Neuer Alzheimer-Hirnscan erkennt gefährliche Ablagerungen – ganz ohne Röhre
Ein neuer PET-Scanner am LMU Klinikum erkennt Alzheimer-Ablagerungen im Gehirn, ohne Patienten in eine enge Röhre zu legen.
Der neue Alzheimer-Hirnscan am LMU Klinikum kommt ohne enge Röhre aus – und hilft zu klären, wer früh von einer Antikörper-Therapie profitieren kann. © LMU Klinikum
Viele Alzheimer-Patienten können nicht lange ruhig liegen. Manche werden unruhig, andere leiden unter Bewegungsstörungen oder empfinden die enge Röhre eines Scanners als belastend. Am LMU Klinikum in München kommt nun ein Alzheimer-Hirnscan zum Einsatz, der genau dieses Problem umgeht: Das Gerät sieht eher aus wie ein Friseursessel mit Trockenhaube als wie ein klassischer medizinischer Scanner.
„Er ist auch ideal geeignet für Patienten, die nicht so lange liegen können, was bei Demenz oder bei Bewegungsstörungen recht häufig vorkommt“, sagt Nuklearmediziner Dr. Johannes Gnörich. Nach Angaben des LMU Klinikums gehört die Münchner Nuklearmedizin zu den wenigen Zentren in Deutschland, die den neuen PET-Scanner bereits einsetzen.
79-Jährige bemerkt plötzlich erste Gedächtnislücken
Wie wichtig eine frühe und genaue Diagnose sein kann, zeigt der Fall von Gudrun Sommer. Der Name der 79-Jährigen wurde geändert. Sie kam in die Gedächtnissprechstunde des LMU Klinikums, weil ihr Alltag plötzlich Lücken bekam. Termine entglitten ihr häufiger. Gesprächsinhalte blieben schlechter hängen. Dinge, die sie abgelegt hatte, fand sie nicht wieder.
Besonders belastete sie eine Veränderung beim Lernen. Gudrun Sommer beschäftigte sich auch im hohen Alter weiter mit anspruchsvollen Inhalten. Doch zuletzt fiel ihr das Konzentrieren schwerer. Bereits verstandene Zusammenhänge verschwanden schneller aus dem Gedächtnis. Für die Patientin war das auffällig genug, um zunächst eine niedergelassene Neurologin aufzusuchen. Danach stand der Verdacht auf eine frühe Alzheimer-Erkrankung im Raum.
Alzheimer-Hirnscan ohne Röhre erleichtert die Diagnose
Privat-Dozentin Dr. Sonja Schönecker von der Neurologischen Klinik und Poliklinik in Großhadern beschreibt Gudrun Sommer als geistig sehr leistungsfähig. „Dabei weist die Patientin ein sehr hohes geistiges Ausgangsniveau auf“, sagt sie. Gerade deshalb bemerkte die 79-Jährige die Veränderungen wohl besonders früh.
In der Gedächtnissprechstunde ging es dann um eine entscheidende Frage: Kommt Gudrun Sommer für neue Medikamente infrage? Diese Wirkstoffe richten sich gegen Amyloid-Ablagerungen im Gehirn. Solche Eiweißreste gelten als ein Kennzeichen der Alzheimer-Erkrankung. Bevor Ärzte die Therapie beginnen können, müssen sie die Ablagerungen jedoch nachweisen.
Dafür nutzt das LMU Klinikum die Positronen-Emissions-Tomographie, kurz PET. Dieses Verfahren kann Amyloid-Protein im Gehirn sichtbar machen und die Belastung messen. Anders als bei der Untersuchung des Nervenwassers muss dabei keine Flüssigkeit aus dem Rückenmark entnommen werden.
PET-Scan macht Ablagerungen sichtbar
Der neue Scanner trägt den Namen „NeuroLF“. Er wurde speziell für Untersuchungen des Gehirns entwickelt. Patientinnen und Patienten müssen nicht in eine enge Röhre. Das kann die Untersuchung vor allem für ältere Menschen erleichtern.
Nach Angaben des LMU Klinikums besitzt das NeuroLF eine Marktzulassung in den USA und in der Europäischen Union. Die kompakte Bauweise soll die PET-Bildgebung leichter zugänglich machen. Auch die Beschaffungs- und Betriebskosten fallen laut Klinik vergleichsweise niedrig aus.
Prof. Matthias Brendel, stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, sieht Einsatzmöglichkeiten bei mehreren Hirnerkrankungen. „Es eignet sich sowohl für die Diagnose von Hirntumoren und Epilepsie als auch neurodegenerativer Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer“, erklärt er. Für die Alzheimer-Diagnostik zählt vor allem der sichere Nachweis der Amyloid-Ablagerungen.
Befunde entscheiden über neue Alzheimer-Therapie
Bei Gudrun Sommer bestätigten die Untersuchungen den Verdacht. Ihr Amyloid-PET war positiv. Zusätzlich veranlasste das Team eine Tau-PET-Untersuchung. Sie soll zeigen, wie stark ihr Gehirn bereits mit Tau-Protein belastet ist. Auch dieses Eiweiß steht eng mit dem Fortschreiten der Alzheimer-Erkrankung in Verbindung.
Weitere Befunde sprachen nicht gegen eine Behandlung. Im Erbgut der Patientin fand sich kein ApoE4-Risikogen. Auch die Magnetresonanz-Tomografie ergab keinen Ausschlussgrund. Damit erfüllte Gudrun Sommer laut Schönecker die Voraussetzungen für ein neues Alzheimer-Medikament.
Die Therapie richtet sich an Patientinnen und Patienten mit leichter kognitiver Einschränkung oder leichter Demenz im Rahmen einer Alzheimer-Erkrankung. Voraussetzung ist eine gesicherte Diagnose in einem frühen Krankheitsstadium. Für Menschen mit mittelgradiger oder schwerer Alzheimer-Demenz sowie für andere Demenzformen ist die Behandlung nicht vorgesehen.
Antikörper sollen den Verlauf bremsen
Die neuen monoklonalen Amyloid-Antikörper binden gezielt an Amyloid-Beta-Eiweiß. Danach können Immunzellen die Ablagerungen abbauen. Die Therapie heilt Alzheimer nicht. Sie soll aber den Krankheitsverlauf in einem frühen Stadium verlangsamen.
„Die Medikamente“, sagt Schönecker, „verzögern den Krankheitsverlauf in dieser frühen Phase nachweislich.“ Für Gudrun Sommer ist diese Zeit entscheidend. Sie lebt selbstständig, ist für ihr Alter fit und möchte möglichst lange ohne Hilfe zurechtkommen. Deshalb stand sie der Behandlung offen gegenüber.
Neuer Scan prüft den Erfolg der Infusionen
Gudrun Sommer erhält nun alle vier Wochen eine Infusion mit einem Antikörper. Die Behandlung ist auf höchstens 18 Monate angelegt. Schon nach zwölf Monaten soll ein erneuter Alzheimer-Hirnscan ohne Röhre prüfen, ob genug Amyloid-Protein aus dem Gehirn entfernt wurde.
Bei gutem Verlauf könnte die Therapie früher enden. Prof. Rudolf Werner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, verweist auf den Nutzen für Patienten und Gesundheitswesen. „Durch diesen Amyloid-PET-Scan im Verlauf können Behandlungsdauer und Behandlungskosten für die Patienten und das Gesundheitssystem eingespart werden.“ Der neue Alzheimer-Hirnscan aus München dient damit nicht nur der Diagnose, er hilft auch dabei, die Behandlung gezielter zu steuern.
Kurz zusammengefasst:
- Der neue Alzheimer-Hirnscan am LMU Klinikum kann Amyloid-Ablagerungen im Gehirn sichtbar machen, ohne dass Patienten in eine enge Röhre müssen.
- Die Untersuchung ist besonders hilfreich für Menschen mit Demenz, Bewegungsstörungen oder Platzangst, weil sie nicht lange ruhig liegen müssen.
- Bei früher Diagnose hilft der Scan zu klären, wer für neue Amyloid-Antikörper infrage kommt; diese Therapie kann den Krankheitsverlauf im frühen Stadium verzögern.
Übrigens: Während der neue Alzheimer-Hirnscan aus München gefährliche Ablagerungen im Gehirn sichtbar macht, rückt eine große Analyse nun einen oft unterschätzten Kreislaufwert in den Blick. Niedriger Blutdruck fiel bei Alzheimer-Diagnosen auffälliger auf als Bluthochdruck – warum Forscher diesen Zusammenhang jetzt genauer untersuchen, mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © LMU Klinikum
