Saudi-Arabien kämpft gegen Wasserknappheit – die Lösung fließt täglich ungenutzt in den Abfluss

Saudi-Arabien geht das Wasser aus. Eine Studie zeigt, wie behandeltes Abwasser erschöpfte Grundwasserleiter stützen kann.

Saudi-Arabien kämpft mit Wasserknappheit. Eine Studie zeigt, wie behandeltes Abwasser erschöpfte Grundwasserleiter stützen kann.

Saudi-Arabien hat ein wachsendes Versorgungsproblem: Aufbereitetes Abwasser könnte rund 60 Prozent des städtischen Trinkwasserbedarfs decken. © Wikimedia

Saudi-Arabien investiert Milliarden in Entsalzungsanlagen, neue Städte und moderne Infrastruktur. Trotzdem bleibt ein Grundproblem bestehen: Das wichtigste Wasserreservoir des Landes liegt tief unter der Erde – und es schrumpft. Ein großer Teil des Trink- und Bewässerungswassers stammt noch immer aus diesen Grundwasser-Reserven, die sich kaum neu bilden. Was entnommen wird, fehlt oft dauerhaft. Die Wasserknappheit in Saudi-Arabien betrifft nicht nur Landwirtschaft und Industrie, sie entscheidet auch darüber, wie sicher Städte künftig versorgt werden können.

Mehr als zwei Drittel des Bewässerungswassers kommen aus diesen unterirdischen Vorräten. Beim Trinkwasser ist es rund ein Drittel. Viele davon gelten als fossile Aquifere, also als sehr alte Wasserspeicher, die sich praktisch nicht mehr erneuern. Jede zusätzliche Entnahme verschärft den Druck auf diese Reserven.

Parallel dazu entstehen jedes Jahr enorme Mengen behandeltes Abwasser. Laut Mohammed Benaafi von der King Fahd University of Petroleum and Minerals bleiben rund 1,6 Milliarden Kubikmeter davon weitgehend ungenutzt. Das entspricht etwa 60 Prozent des jährlichen städtischen Trinkwasserbedarfs Saudi-Arabiens. Benaafi nennt dieses Wasser deshalb ein „strategisches Gut“, das sich zur Wiederauffüllung von Grundwasserleitern nutzen lasse. Die Studie dazu wurde bei der Generalversammlung der European Geosciences Union 2026 in Wien vorgestellt.

Wasserknappheit in Saudi-Arabien macht Abwasser plötzlich wertvoll

Die Idee klingt zunächst schlicht: Statt behandeltes Abwasser ungenutzt abzuleiten, soll es gezielt zurück in erschöpfte Grundwasserleiter gelangen. Fachleute nennen das „Managed Aquifer Recharge“, also kontrollierte Grundwasserneubildung. In einer der wasserärmsten Regionen der Welt könnte das helfen, die Versorgung langfristig zu stabilisieren.

Das Team testete in zwölf Experimenten, wie sich behandeltes Abwasser auf einen sandigen Küstenaquifer im Osten Saudi-Arabiens auswirkt. Dabei verglichen die Forscher niedrige, mittlere und hohe Einleitungsraten. Zusätzlich prüften die Forscher zwei Wasserqualitäten:

  • sekundär behandeltes Abwasser
  • tertiär behandeltes Abwasser

Die Forscher prüften drei Fragen: Verstopfen die Poren im Untergrund? Fließt das Wasser weiter zuverlässig? Und verändert sich die Qualität des Grundwassers?

Schnelleres Einleiten verschlechtert die Lage

Grundwasser lässt sich nicht beliebig schnell auffüllen. Bei hohen Einleitungsraten können die Poren im Untergrund dicht machen. Fachleute sprechen von „Clogging“. Dann fließt das Wasser schlechter, und der Aquifer verliert Leistung.

Besonders deutlich zeigte sich das bei weniger stark gereinigtem Wasser. Sekundär behandeltes Abwasser verursachte deutlich schneller Probleme.

Am besten funktionierte tertiär behandeltes Abwasser bei niedriger Einleitungsrate. Diese Kombination hielt die Wasserqualität stabil und belastete die Struktur des Aquifers kaum. Der Untergrund blieb durchlässig, das System arbeitete deutlich zuverlässiger.

Laut den Forschern eignet sich das tertiär behandelte Wasser aus Ost-Saudi-Arabien grundsätzlich gut für die Grundwasserneubildung. Zusätzliche Vorbehandlung braucht es nur begrenzt, etwa zur Entfernung von:

  • Nährstoffen
  • bestimmten Ionen
  • Mikroplastik
  • weiteren neueren Schadstoffen

Das ist wichtig, weil dadurch keine völlig neue Technik nötig wäre. Vieles davon existiert bereits.

Bis zu 30 Prozent weniger Grundwasser könnten nötig sein

Besonders relevant ist die mögliche Entlastung für die Versorgung des Landes. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass sich die Entnahme nicht erneuerbarer Grundwasserreserven in Ost-Saudi-Arabien um bis zu 30 Prozent senken ließe. Das hätte direkte Folgen: Weniger Wasser müsste aus tiefen fossilen Aquiferen gepumpt werden. Der Druck auf diese Reserven würde sinken. Städte und Landwirtschaft könnten langfristig stabiler planen.

Auch wirtschaftlich ist das interessant. Meerwasserentsalzung bleibt teuer und braucht viel Energie. Bereits vorhandenes Wasser erneut zu nutzen, ist oft deutlich effizienter. In trockenen Regionen zählt deshalb nicht nur neues Wasser, sondern vor allem der bessere Umgang mit dem vorhandenen. Laut Benaafi bietet die kontrollierte Wiederauffüllung von Grundwasser mit behandeltem Abwasser „eine nachhaltige Lösung, um den Druck auf nicht erneuerbare Wasserreserven zu senken und die Erschöpfung der Aquifere zu verringern“.

Kurz zusammengefasst:

  • Saudi-Arabien leidet unter großer Wasserknappheit, weil mehr als zwei Drittel des Bewässerungswassers und ein Drittel des Trinkwassers aus Grundwasser stammen, das sich kaum neu bildet. Gleichzeitig bleiben jedes Jahr 1,6 Milliarden Kubikmeter aufbereitetes Abwasser ungenutzt – das entspricht rund 60 Prozent des städtischen Trinkwasserbedarfs.
  • Dieses behandelte Abwasser kann gezielt zur Wiederauffüllung erschöpfter Aquifere genutzt werden. Am besten funktioniert tertiär behandeltes Wasser, das langsam in den Untergrund geleitet wird, weil so Verstopfungen vermieden und die Wasserqualität stabil bleibt.
  • Durch diese Form der kontrollierten Grundwasserneubildung könnte Saudi-Arabien seine Entnahme nicht erneuerbarer Grundwasserreserven um bis zu 30 Prozent senken. Das entlastet fossile Aquifere, verbessert die Versorgungssicherheit und macht aus Abwasser eine wertvolle strategische Reserve.

Übrigens: Nicht nur die Wassermenge wird weltweit zum Problem, sondern auch die Qualität. Ein neuer Schnelltest mit Smartphone und Teststreifen soll belastetes Wasser in weniger als einer Minute erkennen. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Ashashyou via Wikimedia unter CC BY-SA 3.0

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