Antibabypille und Hormone in den Wechseljahren: Studie findet weniger Hirngefäßschäden im Alter

Frauen, die früher die Pille und später Hormone in den Wechseljahren nahmen, zeigten mit 70 Jahren seltener Hirngefäßschäden.

Östrogen unterstützt die Blutgefäße und Nervenzellen. Mit den Wechseljahren nimmt die körpereigene Produktion des Hormons deutlich ab. © Pexels

Östrogen unterstützt die Blutgefäße und Nervenzellen. Mit den Wechseljahren nimmt die körpereigene Produktion des Hormons deutlich ab. © Pexels

Hormone könnten noch Jahrzehnte nach ihrer Einnahme mit der Gesundheit des Gehirns zusammenhängen. Frauen, die früher die Antibabypille genommen und später in den Wechseljahren eine Hormontherapie erhalten hatten, zeigten mit 70 Jahren deutlich seltener Schäden an kleinen Blutgefäßen im Gehirn. Auch ein später Beginn der Wechseljahre ging mit günstigeren Befunden einher. Das ergab eine schwedische Untersuchung mit 352 Frauen. Solche Gefäßschäden können das Risiko für Schlaganfälle, Gedächtnisprobleme und Demenz erhöhen.

Das Forschungsteam um Anna Marseglia vom Karolinska-Institut in Stockholm veröffentlichte seine Ergebnisse im Fachjournal Neurology. Laut der American Academy of Neurology (AAN) könnte das weibliche Geschlechtshormon Östrogen die Gesundheit der Hirngefäße langfristig beeinflussen.

Hormontherapie in den Wechseljahren: Weniger Schäden an kleinen Hirngefäßen

Bei Frauen mit einer früheren Hormontherapie fanden die Wissenschaftler seltener mehrere Veränderungen an den kleinen Blutgefäßen des Gehirns. Dazu gehörten winzige Blutungen und erweiterte Räume rund um die Gefäße. Diese Veränderungen können auf eine Erkrankung der kleinen Hirngefäße hinweisen.

Frauen, die sowohl die Antibabypille als auch später eine Hormontherapie verwendet hatten, schnitten besonders günstig ab. Bei ihnen waren mehrere Gefäßveränderungen seltener als bei Frauen ohne diese Behandlungen. Auch ihre weiße Hirnsubstanz war besser erhalten. Sie besteht aus Millionen von Nervenfasern, die Informationen zwischen verschiedenen Hirnregionen weiterleiten.

Warum Östrogen die Blutgefäße schützen könnte

Östrogen beeinflusst weit mehr als den weiblichen Zyklus. Das Hormon unterstützt die Funktion von Nervenzellen und trägt dazu bei, Blutgefäße gesund zu halten. Mit den Wechseljahren sinkt die körpereigene Östrogenproduktion deutlich. Eine längere Versorgung mit dem Hormon könnte deshalb für die Gesundheit der Hirngefäße von Bedeutung sein.

„Östrogen hat bekanntermaßen schützende Eigenschaften für Nervenzellen und Blutgefäße im Gehirn“, erklärt Marseglia. Frauen erkranken häufiger an Alzheimer als Männer. Hormonelle Veränderungen im Laufe des Lebens könnten dazu beitragen. Allerdings fanden die Wissenschaftler keinen allgemeinen Zusammenhang zwischen der früheren Hormonanwendung und Veränderungen in jenen Hirnregionen, die bei Alzheimer besonders häufig betroffen sind.

73 Prozent der Frauen hatten früher die Pille genommen

Die 352 Teilnehmerinnen stammten aus Schweden und hatten zu Beginn keine erkennbaren Gedächtnis- oder Denkstörungen. Im Durchschnitt lagen zwischen ihrer ersten Regelblutung und den Wechseljahren rund 37 Jahre. Auch frühere Hormonbehandlungen erfasste das Forschungsteam.

Dabei ergaben sich folgende Werte:

  • 73 Prozent der Frauen hatten während ihrer fruchtbaren Jahre die Antibabypille verwendet.
  • 61 Prozent hatten während oder nach den Wechseljahren eine Hormontherapie erhalten oder nahmen weiterhin entsprechende Präparate.
  • Rund 41 Prozent zeigten mindestens eines von vier untersuchten Anzeichen für Veränderungen an kleinen Hirngefäßen.

Mithilfe von Magnetresonanztomografie (MRT) untersuchten die Wissenschaftler die Gehirne der Teilnehmerinnen. Sie suchten nach auffälligen Veränderungen der weißen Hirnsubstanz, winzigen Blutungen, kleinen Hohlräumen im Gewebe und erweiterten Räumen um Blutgefäße. Je mehr dieser Anzeichen auftraten, desto ausgeprägter waren die Hinweise auf eine Erkrankung der kleinen Hirngefäße.

Späte Wechseljahre gehen mit weniger Gefäßschäden einher

Auch der Zeitpunkt der letzten Regelblutung hing mit den Untersuchungsergebnissen zusammen. Frauen, die später in die Wechseljahre kamen, hatten seltener mehrere Anzeichen von Hirngefäßschäden. Entscheidend war offenbar vor allem das spätere Ende der körpereigenen Hormonproduktion. Das Alter bei der ersten Regelblutung zeigte dagegen keinen vergleichbaren Zusammenhang.

Die kleinen Blutgefäße versorgen das Gehirn mit Sauerstoff und Nährstoffen. Veränderungen an diesen Gefäßen können über viele Jahre entstehen, ohne zunächst Beschwerden zu verursachen. Bei fortschreitender Schädigung können Gedächtnis und Denkvermögen leiden. Auch das Risiko für einen Schlaganfall kann steigen.

Nach fünf Jahren zeigt sich kein gesicherter Schutz

Bei 205 Frauen lagen zusätzlich MRT-Aufnahmen aus dem Alter von etwa 75 Jahren vor. Zwischen den beiden Untersuchungen fanden die Wissenschaftler keine statistisch gesicherten Unterschiede beim Fortschreiten bestimmter Hirnveränderungen. Das galt sowohl für Veränderungen der weißen Hirnsubstanz als auch für die Dicke jener Hirnrindenbereiche, die bei Alzheimer besonders anfällig sind.

Außerdem beruhten die Angaben zu früheren Hormonbehandlungen auf den Erinnerungen der Teilnehmerinnen. Informationen über die verwendeten Präparate, ihre Dosierung und den Beginn der Einnahme fehlten teilweise. Deshalb lässt sich nicht beurteilen, ob bestimmte Hormonbehandlungen günstiger waren als andere. Die Ergebnisse belegen zudem nicht, dass Antibabypille oder Hormontherapie das Gehirn tatsächlich vor Schäden schützen. Ob ein solcher Schutz besteht, müssen klinische Studien klären.

Kurz zusammengefasst:

  • Frauen, die früher die Antibabypille und später eine Hormontherapie verwendeten, zeigten mit 70 Jahren seltener Schäden an kleinen Blutgefäßen im Gehirn.
  • Auch Frauen, die später in die Wechseljahre kamen, hatten günstigere Befunde. Solche Gefäßschäden stehen mit Schlaganfällen, Gedächtnisproblemen und Demenz in Verbindung.
  • Die Studie mit 352 Frauen zeigt einen Zusammenhang, beweist aber nicht, dass Hormone das Gehirn vor Schäden oder Alzheimer schützen.

Übrigens: Vergesslichkeit, Konzentrationsprobleme und geistige Benommenheit gehören für viele Frauen zu den Wechseljahren. In einer kleinen Untersuchung mit 20 Frauen besserten sich diese Beschwerden nach zwölf Monaten Hormonbehandlung – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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