Wer im Krankenhaus von einer Ärztin behandelt wird, stirbt seltener

Eine kanadische Studie mit fast einer Million Patienten zeigt: Unter Betreuung durch Ärztinnen lag die Sterblichkeit um 1,4 Prozentpunkte niedriger.

Bei sechs von sieben untersuchten Erkrankungsgruppen war die Sterblichkeit unter Betreuung durch Ärztinnen niedriger. Besonders deutlich profitierten Patientinnen.

Bei sechs von sieben untersuchten Erkrankungsgruppen war die Sterblichkeit unter Betreuung durch Ärztinnen niedriger. Besonders deutlich profitierten Patientinnen. © Unsplash


Bei einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder einer schweren Lungenentzündung kommt es im Krankenhaus auf eine gute medizinische Versorgung an. Doch offenbar spielt auch eine Rolle, ob eine Ärztin oder ein Arzt die Betreuung übernimmt. Nach Berücksichtigung von Alter, Vorerkrankungen und weiteren Einflussfaktoren ergab sich ein bemerkenswerter Unterschied: Von 1000 vergleichbaren Patienten starben innerhalb von 30 Tagen rechnerisch 123 unter der Betreuung von Ärztinnen, bei männlichen Ärzten waren es 137. Das sind 14 Todesfälle weniger.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der University of Toronto und des kanadischen Forschungsinstituts ICES mit 958.150 Krankenhauspatienten. Das Team um Angela Jerath wertete Behandlungen aus 15 Jahren aus. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal JAMA Network Open. Warum die Sterblichkeit bei Patienten von Ärztinnen niedriger lag, ist allerdings noch nicht geklärt.

Studie mit fast einer Million Patienten zeigt bessere Überlebenschancen bei Ärztinnen

Die ausgewerteten Krankenhausaufenthalte stammen aus den Jahren 2008 bis 2022 in der kanadischen Provinz Ontario. Insgesamt waren 15.165 Ärztinnen und Ärzte beteiligt. Bei rund 260.000 Patienten lag die Hauptverantwortung für die Behandlung bei einer Ärztin, bei etwa 698.000 bei einem männlichen Arzt.

Die Patienten litten an sieben häufigen Erkrankungen. Besonders oft handelte es sich um einen Herzinfarkt mit mehr als 230.000 Fällen. Die untersuchten Erkrankungsgruppen umfassten:

  • Herzinfarkt und Herzschwäche
  • Schlaganfall und Vorhofflimmern
  • Lungenentzündung und chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
  • Blutungen im Magen-Darm-Trakt

Bei sechs Erkrankungsgruppen ist die Sterblichkeit niedriger

Bei sechs der sieben Erkrankungsgruppen lag die Sterblichkeit innerhalb von 30 Tagen unter Betreuung durch Ärztinnen niedriger. Lediglich bei Vorhofflimmern ließ sich kein entsprechender Zusammenhang feststellen. Die Unterschiede bestanden auch bei Patienten mit verschiedenen Vorerkrankungen und in unterschiedlichen Krankenhaustypen.

Dabei spielte offenbar auch die Dauer der Betreuung eine Rolle. Mit jedem Anstieg des Anteils der Behandlungstage durch Ärztinnen um zehn Prozentpunkte sanken die statistischen Chancen, innerhalb von 30 Tagen zu sterben, um sieben Prozent. Ein entsprechend großer Rückgang des tatsächlichen Sterberisikos lässt sich daraus jedoch nicht unmittelbar ableiten.

Frauen profitieren besonders von Ärztinnen

Bei weiblichen Patienten fiel der Unterschied ausgeprägter aus. Ihre Sterblichkeit innerhalb von 30 Tagen lag unter Betreuung durch Ärztinnen rechnerisch um 1,29 Prozentpunkte niedriger als bei männlichen Ärzten. Bei männlichen Patienten betrug der Abstand 0,75 Prozentpunkte.

Die niedrigste berechnete Sterblichkeit verzeichneten Patientinnen unter Betreuung durch Ärztinnen: 11,3 Prozent innerhalb von 30 Tagen. Auch männliche Patienten hatten bei weiblichen Ärzten günstigere Überlebenschancen. Ob das Geschlecht selbst dafür verantwortlich ist, bleibt allerdings offen.

Auch erneute Krankenhausaufnahmen sind etwas seltener

Patienten von Ärztinnen mussten innerhalb von 30 Tagen etwas seltener erneut ins Krankenhaus. Die berechnete Wiederaufnahmerate lag bei 18,6 Prozent, gegenüber 18,9 Prozent bei männlichen Ärzten. Der Unterschied war damit deutlich kleiner als bei den Todesfällen.

Auch nach 90 Tagen und einem Jahr bestand ein Zusammenhang zwischen dem Geschlecht der behandelnden Ärzte und der Sterblichkeit. Mit zunehmendem zeitlichem Abstand fiel er allerdings schwächer aus.

Warum Ärztinnen möglicherweise erfolgreicher behandeln

Eine mögliche Erklärung liegt im Umgang mit Patienten. Frühere Untersuchungen deuten darauf hin, dass Ärztinnen mehr Zeit für Gespräche aufwenden und Patienten häufiger in medizinische Entscheidungen einbeziehen. Auch Unterschiede bei Untersuchungen und Behandlungen könnten eine Rolle spielen.

So könnten Ärztinnen häufiger medizinische Leitlinien berücksichtigen, empfohlene Untersuchungen veranlassen und Kollegen um Rat fragen. Ob solche Verhaltensweisen tatsächlich die niedrigere Sterblichkeit erklären, ist bislang nicht geklärt. Die kanadischen Krankenhausdaten enthalten dazu keine ausreichenden Informationen.

Dienstpläne beeinflussen die Arztwahl

Studienleiterin Jerath verweist auf eine Besonderheit stationärer Behandlungen. Anders als bei planbaren Operationen können Patienten ihren behandelnden Arzt häufig nicht selbst auswählen. Stattdessen bestimmen wechselnde Dienstpläne, wer die medizinische Betreuung übernimmt. Persönliche Arztpräferenzen beeinflussen die Patientenzuteilung dadurch weniger.

Allerdings lassen sich trotz der umfangreichen statistischen Berechnungen nicht alle Unterschiede zwischen den Patientengruppen ausschließen. Auch der Einfluss von Pflegekräften und anderen medizinischen Fachkräften blieb unberücksichtigt. Die Ergebnisse beziehen sich ausschließlich auf stationäre Behandlungen in Ontario. Für Arztpraxen oder ambulante Behandlungen lassen sich daraus keine entsprechenden Aussagen ableiten.

Kurz zusammengefasst:

  • Bessere Überlebenschancen: Von 1000 vergleichbaren Patienten starben unter Ärztinnen rechnerisch 123, bei männlichen Ärzten 137.
  • Frauen profitieren besonders: Bei sechs von sieben Erkrankungsgruppen war die Sterblichkeit unter Ärztinnen niedriger.
  • Ursachen ungeklärt: Unterschiede in der Behandlung könnten eine Rolle spielen, sind aber nicht bewiesen.

Übrigens: Bei der Früherkennung können medizinische Innovationen die Behandlung verbessern. Eine an der Harvard University entwickelte Spezialbrille soll Gehirnerschütterungen innerhalb von drei Minuten erkennen und Ärzten helfen, Verletzungen schneller einzuschätzen – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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