bei einer Fettleber stark im Organ ansammeln
  • Ceramide – bestimmte Fettstoffe, die Entzündungen fördern und den Stoffwechsel belasten

Vor allem Ceramide gelten als problematisch. Sie stehen mit Entzündungen und einer schlechteren Wirkung von Insulin in Verbindung. Sinkt ihre Menge, kann der Stoffwechsel wieder stabiler arbeiten.

Auch Blutzucker und Cholesterin entwickeln sich günstiger

Die Veränderungen beschränkten sich nicht auf die Leber. Auch im Blut verbesserten sich mehrere wichtige Werte. Besonders deutlich reagierte der Zuckerstoffwechsel.

Bei einer Fettleber reagiert der Körper häufig schlechter auf Insulin. Dieses Hormon sorgt normalerweise dafür, dass Zucker aus dem Blut in die Zellen gelangt. Wenn dieser Mechanismus gestört ist, steigen die Blutzuckerwerte.

In den Versuchen entwickelten sich mehrere Werte günstiger:

  • der Blutzucker blieb stabiler
  • die Zellen reagierten wieder empfindlicher auf Insulin
  • Cholesterinwerte sanken

Solche Veränderungen gelten als wichtige Hinweise darauf, dass sich der gesamte Stoffwechsel erholen kann.

Ein Wirkstoff wirkt in einigen Bereichen stärker

Beide untersuchten Substanzen zeigten positive Effekte. In mehreren Messungen schnitt jedoch CBG etwas besser ab als CBD. Besonders deutlich waren die Unterschiede bei Körperfett und Cholesterinwerten. Tiere, die CBG erhielten, entwickelten:

  • weniger Körperfett
  • eine stärkere Verbesserung der Insulinempfindlichkeit
  • niedrigere LDL-Cholesterinwerte
  • niedrigere Gesamtcholesterinwerte

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass beide Cannabis-Wirkstoffe den Stoffwechsel unterstützen können, dabei jedoch leicht unterschiedlich wirken.

Fettleber bleibt lange unbemerkt

Das Problem: Eine Fettleber verursacht oft lange keine Beschwerden. Viele Menschen erfahren erst davon, wenn Blutwerte auffällig werden oder eine Ultraschalluntersuchung Veränderungen zeigt.

Dabei entwickelt sich die Krankheit meist über Jahre. Häufige Risikofaktoren sind:

  • Übergewicht
  • Bluthochdruck
  • Insulinresistenz
  • dauerhaft erhöhte Blutfettwerte

Bleibt die Krankheit unbehandelt, kann sie sich weiter verschlechtern. Entzündungen der Leber, Narbenbildung und im späteren Verlauf sogar eine Leberzirrhose sind mögliche Folgen. Wenn beide Systeme wieder besser funktionieren, kann die Leber Fett effektiver verarbeiten.

Die bisherigen Ergebnisse stammen allerdings aus Tierversuchen. Weitere Untersuchungen sollen zeigen, ob sich ähnliche Effekte auch beim Menschen nutzen lassen.

Kurz zusammengefasst:

  • Fettleber betrifft etwa jeden dritten Erwachsenen weltweit und entsteht meist durch Übergewicht, Diabetes oder Bewegungsmangel – lange bleibt sie unbemerkt, kann aber schwere Leberschäden verursachen.
  • In einer Studie der Hebrew University of Jerusalem senkten die Cannabis-Wirkstoffe CBD und CBG bei Mäusen deutlich das Leberfett und verbesserten gleichzeitig Blutzucker, Cholesterin und den Fettstoffwechsel.
  • Die Substanzen stärken offenbar zwei zentrale Schutzsysteme der Leberzellen: eine schnelle Energie-Reserve und ein zelluläres „Reinigungssystem“, das überschüssiges Fett abbaut.

Übrigens: Fettleber ist mehr als ein Stoffwechselproblem – eine große Studie zeigt, dass Betroffene fast doppelt so häufig sterben wie Menschen ohne die Erkrankung. Warum die Krankheit so gefährlich ist und welche Risiken sie im Körper auslöst, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Vecteezy

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