Gemüseanbau in Zeiten des Klimawandels: Mulch als wassersparende Lösung

Ein Forschungsprojekt der Uni Kassel untersucht, wie Mulch und Kompost im Gemüseanbau Wasser sparen und den Boden verbessern können, um den Klimawandel zu bewältigen.

Mulch Gemüseanbau

Auf dem Versuchsfeld der Uni Kassel wachsen Karotten, während Forschende wassersparende Anbaumethoden testen, um den Gemüseanbau an den Klimawandel anzupassen (Symbolbild) © Vecteezy

Forscherinnen und Forscher der Uni Kassel untersuchen neue Anbaumethoden für Gemüse, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Auf den Versuchsfeldern des Guts Frankenhausen in Grebenstein testen sie, wie Mulch beim Gemüseanbau helfen kann, Wasser zu sparen und die Bodenqualität zu verbessern.

Die Gartenbau-Expertin Margita Hefner erklärt gegenüber der Tagesschau, dass Mulch den Boden vor Verdunstung schützt. In trockenen Zeiten verhindert Mulch, dass die Bodenoberfläche rissig wird und die Pflanzen ohne künstliche Bewässerung welken. Auch bei starkem Regen spielt Mulch eine wichtige Rolle. Er nimmt das Wasser auf und lässt es nach und nach in den Boden sickern, was Erosion vorbeugt und die Bodenstruktur verbessert. „Bei Starkregen wird das Wasser erst einmal vom Mulch aufgenommen und tröpfelt erst nach und nach in den Boden“, sagt Hefner.

Technik und Forschung

Die Pflanzen auf den Versuchsfeldern werden genau überwacht. Das Porree-Beet ist mit Technik ausgestattet: Sensoren im Erdreich zeichnen Feuchtigkeit und Temperatur auf. Außerdem nehmen die Forscherinnen und Forscher immer wieder Proben, untersuchen den Nährstoffgehalt des Bodens und die Zahl der unerwünschten Beikräuter im Beet.

Auf einem Feld mit Möhren testen die Wissenschaftler Dämme, um die Verdunstung zu reduzieren. Demnächst werden die Agrarwissenschaftler neue Dämme anlegen, flacher und breiter als die konventionellen. Das soll den Boden vor Verdunstung schützen, denn auf den steilen Dämmen wird die Oberfläche schneller staubtrocken, wie Hefner erklärt.

Vorteile und Nachteile von Kompost als Mulch

Laut einer Studie, an der Hefner beteiligt war, zeigt Kompost ähnliche Eigenschaften wie herkömmlicher Mulch aus Heu, Stroh oder Holzspänen, enthält aber oft höhere Nährstoffkonzentrationen. Kompost eignet sich gut als dauerhafter Mulch, besonders in pfluglosen Anbausystemen. Er muss jedoch dick genug aufgetragen werden, um Unkraut zu unterdrücken.

Ein Nachteil von nährstoffreichem Kompost ist das Risiko von Stickstoffüberschüssen, die ins Grundwasser gelangen können. Deshalb werden Komposte mit niedrigem Nährstoffgehalt und hohem C/N-Verhältnis (Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff) empfohlen. Diese haben geringere Stickstoffzufuhr- und Mineralisierungsraten, was das Risiko der Umweltbelastung reduziert. Jedoch können solche Komposte laut Modellvorhersagen zu einer Unterversorgung einzelner Kulturen in der Fruchtfolge führen. In solchen Fällen könnten zusätzliche Anwendungen leicht verfügbarer organischer Stickstoffdünger sinnvoll sein, um den spezifischen Bedarf der Pflanzen zu decken.

Bedarf an weiteren Daten

Es fehlen jedoch noch Feldstudien, um die Stickstoffdynamik und -verluste bei verschiedenen Komposttypen und Bedingungen genau zu bewerten. Eine genaue Einschätzung der Beiträge von Kompost zur Pflanzenernährung ist notwendig. Unterstützung bei der Dosierung können Entscheidungshilfen wie N-Expert bieten, die auf Bodenanalysen abgestimmt sind. Mehr Felddaten unter verschiedenen Komposttypen und Standortbedingungen sind notwendig, um die Stickstoffdynamik, -verluste und den Beitrag von Kompost zur Pflanzenernährung genau zu bewerten.

Auch weltweit wird der Einfluss des Klimawandels auf die Landwirtschaft untersucht. Der Biologe Sotirios Fragkostefanakis von der Goethe-Uni Frankfurt betont die Bedeutung der Verbesserung von Anbaumethoden durch moderne Technik wie Drohnen und Bodensensoren. Er sagt: „Hitzewellen oder Starkregen können bei Gemüse und Getreide die Fortpflanzung stören. Dadurch wird weniger geerntet, und das bedroht sehr viele Menschenleben in vielen Gegenden der Welt.“ Auf den Versuchsfeldern in Grebenstein setzen die Forscherinnen und Forscher auf natürliche Methoden, um die Auswirkungen des Klimawandels zu mildern. Im Oktober wird die Ernte erwartet.

Was du dir merken solltest:

  • Mulch schützt den Boden vor Verdunstung und Erosion, indem er Wasser speichert und langsam abgibt.
  • Beim Gemüseanbau bietet Kompost als Mulch ähnliche Vorteile wie herkömmliche Mulchmaterialien, enthält jedoch höhere Nährstoffkonzentrationen und muss richtig angewendet werden, um Umweltbelastungen zu vermeiden.
  • Das Forschungsprojekt der Uni Kassel untersucht wassersparende Methoden, um den Gemüseanbau – zum Beispiel mithilfe von Mulch – an die Herausforderungen des Klimawandels anzupassen und eine nachhaltige Landwirtschaft zu fördern.

Bild: © Vecteezy

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