Über 500 Jahre: Forscher lösen das Rätsel um das Alter der Grönlandhaie

Grönlandhaie können ein Alter von über 500 Jahren erreichen: Die Frage nach dem wie könnte auch für uns Menschen von Bedeutung sein.

Grönlandhaie Alter

Grönlandhaie können hunderte Jahre alt werden, doch wie sie das schaffen, ist bis heute nicht endgültig geklärt. © Wikimedia

Das Geheimnis hinter der Langlebigkeit der Grönlandhaie zu entschlüsseln, könnte laut Forschern neue Wege eröffnen, die menschliche Lebensdauer verlängern. Denn obwohl diese Haie ein für Wirbeltiere beeindruckendes Alter erreichen können, sind viele Details ihrer Existenz noch immer ein Rätsel.

Der Grönlandhai (Somniosus microcephalus) lebt in den arktischen und subarktischen Gewässern des Nordatlantiks, die auch die Insel umgeben, nach der diese Haiart benannt ist: Grönland. Diese Haie sind vor allem dafür bekannt, dass sie mindestens 272 Jahre, womöglich aber auch über 500 Jahre alt werden können. Damit hätten sie die längste Lebensspanne aller Wirbeltiere.

Es ist also nicht unvorstellbar, dass einige der noch heute lebenden Grönlandhaie die Ankunft von Christopher Kolumbus in Amerika im Jahr 1492 miterlebt haben oder zumindest die Französische Revolution im Jahr 1789.

Wie schaffen Grönlandhaie es, so alt zu werden?

Neuesten Forschungsergebnissen zufolge, die erst vor wenigen Tagen bei der jährlichen Konferenz der Society for Experimental Biology vorgestellt wurden, könnte die metabolische Aktivität der Muskeln eine entscheidende Rolle bei der außergewöhnlichen Langlebigkeit der Grönlandhaie spielen. Ewan Camplisson, ein Doktorand an der Universität Manchester, leitet diese Studien.

Unser Ziel ist es, die Anpassungen zu verstehen, die es ihnen ermöglichen, so lange zu leben.

Ewan Camplisson

Der Alterungsprozess der meisten Tiere geht auch mit Veränderungen in ihrem Metabolismus einher. Bei Grönlandhaien scheint dies jedoch nicht der Fall zu sein. Das Forschungsteam hat nämlich keine signifikanten Unterschiede in der metabolischen Aktivität der Muskeln bei verschiedenen Altersstufen feststellen können.

Da die metabolischen Enzyme der Haie bei höheren Temperaturen zudem deutlich aktiver sind, scheinen frühere Annahmen, dass die lange Lebensdauer der Haie auf die kalten Lebensbedingungen und minimale Bewegung zurückzuführen seien, nun vom Tisch zu sein. Ihr Metabolismus ist somit scheinbar nicht speziell für polare Bedingungen angepasst. Die Ergebnisse von Camplissons Forschung unterstützen die Hypothese, dass Grönlandhaie keine traditionellen Alterungszeichen zeigen, was ein Grund für ihre Langlebigkeit sein könnte.

Welchen Nutzen können wir daraus für uns ziehen?

Diese Erkenntnisse könnten hilfreich dabei sein, die menschliche Herz-Kreislauf-Gesundheit zu verbessern. Da bestimmte Herzerkrankungen mit steigendem Alter immer häufiger und gefährlicher werden, könnte zusätzliche Forschung zum Alterungsprozess der Grönlandhaie der Medizin neue Tore öffnen.

Durch das Studium des Grönlandhais und seines Herzens könnten wir unsere eigene Herzgesundheit besser verstehen.

Ewan Camplisson

Ein weiteres Anliegen Camplissons ist der Schutz des Grönlandhais: Da weibliche Exemplare schätzungsweise erst mit 150 Jahren geschlechtsreif werden, fällt es der Art schwer, sich an anthropogene Veränderungen in ihrer Umgebung wie dem Klimawandel anzupassen. Dadurch sind sie besonders anfällig dafür, auszusterben. Zudem landen Grönlandhaie immer wieder als Beifang in den Netzen von Fischern, wo sie verenden.

Was du dir merken solltest:

  • Grönlandhaie, die in den kalten Gewässern um Grönland leben, können über 500 Jahre alt werden. Damit haben sie die längste bekannte Lebensspanne aller Wirbeltiere.
  • Aktuelle Forschungen zeigen, dass die konstant hohe metabolische Aktivität in den Muskeln der Haie, die sich nicht mit dem Alter verändert, ein Schlüssel zu ihrer Langlebigkeit sein könnte.
  • Diese Erkenntnisse könnten nicht nur den Schutz der Grönlandhaie verbessern, sondern auch wichtige Einsichten in die menschliche Herz-Kreislauf-Gesundheit bieten.

Bild: © Hemming1952 via Wikimedia unter CC BY-SA 4.0

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