Von Dürre bis Gülle: Wie das Grundwasser in Deutschland bedroht wird

Dürre und Gülle beeinträchtigen zunehmend das Grundwasser in Deutschland, was langfristige Folgen nach sich zieht.

Grundwasser Deutschland

Blick auf die Elbe in Dresden. Die außergewöhnlichen Dürreperioden 2018/2019/2020 sorgten dafür, dass der Schifffahrtsverkehr wegen Niedrigwasser zeitweise eingestellt und die Energieversorgung etwa bei der Kühlung von Kraftwerken stoßweise eingeschränkt wurde. © André Künzelmann / UFZ

In den letzten fünf Jahren hat Deutschland unter extremen Sommerdürren gelitten und dadurch viel Wasser verloren. Doch wie viel genau und ob das ein dauerhafter Zustand wird, war bisher nicht klar. Nun haben Forscher des Deutschen GeoForschungsZentrums (GFZ) gemeinsam mit Kollegen von der Universität Bonn und dem Forschungszentrum Jülich die Wasserverluste genau unter die Lupe genommen. Sie haben die Wasserdaten von 2002 bis 2022 ausgewertet und festgestellt, dass Deutschland jedes Jahr durchschnittlich 760 Millionen Tonnen Wasser verliert. Zu diesem Verlust tragen trockenere Böden, weniger Grundwasser, das Schmelzen der Gletscher und sinkende Wasserspiegel in Deutschland bei.

Massiver Wasserverlust in Deutschland

Diese Studie stützt sich hauptsächlich auf Daten der Satellitenmissionen GRACE, die bis zum Ende ihrer Mission im Jahr 2017 lief, und GRACE-Follow On, die seit 2018 aktiv ist. Die Forschenden verwendeten vier verschiedene Auswertungsmethoden, um ein umfassendes Bild der Wasserverluste in Deutschland zu erhalten. Das Besondere an dieser Untersuchung ist die Kombination dieser Methoden, die es ermöglicht, ein genaueres Verständnis der verschiedenen Faktoren zu entwickeln, die zum Wasserverlust beitragen.

Nach Angaben des GFZ fehlen in Deutschland trotz einer Erholung im Jahr 2023 noch immer erhebliche Wassermengen im Gesamtwasserspeicher. Es mangelt verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt um etwa zehn Milliarden Tonnen Wasser. Zum Vergleich: Diese Menge entspricht etwa einem Fünftel des Volumens des Bodensees, der rund 48 Milliarden Tonnen Wasser fasst.

In Deutschland gestaltet sich die Überwachung der Grundwasserstände als schwierig, da keine bundesweite Erfassung der Daten stattfindet. Die meisten Bundesländer stellen zwar Informationen von lokalen Messstationen bereit, die jedoch oft lückenhaft und ohne historische Vergleichsdaten sind. Dies führt zu erheblichen Schwankungen in der Datenqualität und erschwert eine umfassende Analyse, wie aus einem Bericht der taz hervorgeht.

Schlechte Qualität der Grundwasser-Daten in Deutschland

Die Europäische Union hat bereits die fehlende zentrale Erfassung von Grundwasserdaten in Deutschland kritisiert, eine rechtliche Verpflichtung zur Erfassung und Veröffentlichung dieser Daten besteht jedoch auch auf EU-Ebene nicht.

Trotz dieser Herausforderungen hat das Rechercheportal Correctiv.lokal im sogenannten Grundwasseratlas eine Vielzahl lokaler Daten zusammengetragen. Laut diesem Atlas sinkt der Grundwasserspiegel bei knapp einem Viertel der Messstationen, während bei etwas weniger als einem Sechstel ein Anstieg festgestellt wird. Die regionalen Trends variieren dabei stark: In Nordrhein-Westfalen zeigen 36 Prozent der Messstationen einen Rückgang, in Niedersachsen sind es 33 Prozent. Demgegenüber steht Hessen, wo 34 Prozent der Stationen steigende Grundwasserstände verzeichnen.

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung will Grundwasserstände messen

Um die Trockenheit in den obersten 1,8 Metern des Bodens besser zu verstehen, nutzt das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung ein spezielles Werkzeug, den sogenannten Dürremonitor. Dieses Gerät hilft zu ermitteln, wie trocken der Boden wirklich ist und wie gut er Wasser speichern kann, was wiederum wichtig für die Bildung von Grundwasser ist. Das Wasser in den oberen Bodenschichten versorgt normalerweise die Pflanzen. Wenn es aber nicht von den Pflanzen aufgenommen wird oder verdunstet, kann es tiefer in die Erde sickern und hilft so, neues Grundwasser zu bilden. Ist der Boden jedoch zu trocken, funktioniert dieser Prozess nicht.

In den Jahren 2021 und 2022 erlebten viele Teile Deutschlands extreme Dürren. Aber im Juni 2024 kam die gute Nachricht vom Helmholtz-Institut: In 91 Prozent von Deutschland gab es keine Dürre mehr, ein Zustand, der seit 2018 nicht mehr erreicht wurde. Zurückzuführen ist der Anstieg auf das nasse Jahr 2023.

Es ist auch wichtig zu wissen, dass der Boden nur eine bestimmte Menge Wasser aufnehmen kann. Wenn es sehr stark regnet, wie es Anfang Juni in Süddeutschland der Fall war, kann ein bereits mit Wasser gesättigter Boden kein weiteres Wasser mehr aufnehmen. Das kann dann zu Überschwemmungen führen, wenn der Boden das Wasser nicht schnell genug absorbieren kann.

Gülle gefährdet massiv das Grundwasser

Nicht nur Dürre bedroht das Grundwasser in Deutschland. Eine weitere erhebliche Gefahr geht von der Landwirtschaft aus, insbesondere durch die Ausbringung von Gülle. In der Praxis bringt dies Stickstoff und Phosphat in den Boden, die oft in Mengen zugeführt werden, die die Pflanzen nicht vollständig aufnehmen können. Die überschüssigen Nährstoffe gelangen dann ins Grundwasser und können dieses erheblich belasten. Dieses Problem wird durch den Druck verschärft, den die Europäische Union auf Deutschland ausübt, um sicherzustellen, dass strengere Kontrollen durchgeführt werden und weniger Dünger ungenutzt bleibt.

Brüssel drängt auf strengere Kontrollen für Gülle im Grundwasser

Das vorgeschlagene Düngegesetz, das strengere Regulierungen und bessere Überwachung vorsieht, steht jedoch auf der Kippe. Im Bundesrat gibt es Widerstände, vor allem, weil viele Bauern durch die neuen Regelungen zusätzliche Belastungen befürchten, wie die Süddeutsche berichtet. Die EU-Kommission hat Deutschland  bereits in der Vergangenheit wegen der Nichteinhaltung der Nitratrichtlinie gerügt. Mehr als ein Viertel der Messstellen im Land überschreiten immer noch den Grenzwert für Nitrat im Grundwasser. Sollte das Gesetz scheitern, könnten nicht nur finanzielle Strafen drohen, sondern auch langfristige Schäden am Grundwasser, die schwer rückgängig zu machen sind.

Was du dir merken solltest:

  • In den letzten fünf Jahren hat Deutschland aufgrund von Dürren durchschnittlich 760 Millionen Tonnen Wasser jährlich verloren, was das Grundwasser erheblich belastet.
  • Die Überwachung des Grundwassers in Deutschland wird durch das Fehlen einer bundesweiten Datenerfassung erschwert, was die Qualität der Grundwasseranalyse beeinträchtigt, und von der EU kritisiert wird.
  • Trotz einer Erholung des Grundwassers in 2024 bedrohen weiterhin die landwirtschaftliche Überdüngung und die unzureichende Gesetzgebung zur Düngemittelkontrolle das Grundwasser.

Bild: © André Künzelmann / UFZ

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