Hochverarbeitete Lebensmittel: Wissenschaftler fordert Warnhinweise wie bei Zigaretten

Professor Carlos Monteiro fordert Warnhinweise für ultraverarbeitete Lebensmittel, die gesundheitliche Risiken wie Diabetes, Entzündungen und Krebs fördern.

Ultraverarbeitete Lebensmittel

Ultraverarbeitete Lebensmittel (UPFs) enthalten viele Zusatzstoffe und sind alles andere als gesund. © Midjourney

Hochverarbeitete Lebensmittel (Ultra-Processed Food – UPFs) nehmen weltweit einen immer größeren Platz in unserer Ernährung ein. Süßigkeiten, Gebäck, frittierte Snacks, Würstchen, Fleischersatzprodukte, Brotaufstriche und Fertiggerichte sind Beispiele für hochverarbeitete Lebensmittel. „Diese Produkte verdrängen gesündere, weniger verarbeitete Nahrungsmittel auf der ganzen Welt und verschlechtern dadurch die Ernährungsqualität“, erklärt Professor Carlos Monteiro, Ernährungswissenschaftler von der Universität São Paulo.

Monteiro prägte den Begriff hochverarbeitete Lebensmittel und entwickelte das NOVA-Klassifizierungssystem, das nicht nur die Nährstoffe, sondern auch die Herstellungsweise der Lebensmittel berücksichtigt. Nun fordert Monteiro Warnhinweise im Stil von Zigarettenpackungen für diese Produkte, wie der Guardian meldet.

Hochverarbeitete Lebensmittel sind Produkte, die stark industriell verarbeitet werden. Dabei werden natürliche Zutaten herausgelöst und mit Chemikalien oder Zusatzstoffen vermischt, um das fertige Lebensmittel herzustellen.

Die Europakarte zeigt den Anteil der Haushalte, in denen hochverarbeitete Lebensmittel gekauft werden. © The Guardian, Public Health Nutrition / Mess via Wikimedia unter CC BY-SA 4.0
Die Europakarte zeigt den Anteil der Haushalte, in denen hochverarbeitete Lebensmittel gekauft werden. © The Guardian, Public Health Nutrition / Mess via Wikimedia unter CC BY-SA 4.0

Gefahren durch Zusatzstoffe in hochverarbeiteten Lebensmitteln

Künstliche Zusätze in hochverarbeiteten Lebensmitteln sollen Geschmack verbessern, die Haltbarkeit verlängern und das Aussehen ansprechender machen. Doch je mehr Zusatzstoffe in einem Lebensmittel stecken, desto höher ist das Risiko für gesundheitliche Probleme. Diese Zusätze können Entzündungen fördern, die Darmflora verändern und den Stoffwechsel übersäuern.

Risiken für Entzündungen, Diabetes und Krebs

Studien, über die auch ARD Gesund berichtet, haben gezeigt, dass hochverarbeitete Lebensmittel Entzündungen im Körper fördern können. Diese Lebensmittel erhöhen den Blutzuckerspiegel und können Diabetes begünstigen. Süßstoffe, die häufig in UPFs enthalten sind, können das Mikrobiom im Darm verändern und zu Reizdarm führen. Zudem erhöht der Konsum von verarbeitetem Fleisch das Risiko für Darmkrebs. Zusatzstoffe wie Carboxy-Methylzellulose, die als Verdickungsmittel in Kuchenfüllungen, Pudding oder Eiscreme verwendet wird, können chronische Entzündungen der Darmschleimhaut verursachen.

Einfluss auf das Immunsystem

Manche hochverarbeiteten Lebensmittel rauben Energie, machen müde und beeinträchtigen die Konzentrationsfähigkeit. Eine Studie zeigte, dass das Immunsystem auf verarbeitete Lebensmittel ähnlich wie auf eine bakterielle Infektion reagiert. Dies kann das allgemeine Wohlbefinden und die Gesundheit negativ beeinflussen.

Die NOVA-Klassifikation: Ein Leitfaden für gesunde Ernährung

Das NOVA-System klassifiziert Lebensmittel basierend auf Art, Umfang und Zweck ihrer industriellen Verarbeitung in vier Gruppen.

  • Unverarbeitete oder minimal verarbeitete Lebensmittel
  • Verarbeitete kulinarische Zutaten
  • Verarbeitete Lebensmittel
  • Hochverarbeitete Lebensmittel- und Getränkeprodukte

Damit sollen gesunde von ungesunden Lebensmitteln leichter unterschieden werden. Zu den wenig verarbeiteten Lebensmitteln zählen frisches Obst und Gemüse, Fleisch, Fisch, Eier, Milch sowie Trockenobst und Tiefkühlgemüse. Verarbeitete Lebensmittel mit wenigen Zutaten, wie Käse, Brot, Schinken, Nudeln und Räucherfisch, sind ebenfalls eine bessere Wahl.

Hochverarbeitete Lebensmittel meiden

Hochverarbeitete Lebensmittel durchlaufen viele Verarbeitungsschritte und enthalten zahlreiche Zutaten und Zusatzstoffe. Dazu gehören Wurstwaren, Fleischprodukte, Backwaren, Trockensuppen, Softdrinks, Eiscreme, Süßigkeiten und Fertiggerichte wie Tiefkühlpizza. Ernährungsstudien haben gezeigt, dass der häufige Verzehr dieser Lebensmittel die Lebenserwartung verkürzen kann.

Warnsignale auf der Verpackung

Beim Einkauf sollte man einen genauen Blick auf die Zutatenliste werfen. Je länger die Liste, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Produkt viele Zusatzstoffe enthält. Mehr als 15 Zutaten sind ein Warnsignal. Vermieden werden sollten auch Stoffe, die zur Haltbarmachung oder Farb- und Geschmacksverstärkung dienen sowie Emulgatoren.

Clean Eating: Eine gesunde Alternative

Clean Eating ist eine Ernährungsweise, die auf unverarbeitete, natürliche Lebensmittel ohne Zusatzstoffe setzt. Diese Ernährungsweise beinhaltet viele Ballaststoffe, Eiweiß, reichlich Gemüse und Kleie. Kohlenhydrate sollten in Maßen konsumiert werden, und Brot sollte aus Vollkorn und am besten selbst gebacken sein.

Forderungen nach öffentlichen Gesundheitskampagnen

Prof. Monteiro betont im Guardian, dass öffentliche Gesundheitskampagnen notwendig sind, um die Gefahren von UPFs aufzuzeigen. „Werbung für UPFs sollte verboten oder stark eingeschränkt werden“, so Monteiro. Er fordert auch, dass hochverarbeitete Lebensmittel mit Warnhinweisen versehen und in Schulen und Gesundheitseinrichtungen verboten werden sollten. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, den Konsum von UPFs zu reduzieren und die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern.

Was du dir merken solltest:

  • Hochverarbeitete Lebensmittel (UPFs) enthalten viele Zusatzstoffe und können gesundheitliche Probleme wie Diabetes, Entzündungen und Krebs verursachen.
  • Professor Carlos Monteiro fordert Warnhinweise im Stil von Zigarettenpackungen, um die Öffentlichkeit über die Risiken von UPFs zu informieren.
  • Das NOVA-Klassifizierungssystem hilft, Lebensmittel nach ihrem Verarbeitungsgrad einzuordnen und gesündere Optionen zu wählen.

Übrigens: Ein weiteres Klassifizierungssystem für Lebensmittel ist der Nutri-Score. Doch was sagt dieser eigentlich über ein Lebensmittel aus? Ein „guter“ Nutri-Score macht das bewertete Lebensmittel noch lange nicht gesund. Wenn du mehr darüber erfahren willst, solltest du unseren Artikel lesen.

Bild: © Midjourney

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