Darmkrebs bei jungen Erwachsenen nimmt zu: Diese Altersgruppe fällt besonders auf
Darmkrebs nimmt bei jungen Erwachsenen in Deutschland weiter zu, bleibt vor dem 50. Lebensjahr aber selten. Das zeigen neue Registerdaten.
Darmkrebs gilt oft als Erkrankung älterer Menschen. Neue Daten zeigen jedoch, dass die Fälle bei jungen Erwachsenen zunehmen und viele Diagnosen erst spät gestellt werden. © Wikimedia
Darmkrebs gilt noch immer als Krankheit des höheren Alters, doch neue Daten rütteln an dieser Gewissheit. Die Krankheit trifft junge Erwachsene zwar weiterhin selten, doch die Zahl der Fälle steigt messbar. Auffällig sind vor allem Menschen zwischen 20 und 39 Jahren. In der jüngsten Gruppe nahm die Erkrankung am stärksten zu.
Eine neue Studie im Fachjournal International Journal of Cancer wertet Daten aus zehn deutschen Krebsregistern aus. Beteiligt waren unter anderem Fachleute des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Der Zeitraum reicht von 2003 bis 2023. Insgesamt flossen mehr als 28.000 Darmkrebsfälle von Menschen zwischen 20 und 49 Jahren in die Analyse ein.
Warum Darmkrebs junge Erwachsene unter 40 häufiger trifft
In Deutschland zeigt sich der Anstieg vor allem bei den 20- bis 29-Jährigen. Auch bei den 30- bis 39-Jährigen nahm die Häufigkeit zu. Bei Menschen zwischen 40 und 49 Jahren blieb die Lage dagegen weitgehend stabil. Das unterscheidet die Entwicklung von der öffentlichen Debatte in den USA, wo frühe Darmkrebsfälle seit Jahren stark diskutiert werden.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Anstieg von Darmkrebs bei jungen Erwachsenen in Deutschland real ist, aber zumindest bislang deutlich moderater ausfällt als in den USA“, sagt Prof. Dr. Volker Arndt vom Deutschen Krebsforschungszentrum und dem Epidemiologischen Krebsregister Baden-Württemberg. Deutschland liegt laut Auswertung bei den Erkrankungsraten weiterhin deutlich unter dem US-Niveau.
Was die Studie aus deutschen Krebsregistern zeigt
Darmkrebs vor dem 50. Geburtstag bleibt in Deutschland selten. Von rund 56.000 neuen Darmkrebsfällen pro Jahr betreffen nur etwa fünf Prozent Menschen unter 50 Jahren. Dennoch verändert der Trend den Blick auf Beschwerden in jüngerem Alter.
Jacqueline Müller-Nordhorn vom Landesinstitut Bayerisches Krebsregister des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit betont: „Darmkrebs vor dem 50. Lebensjahr bleibt in Deutschland insgesamt selten.“ Trotzdem sollten Menschen mit Beschwerden nicht zu lange abwarten. Nach ihren Worten sollten „auch jüngere zeitnah individuell ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen“.
Welche Warnzeichen ernst genommen werden sollten
Darmkrebs beginnt oft unscheinbar. Viele Beschwerden passen auch zu harmlosen Ursachen. Dennoch verdienen anhaltende Veränderungen Aufmerksamkeit, vor allem bei familiärer Vorbelastung. Dazu zählen:
- Blut im Stuhl oder wiederkehrende Blutungen
- länger anhaltende Bauchschmerzen
- ungewohnte Veränderungen beim Stuhlgang
- unerklärlicher Gewichtsverlust
- anhaltende Müdigkeit ohne klare Ursache
Solche Symptome bedeuten nicht automatisch Krebs. Sie sollten aber medizinisch abgeklärt werden, wenn sie nicht verschwinden oder immer wieder auftreten. Das gilt vor allem, wenn Eltern, Geschwister oder andere enge Verwandte bereits an Darmkrebs erkrankt sind. Für diese Gruppen empfehlen Ärzte oft eine frühere Vorsorge.
Warum Darmkrebs junge Erwachsene öfter betrifft
Die Ursachen für den Anstieg sind bisher nicht geklärt. Die Forscher verweisen auf mehrere mögliche Faktoren. Dazu gehören Übergewicht, wenig Bewegung und Ernährung. Auch hochverarbeitete Lebensmittel stehen in der Diskussion. Hinzu kommen Veränderungen der Darmflora und ein möglicher Einfluss von Antibiotika, vor allem in frühen Lebensphasen.
Ein Teil des Anstiegs könnte allerdings auch durch bessere Diagnostik entstehen. In den deutschen Daten nahmen Tumoren mit vergleichsweise günstiger Prognose häufiger zu. Solche Fälle entdecken Ärzte oft früher. Dadurch tauchen sie eher in den Registern auf. Für Patienten kann diese frühere Entdeckung einen großen Unterschied machen, weil frühe Stadien meist besser behandelbar sind.
Warum das Screening-Alter vorerst nicht sinken soll
Trotz der neuen Zahlen sehen die Autoren derzeit keinen ausreichenden Grund, die Darmkrebs-Früherkennung für die gesamte Bevölkerung unter 50 zu öffnen. Das Risiko bleibt im Vergleich zum höheren Alter niedrig. Eine breite Absenkung des Screening-Alters würde deshalb viele Menschen untersuchen, bei denen die Wahrscheinlichkeit für Darmkrebs gering ist.
Anders sieht es bei Risikogruppen aus. Menschen mit familiärer Vorbelastung brauchen eine konsequente Beratung und die empfohlenen Untersuchungen. Auch Beschwerden sollten nicht mit dem Alter allein erklärt werden. Die Forscher wollen nun genauer prüfen, welche Rolle frühe Lebensstilfaktoren, Übergewicht, hochverarbeitete Lebensmittel, Antibiotika und die Darmflora bei Darmkrebs in jüngeren Jahren spielen.
Kurz zusammengefasst:
- Darmkrebs bei jungen Erwachsenen nimmt in Deutschland leicht zu, besonders bei Menschen zwischen 20 und 39 Jahren.
- Die Fallzahlen bleiben deutlich niedriger als in den USA, und Darmkrebs vor dem 50. Lebensjahr bleibt selten.
- Anhaltende Beschwerden und familiäre Vorbelastung sollten ernst genommen werden, auch wenn kein allgemeines früheres Screening geplant ist.
Übrigens: Neue Daten aus der Schweiz zeigen, warum Darmkrebs unter 50 oft besonders spät auffällt und bei vielen Betroffenen schon fortgeschritten ist. Welche Warnzeichen ernst genommen werden sollten und warum die Vorsorge-Debatte an Fahrt gewinnt, lesen Sie in unserem Artikel.
Bild: © Patho via Wikimedia unter CC BY-SA 3.0
