Mexiko-Stadt könnte Ende Juni das Wasser ausgehen: Dürre ist nicht der einzige Grund

Mexiko-Stadt steht vor einer Wasserknappheit; das Cutzamala-System ist zu 28 Prozent gefüllt und könnte bereits Ende Juni keine Wasserversorgung mehr bieten.

Mexiko-Stadt Wasser

Mexiko-Stadt von oben: In der 22-Millionen-Metropole könnte es bereits Ende Juni kein Wasser mehr geben. © Wikimedia

Mexiko-Stadt steht kurz vor einer ernsthaften Wasserkrise. Die Hauptstadt, in der etwa 22 Millionen Menschen leben, bezieht ein Viertel ihres Wassers aus dem Cutzamala-System. Dieses System ist laut der Washington Post mit nur 28 Prozent seiner Kapazität gefüllt, ein historischer Tiefstand. Experten befürchten, dass das System bereits Ende Juni kein Wasser für Mexiko-Stadt mehr liefern könnte, wenn keine ausreichenden Niederschläge eintreten. Diese Situation hätte dramatische Auswirkungen für die gesamte Metropolregion.

Drastischer Wassermangel in wohlhabenden Vierteln

In den reicheren Stadtvierteln wie Polanco erleben die Bewohner bereits eine dramatische Verschlechterung der Wasserversorgung. Raquel Campos berichtet von einem spürbaren Nachlassen des Wasserdrucks und von Wasserausfällen, die bereits alltäglich geworden sind. „Die Situation ist schlimmer als je zuvor“, erklärt sie. Die Wasserversorgung in ihrem Gebäude erfolgt nur noch alle zwei Wochen, was zu einer Erhöhung der Wohnnebenkosten um 30 Prozent geführt hat.

Politisches Ringen um Lösungen

Die Wasserknappheit wurde auch zum Thema im politischen Diskurs, besonders im Licht der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen. Während eines Fernsehduells griff die Oppositionskandidatin Xóchitl Gálvez die ehemalige Bürgermeisterin und aktuelle Präsidentschaftskandidatin der Regierungspartei Morena, Claudia Sheinbaum, scharf an. Gálvez warf Sheinbaum vor, nichts gegen die bestehenden Wasserprobleme unternommen zu haben. „Du warst nicht in der Lage, das Wasserproblem zu lösen“, kritisierte Gálvez.

Infrastrukturelle Schwächen verschärfen die Krise

Ein weiteres großes Problem ist der Zustand der Wasserversorgungsinfrastruktur in Mexiko-Stadt. Fast 40 Prozent des Wassers gehen durch undichte Leitungen verloren, so ein Bericht von SACMEX, dem Wasserversorger der Stadt. Die Reparatur dieser Leitungen würde Milliarden kosten, ein finanzieller Aufwand, den sich die Stadt kaum leisten kann. Gabriel Quadri de la Torre, ein Abgeordneter im mexikanischen Kongress, merkt an, dass erhebliche Investitionen nötig wären, um die Verluste auf ein Minimum zu reduzieren.

Klimawandel als verschärfender Faktor

Der Klimawandel hat die Temperaturen in Mexiko seit der vorindustriellen Zeit um durchschnittlich 1,6 Grad Celsius steigen lassen. Die städtische Hitzeinselwirkung, verstärkt durch Beton und Asphalt, hat Teile der Stadt sogar um 3 bis 4 Grad Celsius erwärmt. Diese erhöhten Temperaturen, kombiniert mit einem Mangel an Niederschlag aufgrund von klimatischen Veränderungen wie El Niño, tragen zur Verschärfung der Dürresituation bei.

Wissenschaftler warnen vor „falscher Sicherheit“

Christina Boyes, Professorin für internationale Studien, warnt davor, dass selbst erwarteter Regen eine „falsche Sicherheit“ schaffen könnte. Sie betont, dass die Stadt weniger Wasser verbrauchen und eine bessere Infrastruktur aufbauen müsse, um effektiver Regenwasser nutzen zu können. „Es ist nicht sicher, ob es regnen wird, und das könnte einen großen Unterschied machen“, fügt sie hinzu.

Bevölkerung muss sich anpassen

Die Einwohner Mexiko-Stadts müssen sich zunehmend an die Wasserknappheit anpassen. Einige sammeln Regenwasser oder bezahlen für Wasserlieferungen. In ärmeren Vierteln wird Wasser nur zu bestimmten Zeiten geliefert, was den Alltag der Menschen erheblich beeinträchtigt. Fernanda Mac Gregor, Doktorandin an der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko, betont, dass die Ungleichheit beim Zugang zu Wasser ein langfristiges und kritisches Problem darstellt.

Notwendigkeit langfristiger Lösungen

Es wird klar, dass kurzfristige Maßnahmen nicht ausreichen, um die Krise zu bewältigen. Experten und Politiker diskutieren verschiedene Lösungsansätze, darunter öffentlich-private Partnerschaften und umfassende Projekte, die nicht durch klimatische Veränderungen beeinträchtigt werden. Diese Lösungen erfordern jedoch umfangreiche Investitionen und eine Neugestaltung der städtischen Infrastruktur.

Was du dir merken solltest:

  • Mexiko-Stadt könnte bald das Wasser ausgehen, da das Cutzamala-System, das ein Viertel des städtischen Wassers liefert, nur noch zu 28 Prozent gefüllt ist und möglicherweise Ende Juni austrocknen könnte.
  • Die Situation wird durch undichte Wasserleitungen verschärft, durch die fast 40 Prozent des Wassers verloren gehen, sowie durch steigende Temperaturen und niedrige Niederschläge, die durch den Klimawandel und das El Niño-Phänomen verstärkt werden.
  • Langfristige Lösungen erfordern erhebliche Investitionen in die Wasserversorgungsinfrastruktur und das Management, einschließlich öffentlich-privater Partnerschaften, um die Versorgung nachhaltig zu sichern und an klimatische Veränderungen anzupassen.

Bild: © Gobierno CDMX via Wikimedia unter CC1-Lizenz

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