Neuer Kakao aus Peru: Vier Linien liefern Genmaterial für robustere Sorten

Vier neue Kakao-Linien aus Peru erweitern den Genpool für robuste Pflanzen. Zwei könnten besonders aromatische Bohnen liefern.

Kakaoproben aus dem Cocoa Research Centre zeigen die genetische Vielfalt, die Züchtern neue Möglichkeiten für künftige Sorten eröffnet.

Kakaoproben aus dem Cocoa Research Centre zeigen die genetische Vielfalt, die Züchtern neue Möglichkeiten für künftige Sorten eröffnet. © Lambert Motilal from University of the West Indies, CC-BY 4.0

Auf indigenen Farmen in Peru wachsen Kakaobäume, die seit Jahrzehnten kaum verändert wurden. Manche stehen im Amazonas-Tiefland, andere an den Ausläufern der Anden. Ihr Erbgut könnte künftig bei der Suche nach hitzeresistenten Kakaosorten helfen. Eine höhere Widerstandskraft gegen Hitze oder Trockenheit ist bisher allerdings nicht nachgewiesen.

Ein internationales Forschungsteam untersuchte 390 solcher Bäume aus acht peruanischen Regionen. Im Fachjournal PLOS One beschreiben die Wissenschaftler vier genetische Linien, die bisher keiner bekannten Gruppe zugeordnet waren. Zwei davon könnten Bohnen mit besonders feinem Aroma und hoher Qualität hervorbringen.

Wie hitzeresistente Kakaosorten künftig entstehen könnten

Kakao reagiert empfindlich auf veränderte Umweltbedingungen. Hohe Temperaturen, unregelmäßiger Regen und Pflanzenkrankheiten können Ernten gefährden. Züchter suchen deshalb nach Bäumen, die schwierige Bedingungen besser verkraften. Dafür benötigen sie eine möglichst große genetische Auswahl.

Die vier Linien aus Peru erweitern diesen Genpool. In ihrem Erbgut könnten Merkmale stecken, die für Ertrag, Krankheitsresistenz oder die Anpassung an das Klima interessant sind. Welche Eigenschaften sie tatsächlich besitzen, müssen weitere Untersuchungen klären. Die aktuelle Arbeit erfasste vor allem ihre genetische Verwandtschaft.

Vier neue Linien erweitern den Kakao-Stammbaum deutlich

Für die Analyse verglich das Team kleine Unterschiede im Erbgut der Bäume. Solche Abweichungen werden als Einzelnukleotid-Polymorphismen bezeichnet. Sie funktionieren ähnlich wie genetische Markierungen und verraten, welche Pflanzen enger miteinander verwandt sind.

Bisher teilte die Forschung Kakao meist in zehn große genetische Gruppen ein. Die Proben aus Peru passten jedoch nicht vollständig in dieses Raster. Vier eigenständige Gruppen tauchten wiederholt in den Analysen auf. Sie erhielten die Namen Chuncho 1, Awajun, Porcelana und Chuncho 2.

Jede Region prägt ihren Kakao anders

Die Verteilung der Linien folgt zum Teil der Geografie. Porcelana trat vor allem in Huancabamba in der Region Piura und in Utcubamba im Amazonasgebiet auf. Chuncho 2 fand sich besonders häufig in Cusco und Ayacucho. Awajun war eng mit Proben aus Amazonas verbunden.

Trotz gemeinsamer Wurzeln besitzt jede Region eine eigene genetische Zusammensetzung. Einige Bäume gehörten fast vollständig zu einer Gruppe. Andere vereinten Erbgut mehrerer Linien. Diese Mischung dürfte über lange Zeit durch natürliche Kreuzungen und den Austausch von Pflanzmaterial entstanden sein.

Zwei Linien versprechen besonders feines Aroma

Awajun und Porcelana stehen genetisch einer bekannten Gruppe namens Nacional nahe. Diese Abstammung gilt als Hinweis auf hochwertige Bohnen mit feinem Geschmack. Eine sensorische Prüfung der neuen Linien steht allerdings noch aus. Erst Verkostungen und Analysen der Bohnen können klären, wie ausgeprägt ihr Aroma wirklich ist.

Die Forscher empfehlen deshalb, Bäume mit einem besonders hohen Anteil dieser beiden Linien gezielt zu untersuchen. Für die peruanische Edelkakao-Branche könnten daraus neue Produkte entstehen. Seltene Aromen erzielen auf dem internationalen Markt oft höhere Preise als gewöhnliche Massenware.

Genetische Schätze wachsen direkt auf den Farmen

Die Bäume stammen nicht aus modernen Zuchtanlagen. Viele sind etwa 50 Jahre alt und gehören zu traditionellen, wilden oder halbwilden Beständen. Sie wachsen auf den Feldern indigener Familien und wurden über Generationen erhalten. Dadurch blieb Erbgut erhalten, das in stark standardisierten Plantagen fehlen kann.

„Diese unschätzbaren genetischen Schätze waren nicht in einem Labor eingeschlossen“, erklären die Autoren. „Sie wuchsen buchstäblich in den Hinterhöfen der Bauern und warteten darauf, erfasst und für den Premium-Markt aufgewertet zu werden.“

CCN 51 erhält überraschend neue genetische Wurzeln

Neben den vier Linien untersuchte das Team auch die weitverbreitete Sorte CCN 51. Sie liefert hohe Erträge und gilt als vergleichsweise widerstandsfähig gegen Krankheiten. Lange blieb jedoch unklar, aus welchen genetischen Gruppen sie genau hervorgegangen ist.

Die neue Zuordnung weist auf einen Anteil von rund 45 Prozent Awajun hin. Dazu kommen etwa 25 Prozent Iquitos, 15 Prozent Amelonado und 13 Prozent Criollo. Damit erhält auch die Herkunft einer wirtschaftlich wichtigen Kakaosorte ein neues Puzzleteil.

Perus Kakao bietet neue Chancen für die Züchtung

Peru gehört zu den größten Kakaoproduzenten der Welt. Mehr als 80.000 Familien lebten dort im Jahr 2024 zumindest teilweise vom Anbau. Zugleich genießt das Land einen guten Ruf für Bio- und Edelkakao.

Aus ausgewählten Kakaobohnen entstehen hochwertige Schokoladen – die neuen Linien könnten künftig noch mehr Vielfalt in Aroma und Qualität bringen. © INDES-CES, CC-BY 4.0
© INDES-CES, CC-BY 4.0 Aus ausgewählten Kakaobohnen entstehen hochwertige Schokoladen – die neuen Linien könnten künftig noch mehr Vielfalt in Aroma und Qualität bringen. © INDES-CES, CC-BY 4.0

„Jede Region besitzt eine einzigartige genetische Signatur, und wir konnten vier völlig neue Kakao-Linien bestimmen“, schreiben die Wissenschaftler. Dieser genetische Bauplan biete eine konkrete Grundlage für den Schutz der Bestände und die Edelschokoladen-Industrie.

Ob daraus tatsächlich hitzeresistente Kakaosorten hervorgehen, bleibt offen. Dafür müssten die Linien unter Hitze, Trockenheit und wechselnden Niederschlägen geprüft werden. Bereits jetzt liefern sie Züchtern jedoch neues Ausgangsmaterial.

Kurz zusammengefasst:

  • In Peru wurden vier bislang unbekannte Kakao-Linien entdeckt, die neue Chancen für hitzeresistente Kakaosorten eröffnen.
  • Zwei Linien könnten besonders aromatische Bohnen liefern und für hochwertige Schokolade interessant sein.
  • Ob sie Hitze und Trockenheit tatsächlich besser vertragen, müssen weitere Tests erst klären.

Übrigens: Während neue Kakao-Linien Hoffnung auf robustere Sorten machen, könnten in Kolumbien bis 2050 rund 20 Prozent der heutigen Anbauflächen klimatisch ungeeignet werden. Warum der Kakao zunehmend in höhere Lagen wandert und wilde Bestände wichtig werden könnten, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Lambert Motilal from University of the West Indies, CC-BY 4.0

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