Intervallfasten kennt jeder vom Abnehmen – doch es wirkt auch auf unser Gehirn
Ein kürzeres Essensfenster könnte älteren Frauen helfen, bestimmte Denkfähigkeiten länger zu bewahren – erste Daten liefern Hinweise.
Ein Essensfenster von acht bis neun Stunden könnte bei älteren Frauen bestimmte geistige Fähigkeiten länger erhalten. © Pexels
Was passiert eigentlich im Kopf, wenn der Körper jeden Tag länger auf Nahrung verzichtet? Wer seine Mahlzeiten auf ein Zeitfenster von acht bis neun Stunden begrenzt, könnte damit mehr beeinflussen als nur das Körpergewicht. Erste Daten deuten darauf hin, dass ältere Frauen mittels Intervallfasten Demenz-relevante Fähigkeiten wie Gedächtnis, Lernen, räumliche Planung und Problemlösen verbessern könnten.
Hinweise darauf liefert ein kleiner klinischer Versuch, über den die American Society for Nutrition auf ihrer Jahrestagung berichtet. Im Vergleich zu einem üblichen Essensfenster von rund zwölf Stunden schnitten Frauen mit einer kürzeren Essensphase bei einzelnen kognitiven Tests besser ab.
Wie Intervallfasten und Demenz zusammenhängen könnten
An der Untersuchung nahmen 47 Frauen im Alter zwischen 50 und 79 Jahren teil. Alle hatten Übergewicht oder Adipositas. Zudem sollten alle Teilnehmerinnen sechs Monate lang ihre tägliche Energieaufnahme um etwa 500 Kilokalorien senken.
26 Frauen begrenzten ihre Mahlzeiten zusätzlich auf weniger als neun Stunden pro Tag. Meist aßen sie zwischen 10 und 18 Uhr. Ihr tatsächliches Essensfenster lag im Durchschnitt bei 8,2 Stunden. Die übrigen Teilnehmerinnen blieben bei einem Zeitraum von durchschnittlich 12,3 Stunden.
Beide Gruppen verlieren ähnlich viel Gewicht
Nach sechs Monaten hatten die Frauen im Mittel rund 6,8 Kilogramm abgenommen. Beim Gewichtsverlust unterschieden sich die Gruppen kaum voneinander. Das kürzere Essensfenster führte in diesem Versuch also nicht zu einer erkennbar stärkeren Abnahme.
Unterschiede traten stattdessen bei einigen Aufgaben für die geistige Leistungsfähigkeit auf. Frauen aus der Intervallfasten-Gruppe schnitten bei Tests zur räumlichen Planung und zum Problemlösen besser ab. Beim Lernen und Erinnern machten sie tendenziell weniger Fehler. Dieser Unterschied erreichte jedoch keine eindeutige statistische Signifikanz.
Kürzeres Essensfenster verbessert einzelne Tests
Beim Multitasking und bei der Reaktionsgeschwindigkeit fanden sich keine bedeutsamen Unterschiede. Die möglichen Vorteile beschränkten sich damit auf einzelne Bereiche. Auch die Zahl von nur 47 Teilnehmerinnen schränkt die Aussagekraft erheblich ein.
„Das zeitlich begrenzte Essen hatte einen moderaten Effekt auf die räumliche Planung und das Problemlösen sowie auf die Verringerung von Fehlern beim Erinnern und Lernen“, sagt Studienleiterin Sue Shapses von der Rutgers University. Je stärker die Frauen ihr Essensfenster verkürzten, desto größer fielen einige Verbesserungen aus.
Shapses verbindet die Ergebnisse mit Situationen aus dem Alltag. „Diese Resultate sprechen für eine bessere Fähigkeit, sich bei alltäglichen Aufgaben an Informationen zu erinnern und Fehler bei Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Problemlösen zu verringern“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin.
Intervallfasten schützt nicht nachweislich vor Demenz
Ein direkter Beleg für ein geringeres Demenzrisiko lässt sich daraus nicht ableiten. Dafür müssten Forscher größere Gruppen über viele Jahre begleiten und erfassen, wie häufig Alzheimer oder andere Demenzformen auftreten. Die bisherigen Tests erfassen lediglich einzelne kognitive Leistungen nach einem halben Jahr.
Auch die untersuchte Gruppe war eng begrenzt. Teilgenommen haben ausschließlich ältere Frauen mit Übergewicht oder Adipositas. Ob Männer, normalgewichtige Menschen oder bereits an Demenz Erkrankte ähnlich reagieren würden, bleibt offen.
Die Gewichtsabnahme erschwert zudem die Trennung der Effekte. Beide Gruppen nahmen fast sieben Kilogramm ab. Eine geringere Körpermasse und eine verbesserte Stoffwechsellage könnten ebenfalls Einfluss auf das Gehirn nehmen. Der Vergleich mit der Gruppe ohne verkürztes Essensfenster spricht zwar für einen zusätzlichen Effekt, seine Größe lässt sich aus den bisher veröffentlichten Angaben jedoch nicht genau bestimmen.
Innere Uhr könnte das Gehirn beeinflussen
Als mögliche Erklärung nennen die Wissenschaftler den zirkadianen Rhythmus. Diese innere Uhr steuert unter anderem Schlaf, Hormone, Verdauung und Stoffwechsel. Späte Mahlzeiten können mit diesem Rhythmus kollidieren. Ein früheres Ende der täglichen Nahrungsaufnahme könnte Stoffwechselprozesse stärker an den Tag-Nacht-Wechsel anpassen.
Daneben kommen Entzündungsprozesse und Signalwege zur Erkennung von Nährstoffen infrage. Auch eine stabilere Verarbeitung von Zucker und Fetten könnte das Gehirn entlasten. Diese Mechanismen wurden im vorliegenden Versuch allerdings nicht abschließend untersucht.
„Allein das Abnehmen kann einem Teil des altersbedingten geistigen Abbaus entgegenwirken“, so Shapses. Die Daten deuteten auf einen möglichen Zusatznutzen hin, wenn Menschen vier Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr essen und ihre Mahlzeiten auf acht bis neun Stunden verteilen. Ob daraus langfristig ein Schutz vor Demenz entsteht, müssen größere und länger laufende Untersuchungen klären.
Kurz zusammengefasst:
- In einem kleinen Versuch mit 47 älteren Frauen verbesserten sich bei einem Essensfenster von acht bis neun Stunden einzelne kognitive Fähigkeiten.
- Vorteile zeigten sich vor allem bei räumlicher Planung und Problemlösen; bei Gedächtnis und Lernen gab es nur einen nicht eindeutigen Trend.
- Ein Schutz vor Demenz ist damit nicht belegt, da die Ergebnisse vorläufig sind und größere Langzeitstudien fehlen.
Übrigens: Nicht nur das Essensfenster könnte beeinflussen, wie unser Körper altert – auch Kaffee steht im Verdacht, die Zellalterung zu bremsen. Warum bei Menschen mit psychischen Erkrankungen ausgerechnet drei bis vier Tassen günstig sein könnten und ab wann der Effekt kippt, mehr dazu in unserem Artikel.
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