Fruchtsaft für Kinder? Was gesund wirkt, kann dem Herzen später schaden
Fruchtsaft gilt als gesund für Kinder. Eine Langzeitstudie verbindet hohen Saftkonsum jedoch mit später höherem Bluthochdruck-Risiko.
Viele Kinder trinken regelmäßig Saft. Eine Langzeitstudie spricht jedoch dafür, öfter zu ganzen Früchten zu greifen. © Wikimedia
Fruchtsaft hat in vielen Familien einen guten Ruf: Kinder sollen dadurch mit Vitaminen und Obst versorgt werden – eine schnelle Lösung am Frühstückstisch. Doch eine große Langzeitstudie kommt nun zu einem anderen Ergebnis. Kinder und Jugendliche, die regelmäßig viel Saft oder gezuckerte Getränke tranken, meldeten als Erwachsene häufiger Bluthochdruck – und dieser belastet Herz und Gefäße über Jahre.
Die American Heart Association berichtet über Daten von 25.749 Menschen aus der Studie „Growing Up Today“. Die Teilnehmer waren zu Beginn im Schnitt zwölf Jahre alt. Am Ende der Nachbeobachtung lag ihr Durchschnittsalter bei 36 Jahren. Über bis zu 25 Jahre machten sie wiederholt Angaben zu Ernährung, Lebensstil und Gesundheit. In diesem Zeitraum meldeten 1625 Teilnehmer eine ärztliche Diagnose von Bluthochdruck. Das entspricht 6,3 Prozent der untersuchten Gruppe.
Fruchtsaft für Kinder kann der Gesundheit später stärker belasten
Auffällig waren vor allem hohe Mengen zuckerhaltiger Getränke. Wer täglich mindestens zwei Portionen Limo, Eistee, Sportgetränke oder ähnliche Getränke konsumierte, hatte später ein 52 Prozent höheres Risiko für Bluthochdruck. Der Vergleich bezog sich auf Menschen, die weniger als drei Portionen pro Woche tranken. Eine Portion entsprach rund 355 Millilitern.
Auch Fruchtsaft schnitt schlechter ab als erwartet. Wer täglich mindestens 1,5 Portionen Saft trank, hatte ein 35 Prozent höheres Risiko für Bluthochdruck. Eine Portion entsprach rund 237 Millilitern. Die Forscher fanden dabei keinen klaren Zusammenhang mit der gesamten aufgenommenen Fruktose. Es kam stärker auf die Quelle an. Ganze Früchte waren nicht mit einem höheren Risiko verbunden.
Warum ein Apfel anders wirkt als ein Glas Saft
Dabei muss klar zwischen Obst und Saft unterschieden werden. Ganze Früchte enthalten Ballaststoffe, müssen gekaut werden und sättigen stärker. Saft liefert Fruchtzucker dagegen in flüssiger Form. Ein Glas ist schnell getrunken. Oft stecken mehrere Früchte darin, ohne dass der Körper dieselbe Sättigung erhält.
Studienautorin Vasanti Malik von der University of Toronto ordnet den Befund klar ein. „Ernährungsgewohnheiten in jungen Jahren können langfristige gesundheitliche Folgen haben“, sagt sie. Hoher Blutdruck trete heute häufiger früher auf, auch bei jungen Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen. Deshalb sind frühe Trinkgewohnheiten so wichtig.
Kinder sollten Fruchtsaft durch Obst ersetzen
Die Forscher berechneten auch, wie sich ein Austausch einzelner Getränke auswirken könnte. Solche Modellrechnungen beweisen keine Heilwirkung, sie liefern aber einen alltagstauglichen Hinweis darauf, welche Getränke günstiger abschneiden.
Wer eine tägliche Portion Limo, Eistee oder Sportgetränk ersetzte, hatte ein niedrigeres Bluthochdruck-Risiko:
- durch ganze Früchte um 22 Prozent
- durch Milch um 13 Prozent
- durch Wasser um 9 Prozent
Beim direkten Vergleich mit Obst verlor Fruchtsaft ebenfalls. In den Daten lag das Risiko um 19 Prozent niedriger, wenn eine tägliche Portion Saft durch ganze Früchte ersetzt wurde. Obst essen schnitt besser ab als Obst trinken.
Sportgetränke wirken gesünder, als sie sind
Unter den gezuckerten Getränken fielen Sportgetränke stark auf. Jede tägliche Portion stand mit einem 36 Prozent höheren Risiko für Bluthochdruck in Verbindung. Bei Limonade lag der Wert bei 23 Prozent pro täglicher Portion. Gerade Sportgetränke tragen oft ein gesundes Image, weil Werbung sie mit Leistung, Bewegung und Fitness verbindet.
Malik mahnt deshalb zur Vorsicht bei solchen Produkten. „Zuckergesüßte Getränke wie Limonade und Sportgetränke, die oft als teilweise gesund vermarktet werden, sollten begrenzt werden“, sagt sie. Auch Saft bekommt bei ihr keinen Freibrief. „Fruchtsaft kann in kleinen Mengen harmlos sein, bei höherem Konsum jedoch schaden“, erklärt Malik.
Orangensaft fiel in den Daten auf
Bei den Saftsorten fiel Orangensaft besonders auf. Jede tägliche Portion stand mit einem 20 Prozent höheren Bluthochdruck-Risiko in Verbindung. Für Apfelsaft und andere Säfte fiel der Zusammenhang nicht ebenso klar aus. Die Forscher nennen allerdings eine mögliche Schwäche. Manche Teilnehmer könnten gezuckerte Orangengetränke fälschlich als Orangensaft angegeben haben.
Der Kardiologe Amit Khera vom Southwestern Medical Center der University of Texas sieht in den Ergebnissen einen wichtigen Hinweis. Viele Menschen hielten Fruktose unabhängig von ihrer Quelle für problematisch. Andere betrachteten Fruchtsaft pauschal als gesund. „Diese Studie zeigt, dass offenbar beides nicht stimmt“, sagt Khera. Die Quelle des Zuckers macht also einen Unterschied.
Die Daten haben klare Grenzen
Die Untersuchung liefert starke Hinweise, aber keinen endgültigen Beweis für Ursache und Wirkung. Die Teilnehmer gaben ihre Ernährung über Fragebögen an. Auch die Blutdruckdiagnosen beruhten auf Selbstauskünften. Solche Angaben können ungenau sein. Außerdem bestand die Studiengruppe zu 96 Prozent aus nicht-hispanisch weißen Teilnehmern. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht automatisch auf alle Bevölkerungsgruppen übertragen.
Für den Alltag bleibt der Befund trotzdem klar genug formuliert. Ein gelegentliches Glas Saft macht aus Sicht der Daten noch kein Gesundheitsproblem. Große Mengen als täglicher Durstlöscher schneiden jedoch schlechter ab. Wasser bleibt die bessere Standardwahl. Und ganze Früchte passen besser zu dem, was Kinder langfristig für ihre Gesundheit brauchen.
Kurz zusammengefasst:
- Fruchtsaft für Kinder wirkt oft gesünder als Limo, war in der Langzeitstudie aber bei hohem Konsum mit einem später höheren Bluthochdruck-Risiko verbunden.
- Ganze Früchte schnitten besser ab als Saft, weil sie Ballaststoffe liefern, stärker sättigen und Zucker nicht so schnell in flüssiger Form zuführen.
- Der wichtigste Alltagsbefund lautet: Wasser bleibt der beste Durstlöscher, Obst ist günstiger als Saft, und große Saftmengen sollten nicht zur täglichen Gewohnheit werden.
Übrigens: Fruchtsaft kann nicht nur langfristig Herz und Blutdruck belasten, sondern schon kurzfristig das Immunsystem reizen. Eine Studie der Universität Wien zeigt, wie Fruchtzucker Abwehrzellen in Alarmbereitschaft versetzt. Mehr dazu in unserem Artikel.
