Täglich zuckerhaltige Getränke – Magenkrebsrisiko mehr als doppelt so hoch

Mehr als ein zuckergesüßtes Getränk täglich war in einer Langzeitstudie mit einem 2,45-fach höheren Magenkrebsrisiko verbunden.

Süß, kalt, schnell getrunken: Wer täglich viele Softdrinks konsumierte, erkrankte in der US-Langzeitstudie häufiger an Magenkrebs.

Süß, kalt, schnell getrunken: Wer täglich viele Softdrinks konsumierte, erkrankte in der US-Langzeitstudie häufiger an Magenkrebs. © Pexels

Cola, Limonade oder Sportgetränke zählen zu den populärsten Getränken überhaupt. Umso auffälliger ist ein Befund aus zwei großen US-Langzeitstudien: Menschen, die mehr als ein zuckergesüßtes Getränk pro Tag konsumierten, erkrankten mehr als doppelt so häufig an Magenkrebs wie Menschen, die solche Getränke fast nie tranken. Bei Frauen fiel der Unterschied noch deutlicher aus: In der höchsten Konsumgruppe lag das Risiko etwa dreimal so hoch.

Für die Untersuchung wertete ein Team des Mass General Brigham Cancer Institute Daten von 112.284 Frauen und Männern aus. Ernährung, Lebensstil und Erkrankungen waren über Jahrzehnte erfasst worden. Im Beobachtungszeitraum erkrankten 278 Menschen an Magenkrebs.

Zuckerhaltige Getränke und Magenkrebs: Risiko lag 2,45-mal höher

Besonders deutlich fiel der Unterschied bei Menschen aus, die mindestens eine Portion eines zuckergesüßten Getränks pro Tag konsumierten. Ihr Risiko für Magenkrebs lag nach Berücksichtigung anderer möglicher Einflussfaktoren beim 2,45-Fachen der Vergleichsgruppe. Diese trank weniger als eine Portion pro Monat.

Als zuckergesüßte Getränke erfassten die Wissenschaftler unter anderem Softdrinks mit Kohlensäure, Fruchtpunsch, Limonade und Sportgetränke. Künstlich gesüßte Getränke wurden separat betrachtet. Für sie fanden die Forscher keinen statistisch belegten Zusammenhang mit einer höheren Magenkrebsrate.

Bei Frauen fiel der Unterschied besonders groß aus

Unter den Frauen zeigte sich ein noch stärkerer Zusammenhang. Teilnehmerinnen mit mehr als einem zuckergesüßten Getränk pro Tag hatten ein 3,04-fach höheres Risiko als Frauen, die solche Getränke nur sehr selten konsumierten. Auch bei Männern fanden die Wissenschaftler einen Zusammenhang.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • 112.284 Menschen gingen in die Auswertung ein.
  • 278 Teilnehmer erkrankten im Beobachtungszeitraum an Magenkrebs.
  • Täglicher hoher Konsum zuckergesüßter Getränke war mit einem 2,45-fach höheren Risiko verbunden.
  • Bei Frauen lag das Risiko in der höchsten Konsumgruppe beim 3,04-Fachen.
  • Künstlich gesüßte Getränke waren nicht mit einer höheren Magenkrebsrate verbunden.

Auch Fruktose fällt in der Auswertung auf

Die Forscher untersuchten zusätzlich die aufgenommene Menge an Fruktose. Sie ist einer der wichtigsten Zuckerbestandteile vieler gesüßter Getränke. Eine höhere gesamte Fruktoseaufnahme ging ebenfalls mit einer höheren Zahl von Magenkrebserkrankungen einher.

„Dies ist die erste Studie, die einen Zusammenhang zwischen dem Konsum zuckergesüßter Getränke und Magenkrebs in der US-Bevölkerung nachweist“, sagt der leitende Autor Andrew T. Chan vom Mass General Brigham Cancer Institute. Zugleich verweist er auf eine Forschungslücke: „Magenkrebs ist weltweit die fünfthäufigste Krebstodesursache, aber wir wissen bisher nur sehr wenig darüber, welchen Beitrag die Ernährung zu dieser Krebsart leisten könnte.“

Helicobacter pylori erklärt den Zusammenhang nicht

Eine bekannte Ursache für Magenkrebs ist eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori. Deshalb prüfte das Team bei einer Untergruppe von 940 Menschen, ob der Konsum zuckerhaltiger Getränke mit solchen Infektionen zusammenhing. Etwas mehr als ein Drittel der untersuchten Teilnehmer wies Hinweise auf das Bakterium auf.

Ein Zusammenhang zwischen dem Konsum zuckergesüßter Getränke und einer Helicobacter-pylori-Infektion ließ sich jedoch nicht feststellen. Damit lässt sich der beobachtete Unterschied beim Magenkrebsrisiko zumindest anhand dieser Daten nicht durch häufiger auftretende Infektionen erklären.

Warum zuckerhaltige Getränke eine Rolle spielen könnten

Welche biologischen Vorgänge hinter dem Zusammenhang stehen, bleibt bislang offen. Die Forscher wollen deshalb weitere Untersuchungen durchführen. Sie sollen sowohl die Ergebnisse bestätigen als auch mögliche Mechanismen klären.

Auch die aktuelle Untersuchung kann nicht belegen, dass zuckerhaltige Getränke Magenkrebs verursachen. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Menschen mit hohem Softdrinkkonsum können sich auch in anderen Punkten von Menschen unterscheiden, die solche Getränke selten konsumieren. Zwar berücksichtigten die Wissenschaftler zahlreiche Gesundheits- und Lebensstilfaktoren, unbekannte Einflüsse lassen sich dennoch nicht vollständig ausschließen.

Andere Faktoren könnten das Magenkrebsrisiko mit beeinflussen

Hinzu kommen Lücken bei mehreren bekannten Risikofaktoren. Angaben zu Helicobacter pylori lagen nur für einen kleinen Teil der Teilnehmer vor. Auch Informationen über familiäre Magenkrebserkrankungen waren begrenzt.

Die untersuchte Gruppe bestand zudem überwiegend aus weißen US-Amerikanern. Ob sich die Ergebnisse auf andere Bevölkerungsgruppen übertragen lassen, bleibt deshalb offen. Die große Teilnehmerzahl und die über viele Jahre regelmäßig erhobenen Daten erlaubten den Wissenschaftlern allerdings, zahlreiche andere mögliche Einflussfaktoren statistisch zu berücksichtigen.

Kurz zusammengefasst:

  • Mehr als ein zuckergesüßtes Getränk pro Tag war in der Langzeitstudie mit einem 2,45-fach höheren Magenkrebsrisiko verbunden.
  • Bei künstlich gesüßten Getränken fanden die Forscher keinen vergleichbaren Zusammenhang mit Magenkrebs.
  • Die Untersuchung war beobachtend und belegt daher keine Ursache; insgesamt wurden 112.284 Menschen ausgewertet, 278 erkrankten an Magenkrebs.

Übrigens: Zuckerhaltige Getränke stehen nicht nur beim Magenkrebs im Verdacht, sondern wurden auch mit mehreren Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht. Warum flüssiger Zucker dabei besonders auffällt und Süßigkeiten anders abschneiden, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild © Pexels

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