Pfefferminzöl statt Tabletten? Studie findet starken Blutdruck-Effekt
Pfefferminzöl senkte bei Erwachsenen mit leicht erhöhtem Blutdruck den oberen Wert binnen 20 Tagen deutlich.
Schon wenige Tropfen Pfefferminzöl pro Tag senkten in einer kleinen Studie den Blutdruck von Menschen mit leicht erhöhten Werten messbar. © Pexels
Viele Menschen leben jahrelang mit zu hohem Blutdruck, ohne es zu merken. Das macht ihn so gefährlich: Er schädigt Herz, Gefäße und Gehirn oft lautlos. Nun liefert eine kleine Studie aus Großbritannien einen überraschenden Hinweis. Schon wenige Tropfen Pfefferminzöl pro Tag senkten bei Erwachsenen mit leicht erhöhtem Blutdruck den oberen Wert innerhalb von 20 Tagen deutlich. Die Untersuchung erschien im Fachjournal PLOS One.
Die Forscher um Jonathan Sinclair von der University of Lancashire untersuchten 40 Erwachsene mit sogenannter Prä-Hypertonie oder Bluthochdruck der Stufe 1. Die Teilnehmer nahmen zweimal täglich verdünntes Pfefferminzöl oder ein Placebo ein. Am Ende der Studie lag der systolische Blutdruck in der Pfefferminz-Gruppe im Schnitt bei 121,97 mmHg. Zu Beginn hatte er noch bei 130,05 mmHg gelegen. In der Placebo-Gruppe veränderte sich der Wert praktisch nicht.
Wie Pfefferminzöl den Blutdruck überraschend beeinflusste
Besonders auffällig fiel der Unterschied beim oberen Blutdruckwert aus. Nach 20 Tagen lag der systolische Blutdruck in der Pfefferminz-Gruppe durchschnittlich 8,48 mmHg niedriger als in der Vergleichsgruppe. Auch der diastolische Blutdruck sank. Zusätzlich registrierten die Forscher eine niedrigere Ruheherzfrequenz.
Im Alltag klingt ein Unterschied von wenigen mmHg zunächst klein. Für Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann er jedoch relevant sein. Schon moderate Senkungen des Blutdrucks gelten in der Medizin als wichtig, weil sie das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzschwäche reduzieren können.
Die Teilnehmer der Studie nahmen täglich insgesamt nur 100 Mikroliter Pfefferminzöl ein. Das entspricht wenigen Tropfen. Verdünnt wurde das Öl jeweils morgens und abends in Wasser. Die meisten Teilnehmer hielten sich konsequent an die Vorgaben. Die Abbruchrate blieb niedrig. Nur eine Person beendete die Teilnahme wegen des Geschmacks.
Pfefferminzöl gegen hohen Blutdruck: Menthol könnte Gefäße entspannen
Im Mittelpunkt der Diskussion steht vor allem Menthol. Der Stoff gehört zu den wichtigsten Bestandteilen von Pfefferminzöl. Laut den Forschern könnte Menthol bestimmte Rezeptoren in den Gefäßwänden aktivieren. Dadurch entspannen sich möglicherweise die Blutgefäße. Der Druck im Kreislauf sinkt.
„Pfefferminzöl könnte den Blutgefäßen helfen, sich zu entspannen. Dadurch verringert sich der Druck, gegen den das Herz pumpen muss“, sagte Sinclair zu Medical News Today. Allerdings hat die Studie diesen Mechanismus nicht direkt gemessen.
Interessant ist außerdem die Wirkung auf die Ruheherzfrequenz. Nach 20 Tagen schlug das Herz der Teilnehmer in der Pfefferminz-Gruppe im Schnitt deutlich langsamer. Auch das gilt als wichtiger Marker für das Herz-Kreislauf-System. Ein dauerhaft erhöhter Ruhepuls steht seit Jahren mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung.
Experten mahnen trotz der Ergebnisse zur Vorsicht
Trotz der auffälligen Zahlen sprechen Kardiologen noch nicht von einer neuen Therapie. Dafür war die Untersuchung zu klein und zu kurz. Insgesamt nahmen nur 40 Personen teil. Außerdem lief die Studie lediglich über 20 Tage. Aussagen über langfristige Effekte sind deshalb nicht möglich.
Der Herzspezialist Craig Basman vom Hackensack University Medical Center bewertet die Ergebnisse dennoch als interessant. „Die Ergebnisse sind spannend, aber nicht endgültig“, sagt er. Gleichzeitig verweist er darauf, dass Änderungen des Lebensstils weiterhin die wichtigste Grundlage gegen Bluthochdruck bleiben. Dazu gehören Bewegung, Gewichtsreduktion und eine salzarme Ernährung.
Auch die Autoren der Studie formulieren ihre Schlussfolgerungen vorsichtig. Pfefferminzöl könne eine einfache, günstige und gut verträgliche Ergänzung sein, mehr aber zunächst nicht. Vor allem Menschen mit schwerem Bluthochdruck oder zusätzlichen Erkrankungen wurden in der Untersuchung gar nicht berücksichtigt.
Warum kleine Blutdruck-Senkungen medizinisch wichtig sind
Bluthochdruck zählt weltweit zu den größten Gesundheitsproblemen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation leben rund 1,4 Milliarden Erwachsene mit erhöhten Blutdruckwerten. Viele bemerken lange nichts davon, weshalb Bluthochdruck als so gefährlich gilt. Die Erkrankung schädigt Gefäße oft schleichend über Jahre hinweg.
Die Studie liefert vor allem einen interessanten Hinweis darauf, wie stark natürliche Stoffe biologisch wirken können. Sie macht aber auch deutlich, wie wichtig größere Langzeitstudien sind. Erst dann lässt sich beurteilen, ob Pfefferminzöl tatsächlich dauerhaft helfen kann – oder ob der Effekt nach einigen Wochen wieder verschwindet.
Kurz zusammengefasst:
- Pfefferminzöl senkte in einer kleinen Studie mit 40 Erwachsenen den oberen Blutdruckwert innerhalb von 20 Tagen deutlich.
- Der mögliche Grund: Menthol könnte Blutgefäße entspannen und dadurch den Druck im Kreislauf verringern.
- Die Ergebnisse sind interessant, aber noch kein Ersatz für Medikamente, Bewegung, Gewichtsreduktion oder salzarme Ernährung.
Übrigens: Auch ruhige Bewegungen können den Blutdruck messbar senken – Baduanjin wirkte in einer großen Studie ähnlich gut wie zügiges Gehen. Die chinesische Übungsroutine braucht weder Geräte noch Fitnessstudio. Mehr dazu in unserem Artikel.
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