Wechseljahre beginnen 15 Jahre vor der letzten Periode – Studie zeigt Veränderungen im Körper

Eine Studie mit 300 Millionen Labortests zeigt: Die Menopause kündigt sich im Körper schon viele Jahre zuvor durch hormonelle Veränderungen an.

Die Wechseljahre verändern den weiblichen Körper bereits bis zu 15 Jahre vor der letzten Regelblutung. Rund um die Menopause geraten zahlreiche Körperfunktionen sprunghaft in Bewegung.

Die Wechseljahre verändern den weiblichen Körper bereits bis zu 15 Jahre vor der letzten Regelblutung. Rund um die Menopause geraten zahlreiche Körperfunktionen sprunghaft in Bewegung. © Pexels

Die Wechseljahre beginnen im Körper offenbar viel früher als bislang angenommen. Bereits 15 Jahre vor der letzten Regelblutung geraten erste hormonelle Prozesse in Bewegung. Rund um die Menopause folgt dann ein auffälliger Umbruch: Knochenstoffwechsel, Leber, Nieren und Blutfette verändern sich teilweise sprunghaft. Mit dem Ende der fruchtbaren Lebensphase durchläuft der weibliche Körper damit eine weitreichende biologische Umstellung, die auch das Risiko für verschiedene Erkrankungen beeinflusst.

Wie abrupt dieser Wandel ausfällt, belegt eine Analyse von mehr als 300 Millionen Laboruntersuchungen aus den USA und Israel. Wissenschaftler um Uri Alon vom israelischen Weizmann-Institut für Wissenschaft entdeckten bei 52 von 90 untersuchten Laborwerten auffällige Sprünge rund um die letzte Regelblutung. Bei gleichaltrigen Männern fehlten solche Veränderungen. Die Ergebnisse aus Gesundheitsdaten von mehr als einer Million Frauen erschienen im Fachjournal Nature Medicine.

Wechseljahre verändern den Körper schon viele Jahre vorher

Bereits viele Jahre vor der letzten Regelblutung verändern sich drei wichtige Geschlechtshormone. Die Wissenschaftler ermittelten folgende Zeitpunkte:

  • Etwa 15 Jahre vor der letzten Regelblutung: Der Spiegel des Anti-Müller-Hormons (AMH) beginnt beschleunigt zu sinken. Das Hormon wird in den Eierstöcken gebildet und gibt Hinweise darauf, wie viele Eizellen noch zur Verfügung stehen.
  • Etwa 14 Jahre vorher: Das follikelstimulierende Hormon (FSH) steigt zunehmend schneller an. Es wird in der Hirnanhangsdrüse gebildet und regt in den Eierstöcken die Reifung der Eizellen an.
  • Etwa zwölf Jahre vorher: Die Konzentration von Östradiol, einem der wichtigsten weiblichen Geschlechtshormone, beginnt beschleunigt abzunehmen. Es beeinflusst unter anderem den Knochenstoffwechsel, die Blutgefäße und den Fettstoffwechsel.

Viele Laborwerte verändern sich rund um die Menopause abrupt

Ein Großteil der auffälligen Laborveränderungen betrifft Körperfunktionen außerhalb des Fortpflanzungssystems. Die Werte verschieben sich überwiegend in eine Richtung, die mit einem höheren Krankheitsrisiko verbunden ist.

Eine Ausnahme bilden Eisenwerte und rote Blutkörperchen. Mit dem Ende der monatlichen Blutungen verliert der Körper weniger Eisen. Dadurch verbessern sich bestimmte Blutwerte, während das Risiko einer Blutarmut sinkt.

Da Frauen ihre letzte Regelblutung in unterschiedlichem Alter erleben, lassen sich die Veränderungen nicht unmittelbar an einem bestimmten Geburtstag festmachen. In der amerikanischen Datengrundlage lag das mittlere Menopausenalter bei 50 Jahren. Mithilfe eines statistischen Verfahrens rekonstruierten die Wissenschaftler den zeitlichen Verlauf der Laborwerte rund um die letzte Periode. Die Ergebnisse aus den USA und Israel stimmten stark überein.

Nach den Wechseljahren steigt das Osteoporoserisiko schneller

Besonders empfindlich reagiert der Knochenstoffwechsel auf den Rückgang des Östrogens. Das Hormon schützt die Knochen und beeinflusst ihren ständigen Auf- und Abbau. Mit der Menopause beschleunigt sich der Verlust an Knochensubstanz.

Entsprechend nahm die Häufigkeit von Osteoporose nach der Menopause deutlich schneller zu als bei gleichaltrigen Männern. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickelten sich ungünstiger: Herzinfarkte und Schlaganfälle wurden anschließend schneller häufiger.

Die Veränderungen der Laborwerte führen allerdings nicht zwangsläufig unmittelbar zu einer Erkrankung. Vielmehr verschieben sich biologische Risikofaktoren, während sich gesundheitliche Folgen über längere Zeit entwickeln können.

Schlafprobleme und depressive Beschwerden nehmen vorübergehend zu

Auch die psychische Gesundheit verändert sich rund um die Menopause. Im ersten Jahr danach erreichten 19 Prozent von 236 untersuchten Frauen einen erhöhten Wert auf einer Depressionsskala. Im Zeitraum von einem bis 25 Jahren nach der Menopause lag dieser Anteil bei elf Prozent von 6495 Frauen.

Einschlafprobleme und unzureichender Schlaf traten ebenfalls vorübergehend häufiger auf. Anschließend gingen diese Beschwerden im Durchschnitt wieder zurück und näherten sich dem langsameren altersabhängigen Verlauf an.

Hormontherapie schwächt viele Veränderungen offenbar ab

Bei Frauen mit einer Hormontherapie fielen zahlreiche Veränderungen der Laborwerte geringer aus. Besonders ausgeprägt war dieser Zusammenhang bei Messwerten für Knochen, Leber und Nieren. Von 80 untersuchten Laborwerten unterschieden sich 39 statistisch signifikant zwischen Frauen mit und ohne Hormontherapie.

Auch Gesundheitsdaten aus Israel stützten diesen Zusammenhang. Dort werteten die Wissenschaftler unter anderem Daten von 9103 Frauen aus, denen entsprechende Hormonpräparate mindestens zweimal verschrieben worden waren. Bei mehreren Laborwerten fielen die Veränderungen während der Behandlung geringer aus als in vergleichbaren Kontrollgruppen.

Allerdings können sich Frauen mit einer Hormontherapie hinsichtlich ihrer gesundheitlichen Vorgeschichte, ihres Lebensstils und ihrer medizinischen Versorgung von anderen Frauen unterscheiden. Die Auswertung kann deshalb nicht beweisen, dass die Behandlung die körperlichen Veränderungen verhindert. Dafür sind kontrollierte klinische Studien erforderlich.

Eine weitere Besonderheit betraf das C-reaktive Protein (CRP), einen Entzündungsmarker. Während viele andere Laborwerte unter einer Hormontherapie günstigere Verläufe aufwiesen, war CRP bei behandelten Frauen erhöht. Insbesondere oral eingenommene Östrogene können die Bildung dieses Proteins in der Leber verstärken.

Die rekonstruierten Verläufe beschreiben Durchschnittswerte großer Bevölkerungsgruppen. Sie erlauben keine zuverlässige Vorhersage darüber, wann und wie stark sich einzelne Körperfunktionen bei einer bestimmten Frau verändern.

Kurz zusammengefasst:

  • Die Wechseljahre kündigen sich früh an: Bereits 15 Jahre vor der letzten Regelblutung beginnt der Spiegel des Anti-Müller-Hormons (AMH) beschleunigt zu sinken.
  • Die Menopause verändert zahlreiche Körperfunktionen: Rund um die letzte Periode verändern sich viele Laborwerte sprunghaft, unter anderem bei Knochen, Leber, Nieren und Blutfetten; anschließend steigt besonders das Osteoporoserisiko schneller an.
  • Eine Hormontherapie könnte Veränderungen abschwächen: Bei behandelten Frauen fielen viele Veränderungen der Laborwerte geringer aus, ein ursächlicher Schutzeffekt ist jedoch noch nicht bewiesen.

Übrigens: Die Wechseljahre können auch das Gehirn verändern. Eine Untersuchung mit rund 125.000 Frauen verbindet die Menopause mit Schlafproblemen, Ängsten und Veränderungen der Gehirnstruktur – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

What do you feel about this?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert