NASA entdeckt neuen Krater auf dem Mond – Einschlag kommt nur alle 132 Jahre vor

Ein 222 Meter breiter Mondkrater entstand 2024 durch einen seltenen Einschlag, der statistisch nur etwa alle 132 Jahre vorkommt.

Der McGetchin-Krater im Vergleich: Der helle Fleck zeigt ausgeworfenes Material des Einschlags von 2024. Der Krater selbst ist 222 Meter breit.

Der McGetchin-Krater im Vergleich: Der helle Fleck zeigt ausgeworfenes Material des Einschlags von 2024. Der Krater selbst ist 222 Meter breit. © NASA Goddard/Intuitive Machines/Robert Wagner

Irgendwann zwischen dem 11. April und dem 22. Mai 2024 geschah auf dem Mond etwas Außergewöhnliches. Ein Asteroid oder Komet, möglicherweise so groß wie ein drei- bis sechsstöckiges Gebäude, raste auf die Oberfläche zu und schlug ein. Niemand bemerkte den Einschlag. Erst rund anderthalb Jahre später entdeckte ein NASA-Wissenschaftler seine Spuren.

Zurück blieb ein gewaltiger Krater: 222 Meter breit und rund 43 Meter tief. Nach Berechnungen der Wissenschaftler ereignet sich ein Einschlag dieser Größenordnung auf dem Mond statistisch nur ungefähr alle 132 Jahre. Der inzwischen McGetchin genannte Krater ist zugleich der größte neu entstandene Einschlagskrater, den Forscher bislang im Sonnensystem gefunden haben.

Die Größe, Entstehungszeit und Seltenheit des Kraters beschreibt ein Team um Mark Robinson in der Studie „A New 222-m Diameter Lunar Crater“, die im Fachjournal Science Advances erschienen ist. Eine zweite, parallel veröffentlichte Studie untersucht, wie weit der Einschlag den Mondboden über den eigentlichen Krater hinaus verändert hat.

Neuer Krater auf dem Mond fiel durch einen hellen Fleck auf

Entdeckt wurde McGetchin eher zufällig. Robert Wagner arbeitet mit Aufnahmen der Kameras an Bord des NASA-Satelliten Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO). Am 24. Oktober 2025 kontrollierte er große Karten der Mondoberfläche und verglich Aufnahmen aus unterschiedlichen Jahren.

Dabei fiel ihm ein ungewöhnlich heller Fleck mit einem dunklen Bereich rundherum auf. Wagner unterbrach seine eigentliche Arbeit und begann, ältere Bilder mit neueren Aufnahmen zu vergleichen. Schnell wurde klar: An dieser Stelle hatte sich die Mondoberfläche grundlegend verändert. Die NASA konnte den Einschlag schließlich auf einen Zeitraum von nur wenigen Wochen im Frühjahr 2024 eingrenzen.

Der Mond ist ständig Einschlägen ausgesetzt. Weil ihm eine dichte Atmosphäre fehlt, werden heranrasende Gesteinsbrocken nicht wie auf der Erde abgebremst oder verglühen. Die meisten Einschläge sind allerdings erheblich kleiner.

Der Lunar Reconnaissance Orbiter hat während seiner Mission bereits mindestens 1.000 neue Krater identifiziert. Rund 140 Krater mit mindestens etwa neun Metern Durchmesser dürften pro Jahr entstehen. McGetchin spielt jedoch in einer völlig anderen Größenordnung.

Die wichtigsten Daten des neuen Kraters:

  • Durchmesser: rund 222 Meter
  • Tiefe: rund 43 Meter
  • Entstehung: zwischen 11. April und 22. Mai 2024
  • Verursacher: vermutlich Asteroid oder Komet
  • Häufigkeit: nach aktuellen Einschlagsmodellen etwa einmal in 132 Jahren

Zweite Studie zeigt Folgen weit über den Krater hinaus

Wie stark der Einschlag seine Umgebung verändert hat, untersuchte ein zweites Forscherteam um Tyler Powell. Die ebenfalls in Science Advances veröffentlichte Studie wertet unter anderem Temperaturmessungen des LRO-Instruments Diviner aus.

Dabei zeigte sich rund um den McGetchin-Krater ein etwa sieben Kilometer breiter Bereich, der während der Mondnacht acht bis neun Kelvin kälter ist als seine Umgebung. Ursache ist der Regolith – die lockere Schicht aus Staub und Gesteinsmaterial auf der Mondoberfläche.

Durch die Wucht des Einschlags wurde dieser Boden aufgelockert und ist nun weniger dicht gepackt. Dadurch kann er Wärme schlechter speichern und kühlt nach Sonnenuntergang stärker ab.

Vor und nach dem Einschlag: Rund um den 2024 entstandenen McGetchin-Krater zeigt sich nachts ein etwa 6,4 Kilometer breiter Kältebereich. Der aufgelockerte Mondboden speichert dort weniger Wärme als seine Umgebung. © NASA Goddard/UCLA/JHU APL
© NASA Goddard/UCLA/JHU APL Vor und nach dem Einschlag: Rund um den 2024 entstandenen McGetchin-Krater zeigt sich nachts ein etwa 6,4 Kilometer breiter Kältebereich. Der aufgelockerte Mondboden speichert dort weniger Wärme als seine Umgebung. © NASA Goddard/UCLA/JHU APL

Besonders bemerkenswert: Die Veränderungen reichen weit über den eigentlichen Krater hinaus. Die zweite Studie zeigt damit, dass selbst ein lokal begrenzter Einschlag größere Flächen des Mondbodens physikalisch verändern kann.

Das ist auch für künftige Mondmissionen relevant. Rover, wissenschaftliche Geräte und mögliche dauerhafte Stationen müssen auf einem Untergrund arbeiten, dessen Festigkeit und thermische Eigenschaften durch Einschläge beeinflusst werden können. McGetchin bietet Wissenschaftlern dafür einen seltenen Ausgangspunkt: einen nahezu frischen Krater, dessen Entstehungszeit außergewöhnlich genau bekannt ist.

Kurz zusammengefasst:

  • Der McGetchin-Krater entstand 2024 durch den Einschlag eines Asteroiden oder Kometen und ist rund 222 Meter breit sowie etwa 43 Meter tief.
  • Ein Einschlag dieser Größenordnung kommt nach aktuellen Berechnungen auf dem Mond statistisch nur etwa alle 132 Jahre vor.
  • Der Einschlag veränderte den Mondboden weit über den Krater hinaus und erzeugte unter anderem einen mehrere Kilometer großen Bereich, der nachts deutlich stärker auskühlt.

Übrigens: Gewaltige Einschläge können den Mond nicht nur mit Kratern übersäen, sondern in wenigen Minuten ganze Landschaften formen. Wie zwei bis zu 280 Kilometer lange Mond-Canyons entstanden, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © NASA Goddard/Intuitive Machines/Robert Wagner

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