Lebenserwartung steigt in Deutschland – doch Frauen verlieren in Thüringen ein halbes Jahr
Männer leben in allen Bundesländern wieder länger als vor Corona. Bei Frauen liegen sieben Länder noch unter dem Niveau von 2019.
Die Lebenserwartung in Deutschland steigt weiter. Doch wie alt Menschen statistisch werden, hängt auch vom Geschlecht und vom Bundesland ab. © Unsplash
Die Deutschen werden immer älter. 2025 erreichte die Lebenserwartung nach Angaben des Statistischen Bundesamts neue Höchstwerte: 83,6 Jahre bei Frauen und 79,1 Jahre bei Männern. Doch hinter diesen Rekordzahlen verbirgt sich eine erstaunliche Entwicklung. Während Männer inzwischen in allen 16 Bundesländern wieder länger leben als vor der Corona-Pandemie, sieht es bei Frauen anders aus. In Thüringen sank ihre statistische Lebenserwartung innerhalb eines Jahres sogar um sechs Monate. In sieben Bundesländern liegt sie noch immer unter dem Niveau von 2019.
Die aktuellen Berechnungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) zur Lebenserwartung in Deutschland 2025 machen den Unterschied deutlich: Männer holen auf, während Frauen in einigen Regionen zurückfallen. Eine mögliche Erklärung reicht Jahrzehnte zurück. Denn Männer und Frauen haben über Generationen hinweg unterschiedlich viel geraucht – und die gesundheitlichen Folgen dieser Gewohnheiten machen sich bis heute bemerkbar.
In Bayern werden Männer inzwischen 80 Jahre alt
Baden-Württemberg führt die Rangliste mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 80,6 Jahren bei Männern an. Bayern erreicht erstmals 80,0 Jahre und ist damit das zweite Bundesland an dieser Schwelle. Die niedrigsten Werte verzeichnen weiterhin Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.
Bei Frauen liegen Baden-Württemberg, Sachsen und Bayern vorn. Baden-Württemberg nähert sich bereits der Marke von 85 Jahren. Die niedrigste Lebenserwartung haben Frauen dagegen im Saarland und in Bremen. Auch innerhalb Deutschlands hängt die statistische Lebensdauer somit erheblich vom Wohnort ab.
Zwischen den Bundesländern liegen fast vier Lebensjahre
Die regionalen Unterschiede haben sich gegenüber 2024 leicht vergrößert. Besonders groß ist die Spannweite bei Männern. Die aktuellen BiB-Berechnungen ergeben folgende Unterschiede:
- Männer: Zwischen den Bundesländern mit der höchsten und niedrigsten Lebenserwartung liegen rund 3,9 Jahre.
- Frauen: Die regionale Differenz beträgt etwa 2,6 Jahre.
- Geschlechter: In Mecklenburg-Vorpommern leben Frauen statistisch 6,4 Jahre länger als Männer – der größte Abstand bundesweit.
„Die regionalen Unterschiede innerhalb Deutschlands bleiben weitgehend bestehen“, erklärt BiB-Wissenschaftler Michael Mühlichen. Besonders ausgeprägt ist der Abstand zwischen Männern und Frauen in Ostdeutschland. Dort beträgt er in fast allen Bundesländern mehr als fünf Jahre. Im Saarland sind es dagegen nur 3,7 Jahre, in Schleswig-Holstein 3,9 Jahre.

Warum die Folgen des Rauchens Männer später entlasten
Eine mögliche Ursache für die unterschiedliche Entwicklung reicht Jahrzehnte zurück. Im 20. Jahrhundert rauchten wesentlich mehr Männer als Frauen. Der hohe Tabakkonsum erhöhte über lange Zeit die Sterblichkeit der männlichen Bevölkerung. Bereits vor mehreren Jahrzehnten begannen Männer jedoch, ihren Zigarettenkonsum zu reduzieren.
Bei Frauen setzte die Entwicklung später ein. Erst ab etwa 1970 verbreitete sich das Rauchen unter ihnen zunehmend. Die gesundheitlichen Folgen können noch Jahrzehnte später auftreten. Dazu gehören insbesondere Lungenkrebs sowie Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. Die früheren Veränderungen im Rauchverhalten der Männer könnten deshalb zu ihrer günstigeren Entwicklung beitragen.
Frauen spüren die Folgen früherer Rauchgewohnheiten noch heute
„Die Auswirkungen des Tabakkonsums auf die Lebenserwartung entwickeln sich bei Männern und Frauen zeitlich sowie regional unterschiedlich“, erklärt Pavel Grigoriev, Leiter der Forschungsgruppe Mortalität am BiB.
Während die langfristigen Folgen des Rauchens bei Männern nachlassen, könnten sie bei Frauen derzeit noch zunehmen. Allerdings lässt sich aus den vorliegenden Berechnungen nicht ableiten, ob der Rückgang der weiblichen Lebenserwartung in Thüringen unmittelbar mit dem Tabakkonsum zusammenhängt.
Die statistische Lebenserwartung beschreibt zudem keine individuelle Lebensdauer. Sie gibt an, wie lange ein neugeborener Mensch unter den Sterblichkeitsverhältnissen des jeweiligen Jahres durchschnittlich leben würde. Der Rückgang um sechs Monate in Thüringen bedeutet daher nicht, dass die dort lebenden Frauen tatsächlich ein halbes Jahr früher sterben.
Kurz zusammengefasst:
- Männer leben wieder länger: 2025 lag ihre statistische Lebenserwartung in allen 16 Bundesländern über dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Bei Frauen war das in sieben Bundesländern noch nicht der Fall.
- Der Wohnort macht einen Unterschied: In Baden-Württemberg erreichen Männer eine Lebenserwartung von 80,6 Jahren. In Thüringen sank der statistische Wert für Frauen gegenüber 2024 um sechs Monate.
- Rauchen könnte die Unterschiede teilweise erklären: Männer reduzierten ihren Tabakkonsum früher als Frauen. Die gesundheitlichen Folgen früherer Rauchgewohnheiten können die Lebenserwartung noch Jahrzehnte später beeinflussen.
Übrigens: Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und hohe Cholesterinwerte können die Lebenszeit erheblich verkürzen. Wer diese Risiken mit 50 Jahren vermeidet, hat laut einer großen internationalen Studie Aussicht auf mehr als zehn zusätzliche Lebensjahre. Mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Unsplash
