Homeoffice in Deutschland: Viele würden nur für mehr Geld verzichten

Homeoffice in Deutschland bleibt stark: Laut einer Studie würden viele Beschäftigte nur gegen deutlich mehr Gehalt darauf verzichten.

Viele Beschäftigte betrachten Homeoffice inzwischen wie einen Teil ihres Gehalts: Laut bidt-Studie würden Vielnutzer im Median 800 Euro netto mehr pro Monat verlangen, um ganz darauf zu verzichten. © European Union, 2026 via Wikimedia Commons unter CC BY 4.0

Viele Beschäftigte betrachten Homeoffice inzwischen wie einen Teil ihres Gehalts: Laut bidt-Studie würden Vielnutzer im Median 800 Euro netto mehr pro Monat verlangen, um ganz darauf zu verzichten. © European Union, 2026 via Wikimedia Commons unter CC BY 4.0

Freitagmorgen in Deutschland: Auf vielen Bürofluren bleibt es still, während zu Hause die ersten Videokonferenzen laufen. Der Laptop steht auf dem Küchentisch, der Arbeitsweg fällt weg, die Familie lässt sich leichter organisieren. Homeoffice ist für viele Beschäftigte längst kein Extra mehr, sondern ein fester Teil der Arbeitswoche – und immer häufiger auch eine Art zweites Gehalt. Eine neue Studie zeigt jetzt, wie viel Geld Beschäftigte verlangen würden, wenn sie auf Heimarbeit verzichten müssten.

Wie groß dieser Wandel inzwischen ist, zeigt die neue Studie „Homeoffice Anfang 2026“. Das Bayerische Forschungsinstitut für Digitale Transformation, kurz bidt, befragte dafür 2106 internetnutzende Erwerbstätige ab 18 Jahren. Die Umfrage lief vom 23. Februar bis zum 9. März 2026. Das Ergebnis: 45 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten zumindest gelegentlich von zu Hause. 28 Prozent tun das sogar mehrmals pro Woche.

Homeoffice in Deutschland wird klar zum Geldfaktor

Am stärksten fällt der finanzielle Wert der Heimarbeit auf. 44 Prozent der Homeoffice-Nutzer würden gegen mehr Gehalt vollständig darauf verzichten. Genauso viele lehnen einen kompletten Verzicht gegen Geld ab. Wer grundsätzlich verzichten würde, erwartet im Median 500 Euro netto zusätzlich pro Monat.

Bei häufiger Nutzung steigt die Summe deutlich. Beschäftigte, die mehrmals pro Woche zu Hause arbeiten, fordern im Median 800 Euro netto mehr pro Monat. Bei seltener Nutzung liegt der Betrag bei 350 Euro. Je stärker Homeoffice zum Alltag gehört, desto teurer wäre sein Wegfall aus Sicht der Beschäftigten.

Viele würden für mehr Heimarbeit sogar Geld abgeben

Die Forscher fragten auch nach der Gegenrichtung. 35 Prozent der Erwerbstätigen mit mehr Homeoffice-Potenzial als vereinbart würden für einen zusätzlichen Tag zu Hause auf Gehalt verzichten. Im Median läge dieser Verzicht bei 100 Euro netto pro Monat. Viele Beschäftigte rechnen Homeoffice also längst wie einen geldwerten Vorteil ein.

Die Gründe wirken nachvollziehbar: Homeoffice spart Wege, schafft mehr Ruhe und erleichtert Planung. Unter den Homeoffice-Nutzern stehen diese Vorteile weit oben:

  • 84 Prozent schätzen flexiblere Arbeitszeiten.
  • 84 Prozent sehen die Zeitersparnis als Vorteil.
  • 83 Prozent profitieren bei Beruf und Privatleben.
  • 79 Prozent organisieren sich zu Hause besser.
  • 76 Prozent arbeiten dort konzentrierter und produktiver.

Freitag als beliebtester Wochentag für Homeoffice in Deutschland

Der Freitag hat sich als beliebtester Heimarbeitstag etabliert. 19 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten an diesem Wochentag gewöhnlich ganz oder teilweise von zu Hause. Am Dienstag sind es nur 12 Prozent. Bei 15 Prozent wechseln die Tage. Viele Firmen kennen deshalb das Muster einer vollen Wochenmitte und deutlich ruhigeren Fluren vor dem Wochenende.

Auch die Selbsteinschätzung zur Leistung fällt klar aus. 54 Prozent der Homeoffice-Nutzer halten ihre Produktivität zu Hause für höher als im Unternehmen. Wer häufig von daheim arbeitet, sagt das noch öfter. In dieser Gruppe liegt der Anteil bei 62 Prozent. Bei seltener Nutzung sind es 46 Prozent.

Lange Arbeitswege machen Heimarbeit noch attraktiver

Der Weg zur Arbeit verändert die Bewertung. Bei einer Pendelzeit unter 60 Minuten empfinden 48 Prozent ihre Produktivität im Homeoffice als höher. Ab 60 Minuten steigt der Anteil auf 57 Prozent. Wer täglich lange unterwegs wäre, gewinnt durch Heimarbeit also mehr als nur ein paar Minuten.

Trotzdem ersetzt Homeoffice das Büro nicht bei jeder Aufgabe. Viele Beschäftigte sehen weiter klare Vorteile im Unternehmen. 73 Prozent halten die bessere Zusammenarbeit mit Kollegen für wichtig. 70 Prozent verweisen auf die Ausstattung am Arbeitsplatz. 67 Prozent mögen einen klarer strukturierten Arbeitstag. 66 Prozent nennen die Trennung von Beruf und Privatleben.

Büros müssen im Alltag mehr bieten

Wer Beschäftigte häufiger ins Büro holen will, muss den Weg dorthin besser begründen. Mehr Präsenz entsteht nicht allein durch Appelle oder neue Anwesenheitsregeln. Beschäftigte reagieren eher auf konkrete Verbesserungen. 77 Prozent wünschen sich gut ausgestattete Arbeitsplätze. Jeweils 73 Prozent halten flexiblere Arbeitszeiten und gut ausgestattete Büroräume für wichtig.

Auch Geld und Fahrtkosten zählen. 72 Prozent sehen finanzielle Anreize als Grund für mehr Büroarbeit. 71 Prozent halten Unterstützung bei Fahrtkosten für attraktiv. Dazu kommen soziale Gründe. 70 Prozent wünschen, dass Kollegen oder Vorgesetzte ebenfalls vor Ort sind. Sonst verliert der Weg ins Büro schnell seinen Sinn.

Deutschland liegt international weit vorn

Im Vergleich mit acht weiteren Ländern liegt Deutschland beim Homeoffice im oberen Mittelfeld. In den vergangenen vier Arbeitswochen nutzten 47 Prozent der Erwerbstätigen Homeoffice. Höhere Werte erreichten nur die USA mit 56 Prozent, Großbritannien mit 53 Prozent und Finnland mit 51 Prozent.

Beim Anteil an der gesamten Arbeitszeit kommt Deutschland auf 22 Prozent. Auch hier liegen nur die USA, Großbritannien und Finnland davor. Im Fazit der bidt-Studie heißt es: „Die Homeoffice-Nutzung scheint sich damit auf gegenwärtigem Niveau eingependelt und fest in der Arbeitswelt etabliert zu haben.“ Roland A. Stürz vom bidt resümiert: „Trotz der Rückkehr zu mehr Präsenzarbeit in manchen Unternehmen hat sich Homeoffice als fester Bestandteil des Berufsalltags etabliert.“

Kurz zusammengefasst:

  • Homeoffice in Deutschland ist fest im Arbeitsalltag angekommen: Laut bidt arbeiten Anfang 2026 45 Prozent der internetnutzenden Erwerbstätigen zumindest gelegentlich von zu Hause, 28 Prozent sogar mehrmals pro Woche.
  • Für viele Beschäftigte hat Homeoffice einen messbaren Geldwert: Wer vollständig darauf verzichten würde, erwartet im Median 500 Euro netto mehr pro Monat, Vielnutzer sogar 800 Euro.
  • Beschäftigte sparen Pendelzeit, arbeiten oft konzentrierter und verbinden Beruf und Privatleben leichter, während das Büro vor allem für Austausch, Struktur und gute Ausstattung wichtig bleibt.

Übrigens: Homeoffice kann die Leistung deutlich steigern, doch zu viel Heimarbeit bremst den Austausch im Team und damit langfristig auch die Produktivität. Die beste Lösung liegt offenbar nicht im Entweder-oder, sondern in einer klugen Mischung aus ruhiger Arbeit zu Hause und Präsenz im Büro. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © European Union, 2026 via Wikimedia unter CC BY 4.0

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