Alarm auf Sizilien: Ein Drittel wird zur Wüste – Was passiert bis 2030?

Sizilien droht bis 2030 ein Drittel seiner Fläche an die Wüste zu verlieren, bedingt durch anhaltende Dürre und Wassermangel.

Sizilien Wüste

Blick auf Santa Margherita di Belice auf Sizilien: Die Wasserknappheit hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Wichtige Wasserquellen trocknen aus, es können weniger Agrarprodukte produziert werden. © Unsplash

Sizilien steht vor einer ökologischen Katastrophe: Experten warnen, dass bis 2030 ein Drittel der Insel zur Wüste werden könne. Der Guardian berichtet von einer schweren Dürre, die die größte Mittelmeerinsel seit Monaten heimsucht. Die Folgen sind dramatisch: Die Wasserkapazität einiger Seen lag bereits im März bei nur noch zehn Prozent.

Siziliens dramatische Dürre: Ein Kampf gegen die Verwüstung

Die Dürre auf Sizilien verschärft sich zusehends. Die Insel kämpft mit einer Wasserkrise, die bereits drastische Auswirkungen zeigt. „Jeden Morgen, wenn ich aufwache, blicke ich zum Himmel, in der Hoffnung, einige Wolken könnten ein paar Tropfen bringen“, berichtet Luca Cammarata, ein Landwirt aus dem sizilianischen Binnenland. Seit Monaten hat es auf seiner Farm nicht mehr geregnet. Seine 200 Ziegen grasen auf einem ausgetrockneten Land, das einer Mondlandschaft gleicht.

Wasserquelle ist nur noch Matsch

Die Situation ist bedrückend. „Es gibt kein Wasser mehr für die Tiere zum Trinken„, sagt Cammarata. „Die einzige Wasserquelle, die wir hatten, ist ein künstlicher Teich, der jetzt nur noch Matsch ist.“ Die Regierung in Rom hat im Mai den Notstand ausgerufen und 20 Millionen Euro Hilfe bereitgestellt – viel weniger als die von der Regionalregierung geforderten 130 Millionen Euro.

Christian Mulder, Professor für Ökologie und Klimanotfall an der Universität von Catania, zeichnet ein düsteres Bild der Zukunft: „Bis 2030 wird ein Drittel des Territoriums von Sizilien zu einer Wüste werden, vergleichbar mit den Ländern Tunesien und Libyen.“ Mulder kritisiert das Versagen regionaler und nationaler Behörden und verweist auf die jahrzehntelange Misswirtschaft bei der Wasserressourcenverwaltung.

Cammarata drückt seine Verzweiflung aus:

Wenn es so weitergeht, werde ich gezwungen sein, mein Vieh zu schlachten und meinen Hof zu schließen.

Er fordert dringend mehr Unterstützung von den Behörden.

Landwirtschaft in der Krise

Nicht nur die Landwirtschaft ist betroffen. Die traditionelle Wasserversorgung aus Aquiferen und die Wasserlagerung in großen nach dem Zweiten Weltkrieg erbauten Tanks sind durch den zunehmend spärlichen Winterregen gefährdet. In den letzten drei Jahrzehnten wurde die notwendige Instandhaltung der Bewässerungsnetze vernachlässigt, was die Kapazität der Inselreservoirs verringert hat.

Die anhaltende Dürre und steigende Temperaturen könnten dazu führen, dass traditionelle landwirtschaftliche Kulturen im Mittelmeerraum verschwinden. Laut dem UN-Weltklimarat (IPCC) werden Hitzewellen und Dürren diese Gebiete in den kommenden Jahrzehnten zunehmend heimsuchen.

Junge Bauern verlassen die Insel

Die Dürre treibt junge Bauern aus der Branche. Die Organisation Coldiretti schätzt, dass die Wasserknappheit bereits 33.000 Arbeitsplätze im Süden Italiens gekostet hat. Bauern demonstrieren seit Monaten gegen die Krise in der Landwirtschaft, viele weigern sich, an lokalen und europäischen Wahlen teilzunehmen, als Form des Protests.

Eine sich wandelnde Agrarlandschaft

Die anhaltende Dürre und die steigenden Temperaturen könnten langfristig die Agrarlandschaft Siziliens verändern. Die Produktion von Avocados, Mangos und Papayas hat sich in den letzten drei Jahren verdoppelt. Forscher in Palermo haben sogar das Blühen einer Pflanze aus der Namib-Wüste registriert, ein weiteres Zeichen dafür, wie sehr sich das Klima bereits verändert hat.

In vielen Provinzen Siziliens haben Wasserversorger Wasserrationierungen angekündigt, die Unternehmen zum Schließen zwingen und mehr als einer Million Menschen den täglichen Zugang zu fließendem Wasser verwehren. Einige Reservoirs für Trinkwasser arbeiteten im März nur mit 10 Prozent ihrer Kapazität.

Illegaler Wasserhandel schockiert Paternò

Ein anderes Problem bahnt sich im Schatten der Wasserkrise an. Laut einem Bericht von Blogsicilia nutzen einige Landwirte in Paternò die Situation aus, indem sie große Mengen Wasser aus der gemeinschaftlichen Leitung „Quota 56“ illegal abzapfen und es dann zu Wucherpreisen an andere, verzweifelte Bauern verkaufen. Die Preise für das Wasser erreichen dabei bis zu 70 Euro pro Stunde, abhängig von der durchgelassenen Menge. Dies hat zu einem illegalen Geschäft geführt, das auf Kosten der bereits durch die Dürre gebeutelten Landwirte geht.

Verschwendetes Wasser: Wasser fließt ins Meer

Paradoxerweise geht auf der Insel, wo sogar der Schlamm aus Staudämmen „ausgequetscht“ wird, um Trinkwasser zu gewinnen, viel brauchbares Wasser ungenutzt verloren. Es fließt direkt ins Meer, weil die begonnenen Arbeiten am Kanal nie fertig gestellt wurden, wie Affariitaliani berichtet. Dabei könnte dieser jährlich sieben Millionen Kubikmeter Trinkwasser liefern.

Was du dir merken solltest:

  • Sizilien steht vor einer ökologischen Krise, bei der bis 2030 ein Drittel der Insel zu einer Wüste werden könnte, was durch anhaltende Dürren und ineffiziente Wasserressourcenverwaltung verursacht wird.
  • Die Wasserknappheit hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Landwirtschaft und den Tourismus, wobei Wasserquellen austrocknen und die Produktion von Agrarprodukten signifikant zurückgeht.
  • Trotz der dringenden Bedürfnisse wurden staatliche Hilfen von 20 Millionen Euro als unzureichend kritisiert, während Pläne zur Verbesserung der Wasserinfrastruktur aufgrund fehlender Investitionen stagnieren.

Bild: © Unsplash

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