Klimawandel verschärft Wasserknappheit – bis 2100 könnten 67 Prozent der Menschheit betroffen sein

Wassermangel durch Klimawandel entsteht auch, wenn Wasser vorhanden, aber zu warm, zu salzig oder verschmutzt und damit nicht nutzbar ist.

Hier scheint genügend Wasser vorhanden, und doch kann Wassermangel herrschen. Denn künftig kann Wasser auch durch Hitze oder schlechte Qualität für Menschen, Landwirtschaft und Industrie unbrauchbar werden. © Pexels

Hier scheint genügend Wasser vorhanden, und doch kann Wassermangel herrschen. Denn künftig kann Wasser auch durch Hitze oder schlechte Qualität für Menschen, Landwirtschaft und Industrie unbrauchbar werden. © Pexels

Die Hitze, anhaltende Dürre, sinkende Pegel und die Sorge um Wasserknappheit prägen in Deutschland im Sommer 2026 die Debatte über den Klimawandel. Dabei richtet sich der Blick meist auf die Menge des verfügbaren Wassers. Doch Wasser kann auch zur Genüge vorhanden sein und trotzdem nicht ausreichen. Denn Wasser ist nicht gleich Wasser: Ist es zu warm, zu salzig oder zu stark belastet, wird es für bestimmte Zwecke unbrauchbar.

Ein Forschungsteam der Universität Utrecht hat diese Form der Knappheit weltweit untersucht. Die Berechnungen umfassen Haushalte, Landwirtschaft, Viehzucht, Industrie und Stromerzeugung. Dabei unterscheiden die Wissenschaftler zwischen fehlender Wassermenge und Wasser, dessen Qualität für eine bestimmte Nutzung nicht ausreicht. Bis 2100 könnten im untersuchten Szenario fast 67 Prozent der Weltbevölkerung mindestens zeitweise von schweren Engpässen bei geeignetem Wasser betroffen sein. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden im Fachmagazin Nature veröffentlicht.

Klimawandel verschärft Wassermangel für Industrie und Stromerzeugung

„Am Ende geht es nicht nur darum, wie viel Wasser verfügbar ist, sondern auch darum, ob es die richtige Qualität für die vorgesehene Nutzung hat“, erklärt Erstautor Gabriel Cárdenas Belleza. Das verändert den Blick auf Wasserknappheit erheblich. Ein Fluss kann zum Beispiel ausreichend Wasser führen. Steigt seine Temperatur jedoch, eignet sich das Wasser nicht zur Kühlung von Kraftwerken oder Industrieanlagen.

Industrie und Stromerzeugung reagieren besonders empfindlich auf diesen Effekt. Werden die jeweiligen Qualitätsanforderungen berücksichtigt, fallen ihre Wasserdefizite deutlich größer aus. In der Industrie wächst die Versorgungslücke dadurch im globalen Mittel um etwa zwölf Prozentpunkte, bei thermischen Kraftwerken sogar um rund 14 Prozentpunkte.

In Europa wird das Wasserproblem im Sommer akut

Für Europa ist dieser Zusammenhang besonders interessant. Die Wassernachfrage der privaten Haushalte könnte langfristig durch eine langsamere Bevölkerungsentwicklung sinken. Trotzdem verschwinden die Probleme damit nicht. In Westeuropa reicht die geringere Nachfrage im untersuchten Szenario nicht aus, um die wachsende Lücke beim nutzbaren Wasser auszugleichen.

Hinzu kommt ein ausgeprägter jahreszeitlicher Effekt. In wärmeren Monaten steigen die Defizite, weil gleichzeitig mehr Wasser benötigt wird und sich die Qualität verschlechtert. Neben höheren Temperaturen berücksichtigt das Modell auch Salzgehalt sowie organische und bakterielle Belastungen. Für Westeuropa wird die saisonale Schwankungsbreite der relativen Wasserlücke im Laufe des Jahrhunderts laut Berechnung zunehmen.

Die Karte zeigt, wie stark die Wasserknappheit bis 2100 zunehmen könnte, wenn neben der verfügbaren Menge auch die Wasserqualität berücksichtigt wird. Besonders in Afrika, dem Nahen Osten und Teilen Asiens drohen große Lücken bei nutzbarem Wasser. © Utrecht University / npj Clean Water
© Utrecht University / npj Clean Water Die Karte zeigt, wie stark die Wasserknappheit bis 2100 zunehmen könnte, wenn neben der verfügbaren Menge auch die Wasserqualität berücksichtigt wird. Besonders in Afrika, dem Nahen Osten und Teilen Asiens drohen große Lücken bei nutzbarem Wasser. © Utrecht University / npj Clean Water

Unterschiedliche Nutzer konkurrieren um knappes Gut

Die Knappheit trifft die einzelnen Nutzer nicht gleich. Haushalte benötigen Wasser mit anderen Eigenschaften als Fabriken oder Kraftwerke. Auch Bewässerung und Viehzucht haben eigene Anforderungen. Fällt eine Wasserquelle für einen Bereich wegen ihrer Qualität aus, können andere Nutzer unter Umständen weiterhin darauf zugreifen. Dadurch verschiebt sich die Konkurrenz um geeignete Ressourcen.

Besonders problematisch entwickelt sich die Lage in Teilen Afrikas und des Nahen Ostens. Für Subsahara-Afrika steigt der häusliche Wasserbedarf im verwendeten Szenario bis zum Jahrhundertende um 1225 Prozent. Der gesamte Mangel an geeignetem Wasser könnte dort um annähernd 2000 Prozent zunehmen. Als wesentlichen Treiber nennt die Arbeit das starke Bevölkerungswachstum.

Die Nutzbarkeit ist der entscheidende Faktor

Eine Region gilt in der Berechnung als schwer betroffen, wenn mindestens 30 Prozent des benötigten Wassers fehlen. Dazu kommt: Wer Wasserknappheit nur an der verfügbaren Menge misst, unterschätzt das Problem deutlich. Denn berücksichtigt man zusätzlich, ob das Wasser überhaupt für den jeweiligen Zweck nutzbar ist, gelten rund 1,7 Milliarden Menschen mehr als schwer betroffen – ein Plus von etwa 38 Prozent.

Die Berechnungen reichen von 2005 bis 2100 und kombinieren fünf globale Klimamodelle mit Daten zu Wasserangebot, Wasserqualität und Wasserverbrauch. Grundlage ist das sogenannte Szenario SSP3-RCP7.0. Es geht von starkem Bevölkerungswachstum, vergleichsweise hohen Emissionen, geringer internationaler Zusammenarbeit und begrenzter Anpassung aus.

Die Autoren weisen deshalb auch auf Unsicherheiten in ihren Berechnungen hin. Ihre Ergebnisse liegen eher am oberen Rand möglicher Entwicklungen. Dennoch bleibt der zugrunde liegende Mechanismus relevant: Mit steigenden Temperaturen und wachsendem Verbrauch kann Wasser seinen Nutzwert verlieren, lange bevor ein Flussbett tatsächlich austrocknet.

Kurz zusammengefasst:

  • Wasserknappheit bedeutet nicht unbedingt, dass Flüsse austrocknen – auch zu warmes oder verschmutztes Wasser kann für Haushalte, Landwirtschaft, Industrie oder Kraftwerke unbrauchbar sein.
  • Bis 2100 könnten unter dem untersuchten Szenario fast 67 Prozent der Weltbevölkerung zeitweise von schweren Engpässen bei geeignetem Wasser betroffen sein.
  • Wer bei Berechnungen die Wasserqualität ignoriert, unterschätzt das Problem deutlich: Bei einem Schwellenwert von 30 Prozent könnten rund 1,7 Milliarden Menschen zusätzlich als schwer betroffen gelten.

Übrigens: Wie die Wasserknappheit die Industrie bedroht, zeigt eine Studie aus Japan. Der Abbau wichtiger Rohstoffe wie Kupfer und Lithium könnte künftig ins Stocken geraten– mit möglichen Folgen für Elektroautos und Energietechnik. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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