Zu viel Sport stresst den Darm – und kann stille Entzündungen im Körper auslösen

Durch Sport ohne Regeneration riskiert man stille Entzündungen im Darm und ein erhöhtes Risiko für Allergien und Autoimmunerkrankungen.

Zu viel Sport kann stille Entzündung im Darm auslösen

Wer oft trainiert, sollte genauer hinschauen, wenn trotz Regeneration die Energie fehlt, die Verdauung aus dem Takt gerät oder Infekte sich häufen. © Pexels

Wer regelmäßig trainiert, möchte gesund bleiben, seine Ausdauer verbessern oder die Muskulatur stärken. Doch genau diese Belastung kann im Körper Prozesse auslösen, die unbemerkt schaden. Die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) warnt: Intensive körperliche Aktivität kann oxidativen Stress fördern und damit stille Entzündungen begünstigen.

Wenn Training den Körper überfordert und der Darm empfindlich reagiert

Eine zentrale Rolle spielt der Darm. Ist die Schleimhaut geschwächt oder die Mikroflora gestört, gelangen bestimmte Nahrungsbestandteile leichter ins Gewebe. Das Immunsystem reagiert gereizt. Diese „stillen Entzündungen“ verlaufen lange symptomlos. Präventionsmediziner Prof. Dr. Werner Seebauer erklärt:

Im Sport entsteht durch den hohen Sauerstoffumsatz vermehrt oxidativer Stress. Wenn der Körper das nicht kompensiert, kann es zu stillen Entzündungen kommen, etwa in der Darmschleimhaut oder an den Gefäßwänden.

Der Organismus bleibt im Dauerlauf – ohne echte Regeneration

Viele Betroffene fühlen sich dauerhaft erschöpft, obwohl sie sich eigentlich gesund ernähren und viel bewegen. Allergien, Unverträglichkeiten und Autoimmunerkrankungen treten dann häufiger auf. Gleichzeitig kann der Körper wichtige Nährstoffe wie Vitamine, Flavonoide oder essenzielle Fettsäuren schlechter verwerten.

Epidemiologische Studien zeigen in Verbindung mit der gestörten Darmflora eine höhere Prävalenz von Allergien und auch Autoimmunerkrankungen. Einige ursächlich beteiligte Faktoren diesbezüglich sind gut erforscht.

Prof. Dr. Seebauer

Gerade bei Sporttreibenden fällt das schnell auf. Die Energie fehlt, Muskeln bauen schlechter auf, die Regeneration dauert länger. „Eine geschädigte Darmschleimhaut behindert die Aufnahme wichtiger Mikronährstoffe“, so Seebauer. Dabei braucht der Körper genau diese Stoffe, um sich vor freien Radikalen zu schützen.

Ernährung als Schutzschild

Wer seine Darmflora stabil hält, kann gegensteuern. Eine ausgewogene Ernährung ist dabei entscheidend – nicht nur im Leistungssport. Ballaststoffe und Fermentiertes spielen eine Schlüsselrolle, weil sie das Wachstum guter Bakterien fördern. Es gehe dabei nicht nur um einzelne Produkte oder Nahrungsergänzung. Vielmehr müsse man den Körper als Ganzes betrachten, so der Mediziner. Wer nur an einer Stellschraube dreht, wird kaum dauerhaft Erfolg haben. Gesundheit, Immunabwehr und Leistungsfähigkeit hängen eng zusammen.

Ohne hohe Kosten oder aufwendige Maßnahmen lässt sich der Verdauungstrakt unterstützen:

  • Ballaststoffe erhöhen: Täglich zwei Portionen Gemüse, eine Portion Hülsenfrüchte und Vollkornbrot versorgen die Darmbakterien
  • Fermentiertes integrieren: Eine kleine Portion Sauerkraut oder ein Glas Kefir pro Tag kann genügen
  • Zucker reduzieren: Stark verarbeitete Produkte stören die Mikroflora
  • Regelmäßig regenerieren: Mindestens ein sportfreier Tag pro Woche hilft dem Immunsystem
  • Stress abbauen: Auch seelische Belastung kann die Darmschleimhaut schwächen – hier helfen Schlaf, Atemübungen oder Spaziergänge
Für klassisches Sauerkraut braucht es nur drei Dinge: Weißkohl, Salz und etwas Geduld. Dabei bleiben viele Vitamine erhalten, vor allem Vitamin C und K. Die enthaltenen Milchsäurebakterien unterstützen die Verdauung, stärken die Darmflora und können das Immunsystem positiv beeinflussen. © Unsplash
Für klassisches Sauerkraut braucht es nur drei Dinge: Weißkohl, Salz und etwas Geduld. Dabei bleiben viele Vitamine erhalten, vor allem Vitamin C und K. Die enthaltenen Milchsäurebakterien unterstützen die Verdauung, stärken die Darmflora und können das Immunsystem positiv beeinflussen. © Unsplash

Viel hilft nicht immer viel – sorgsam mit dem Körper umgehen

Mehr Training bedeutet nicht automatisch mehr Gesundheit. Wer den Körper dauerhaft überfordert, riskiert das Gegenteil. Ohne ausreichende Regeneration kann Sport stillen Entzündungen sogar Vorschub leisten.

Die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Sport und Gesundheit werden oft unterschätzt. Der Darm beeinflusst, wie gut Muskeln wachsen, wie schnell sich der Körper erholt und wie stark er auf Belastung reagiert. Deshalb plädiert Seebauer für gezielte Prävention, nicht erst, wenn Beschwerden auftreten.

Wer bewusst isst, gezielt regeneriert und den Körper ganzheitlich betrachtet, kann viel erreichen – langfristig im Alltag und im Sport.

Kurz zusammengefasst:

  • Intensive sportliche Belastung kann stille Entzündungen im Körper befeuern, vor allem durch oxidativen Stress und eine geschwächte Darmschleimhaut.
  • Eine gestörte Darmflora beeinträchtigt die Nährstoffaufnahme und kann Allergien, Autoimmunreaktionen und Leistungseinbußen begünstigen.
  • Entscheidend zur Vorbeugung sind eine ballaststoffreiche Ernährung, fermentierte Lebensmittel, ausreichende Regeneration und ein ganzheitlicher Blick auf den Körper.

Übrigens: Nicht nur intensive Trainingsreize können die Darmflora aus dem Gleichgewicht bringen – auch winzige Plastikpartikel aus der Umwelt greifen in sensible Abläufe unseres Verdauungsorgans ein. Eine neue Studie zeigt, wie Nanoplastik die Darmbarriere durchlässiger macht und sogar die Kommunikation zwischen Bakterien stört – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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