Kann braunes Fett beim Abnehmen helfen? Forscher stoßen auf ein überraschendes Problem

Braunes Fett gilt als Kalorienverbrenner. Forscher entdecken nun, warum es sich fürs Abnehmen bislang kaum gezielt aktivieren lässt.

Nach Kälte nahm braunes Fett rund 30-mal mehr markierte Glukose auf als nach der Behandlung mit Fenoterol. © Matthias Betz, Universität Basel, Universitätsspital Basel

Nach Kälte nahm braunes Fett rund 30-mal mehr markierte Glukose auf als nach der Behandlung mit Fenoterol. © Matthias Betz, Universität Basel, Universitätsspital Basel

Braunes Fett gilt seit Jahren als Hoffnungsträger beim Abnehmen. Anders als weißes Fett speichert es Energie nicht für später, sondern verbraucht sie, um Wärme zu erzeugen. Das klingt nach einem natürlichen Kalorienverbrauch, den man therapeutisch nutzen könnte. Vor allem nach einer Gewichtsabnahme wäre das von Vorteil, denn der Körper senkt dann häufig seinen Energiebedarf. Dadurch wird es schwieriger, weiteres Gewicht zu verlieren oder das neue Gewicht zu halten.

Wie schwer sich braunes Fett gezielt anschalten lässt, haben Forscher der Universität Basel nun näher untersucht. Ihre Studie erschien im Fachjournal Cell Metabolism. Das Team um den Endokrinologen Prof. Dr. Matthias Betz verglich dabei einen natürlichen Reiz mit einem Medikament: milde Kälte und den Wirkstoff Fenoterol. Beide steigerten den Energieverbrauch des Körpers. Doch nur die Kälte aktivierte das braune Fett deutlich.

Warum braunes Fett beim Abnehmen so interessant ist

Für den Versuch prüften die Wissenschaftler zunächst 19 junge und gesunde Personen. In die Hauptgruppe kamen nur Teilnehmer, deren Energieverbrauch bei leichter Kälte um mindestens fünf Prozent stieg. 13 Personen erfüllten diese Voraussetzung, elf absolvierten schließlich beide Versuchstage. Die eingeschlossenen Teilnehmer waren im Schnitt 26 Jahre alt und schlank. Ihr durchschnittlicher BMI lag bei 21,7.

An einem Termin wurden die Probanden zwei Stunden lang milder Kälte ausgesetzt, am anderen erhielten sie über denselben Zeitraum Fenoterol. Der Ruheenergieverbrauch lag vorher bei rund 1516 beziehungsweise 1502 Kilokalorien pro Tag. In beiden Fällen stieg er während der Behandlung an. Bei Fenoterol geschah das rasch, während der Körper auf die Kälte langsamer reagierte.

Kälte aktiviert braunes Fett viel stärker

Der Unterschied zeigte sich vor allem in den PET/CT-Aufnahmen. Nach der Kältephase fanden die Forscher im Median 83 Milliliter aktives braunes Fett. Nach Fenoterol waren es lediglich fünf Milliliter. Auch die Glukoseaufnahme unterschied sich deutlich: Nach Kälte nahm das braune Fett rund 30-mal mehr markierte Glukose auf als nach der Medikamentengabe.

Auch die Hauttemperatur lieferte Hinweise. Unter Kälte erwärmte sich die Region oberhalb der Schlüsselbeine, wo Erwachsene wichtige Depots von braunem Fett besitzen. Unter Fenoterol blieb diese typische Reaktion aus. Der Wirkstoff veränderte stattdessen andere Stoffwechselwerte. Im Blut stiegen unter anderem Glukose, Insulin, Laktat, freie Fettsäuren und Glycerin.

Mehr Energieverbrauch heißt nicht automatisch mehr Fettverbrennung

Wo der zusätzliche Energieverbrauch unter Fenoterol entstand, konnten die Wissenschaftler nicht abschließend klären. Infrage kommen unter anderem Skelettmuskeln, weißes Fettgewebe oder die Leber. Auch sogenannte futile Stoffwechselkreisläufe könnten beteiligt sein. Dabei laufen chemische Prozesse wiederholt ab und verbrauchen Energie, ohne entsprechend viel nutzbare Energie zu erzeugen.

Die Ergebnisse widersprechen zudem der einfachen Vorstellung, ein einzelner Rezeptor könne braunes Fett beim Menschen vollständig anschalten. Frühere Arbeiten hatten vor allem dem Beta-2-Rezeptor große Bedeutung zugeschrieben. In zusätzlichen RNA-Analysen hing dagegen der Beta-3-Rezeptor stärker mit UCP1 zusammen. Dieses Protein ist typisch für wärmeerzeugende braune Fettzellen. Möglicherweise müssen mehrere Rezeptoren und weitere biologische Signale zusammenspielen.

Warum daraus noch keine neue Abnehmtherapie wird

Fenoterol ist damit keine neue Abnehmspritze und auch kein Mittel, mit dem sich braunes Fett gezielt zur Gewichtsreduktion nutzen lässt. Die Untersuchung dauerte jeweils nur zwei Stunden und erfasste keinen Gewichtsverlust. Hinzu kommt die kleine und stark ausgewählte Gruppe aus jungen, gesunden und schlanken Menschen. Aussagen über Menschen mit Übergewicht oder Adipositas lassen sich daraus daher nur begrenzt ableiten.

Auch die Messung selbst hat Grenzen. Das PET/CT erfasst vor allem die Aufnahme von Glukose in das braune Fett. Theoretisch könnte das Gewebe auch andere Energieträger nutzen. Mehrere weitere Messungen sprechen zwar gegen eine starke Aktivierung durch Fenoterol, völlig ausschließen lässt sich eine geringe Aktivität jedoch nicht. „Die Aktivierung des braunen Fetts beim Menschen ist komplexer als zunächst angenommen“, sagt Betz. Zudem erhöht Kälte zwar den Energieverbrauch, doch „das Problem ist, dass mit dem Energieverbrauch auch der Hunger zunimmt“.

Kurz zusammengefasst:

  • Braunes Fett verbraucht Energie, doch Fenoterol konnte es in der kleinen Studie nicht ähnlich stark aktivieren wie Kälte.
  • Nach Kälte war das aktive braune Fettvolumen deutlich größer und die Glukoseaufnahme im Gewebe rund 30-mal höher.
  • Ob sich braunes Fett künftig therapeutisch zum Abnehmen nutzen lässt, bleibt offen, weil die Regulation beim Menschen offenbar mehrere biologische Signale umfasst.

Übrigens: Nicht nur braunes Fett beeinflusst den Energieverbrauch – auch der Zeitpunkt fettreicher Mahlzeiten verändert messbar Prozesse im Fettgewebe. Abends gegessenes Fett aktivierte bei übergewichtigen Männern häufiger Entzündungs-Gene. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Matthias Betz, Universität Basel, Universitätsspital Basel

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