Demenz vorbeugen ab 50: Diese 3 Risikofaktoren kosten bis zu 12 gesunde Jahre
Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen verkürzen laut einer Langzeitstudie die demenzfreie Lebenszeit um bis zu 12,6 Jahre.
Gesunde Gefäße zahlen sich langfristig aus: Wer Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen in der Lebensmitte vermeidet, kann im Schnitt viele zusätzliche Jahre ohne Demenz verbringen. © Pexels
Wer Demenz vorbeugen will, sollte nicht erst im hohen Alter an die Gesundheit des Gehirns denken. Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen belasten über Jahre die Gefäße und können offenbar auch beeinflussen, wie lange Menschen später ohne Demenz leben. Das teilt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) mit. Sie beruft sich auf eine neue Auswertung der großen US-Langzeitstudie ARIC, die zu einem auffälligen Ergebnis kommt: Menschen ohne diese drei Risikofaktoren verbrachten ab dem Alter von 55 Jahren im Schnitt 30,1 weitere Jahre lebend und ohne Demenz. Mit allen drei Belastungen waren es nur 17,5 Jahre.
Für die Untersuchung werteten Jiaqi Hu und Kollegen Daten von 12.409 Frauen und Männern aus vier Regionen der USA aus. Die Studie erschien im Fachjournal Neurology. Zu Beginn waren die Teilnehmer im Mittel 56,2 Jahre alt und frei von Demenz. Über einen Zeitraum von im Median 26,3 Jahren entwickelten 3.008 Menschen eine Demenz. Weitere 5.238 starben, ohne zuvor eine Demenzdiagnose erhalten zu haben. Die Forscher erfassten Bluthochdruck, Diabetes und aktuellen Tabakkonsum in der Lebensmitte und verglichen anschließend, wie viele Jahre die einzelnen Gruppen ohne Demenz lebten.
Wer Demenz vorbeugen will, sollte Gefäßrisiken früh begrenzen
Der Unterschied wuchs mit jedem zusätzlichen Risikofaktor. Menschen ohne eine der drei Belastungen kamen im Mittel auf 30,1 demenzfreie Lebensjahre zwischen 55 und 95 Jahren. Bei einem Risikofaktor waren es noch 26,3 Jahre, bei zwei Risiken 21,0 Jahre und bei allen drei nur 17,5 Jahre. Zwischen der günstigsten und der ungünstigsten Gruppe lagen damit 12,6 Jahre.
Auch die statistische Gefährdungsrate für Demenz nahm stufenweise zu. Im Vergleich zu Menschen ohne die drei Belastungen lag sie bei einem Risikofaktor um 21 Prozent höher, bei zwei um 67 Prozent. Wer Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen zugleich aufwies, hatte eine 2,69-mal höhere Demenzgefahr. „Menschen ohne vaskuläre Risikofaktoren in der Lebensmitte hatten etwa 13 zusätzliche demenzfreie Lebensjahre gegenüber Menschen mit drei Risikofaktoren“, fassen die Autoren zusammen.
Drei Risiken verkürzen die demenzfreie Lebenszeit stark
Noch stärker fiel der Unterschied bei der Sterblichkeit aus. Menschen mit allen drei Gefäßrisiken hatten eine 5,61-mal höhere Gefährdungsrate, ohne vorherige Demenz zu sterben. Schon bis zum Alter von 75 Jahren waren 53 Prozent dieser Gruppe verstorben, ohne zuvor eine Demenzdiagnose erhalten zu haben. Unter den Menschen ohne die drei Risikofaktoren traf das nur auf zehn Prozent zu.
Dadurch entsteht bei sehr hohen Altersstufen ein zunächst widersprüchlicher Befund. Mit 75 Jahren hatten etwa zehn Prozent der Teilnehmer mit allen drei Risikofaktoren eine Demenz entwickelt, gegenüber rund drei Prozent in der unbelasteten Gruppe. Mit 95 Jahren lag die kumulative Demenzhäufigkeit dagegen bei 23 Prozent in der Hochrisikogruppe und bei 42 Prozent unter Menschen ohne die drei Belastungen. Der Unterschied erklärt sich vor allem dadurch, dass deutlich weniger Menschen aus der Hochrisikogruppe überhaupt ein so hohes Alter erreichten.
Demenz vorbeugen heißt auch, länger geistig gesund zu bleiben
Mit 85 Jahren waren von den ursprünglich 176 Teilnehmern mit allen drei Risikofaktoren nur noch 13 Menschen am Leben und frei von Demenz. Das entsprach sieben Prozent. Unter den 5.271 Teilnehmern ohne Bluthochdruck, Diabetes und aktuellen Tabakkonsum waren es noch 1.839 Menschen oder 35 Prozent.
Auch zwischen einzelnen Gruppen gab es Unterschiede. Frauen verbrachten über alle Risikostufen hinweg mehr Jahre ohne Demenz als Männer. Bei allen drei Risikofaktoren waren es im Mittel 18,1 Jahre bei Frauen und 16,6 Jahre bei Männern. Träger der Alzheimer-Risikovariante APOE-ε4 kamen ebenfalls auf weniger demenzfreie Lebenszeit. Der Zusammenhang zwischen Gefäßbelastung und kürzerem Leben ohne Demenz blieb jedoch auch bei unterschiedlicher genetischer Veranlagung bestehen.
Die 12,6 Jahre sind ein statistischer Durchschnitt
Die Ergebnisse lassen sich nicht direkt auf einzelne Menschen übertragen. Die Untersuchung war eine Beobachtungsstudie und kann deshalb keinen sicheren Ursache-Wirkungs-Zusammenhang belegen. Außerdem wurden Bluthochdruck, Diabetes und Rauchverhalten nur zu einem Zeitpunkt in der Lebensmitte erfasst. Spätere Veränderungen, etwa ein Rauchstopp oder besser eingestellter Blutdruck, flossen nicht vollständig in die Berechnungen ein.
Hinzu kommt, dass nur 176 Teilnehmer alle drei Risikofaktoren aufwiesen. Die Schätzungen für diese Gruppe sind daher weniger präzise als für die deutlich größeren Vergleichsgruppen. Die Forscher halten die Richtung des Zusammenhangs dennoch für biologisch plausibel. Bluthochdruck und Diabetes können Gefäße im Gehirn schädigen und Entzündungsprozesse fördern, Rauchen erhöht oxidativen Stress.
Solche Belastungen begünstigen Arteriosklerose und Schlaganfälle und können langfristig auch Prozesse fördern, die bei Alzheimer eine Rolle spielen. „Die Ergebnisse zeigen die Bedeutung, vaskuläre Risikofaktoren bereits bis zur Lebensmitte möglichst zu verhindern“, resümieren die Autoren.
Kurz zusammengefasst:
- Wer in der Lebensmitte weder Bluthochdruck noch Diabetes hat und nicht raucht, lebt laut ARIC-Langzeitstudie im Schnitt rund 12,6 Jahre länger ohne Demenz als Menschen mit allen drei Risikofaktoren.
- Mit jedem zusätzlichen Gefäßrisiko nahm die demenzfreie Lebenszeit ab – bei drei Risikofaktoren war auch die Gefährdungsrate für Demenz deutlich erhöht.
- Die Untersuchung belegt einen Zusammenhang, aber keine sichere Ursache: Gefäßgesundheit in der Lebensmitte steht dennoch klar mit mehr demenzfreien Lebensjahren im Alter in Verbindung.
Übrigens: Neben gesunden Gefäßen könnte auch helles Tageslicht mit einem geringeren Demenzrisiko zusammenhängen – in einer großen Studie fielen schon rund 42 Minuten sehr helles Licht pro Tag auf. Mehr dazu in unserem Artikel.
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