Klimawandel verändert Ernteerträge – Äpfel profitieren noch, Weizen verliert schon
Der Klimawandel trifft die Landwirtschaft unterschiedlich: Äpfel und anderes Obst profitieren bislang teils von wärmeren Bedingungen.
Bestäuberabhängige Kulturen wie Äpfel reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen bei Insekten. Schwebfliegen und andere Bestäuber können daher mitbestimmen, wie sich ihre Erträge im Klimawandel entwickeln. © Unsplash
Ein paar Grad mehr können auf dem Acker erstaunlich viel verändern. Während Weizen mit zunehmender Wärme bereits an Ertrag verliert, reagieren Äpfel und andere Obstkulturen bislang anders. Wie der Klimawandel Ernteerträge verändert, hängt offenbar auch davon ab, wie eine Pflanze bestäubt wird.
Forscher der Technischen Universität München (TUM) haben dafür Erntedaten aus Unterfranken und Oberbayern ausgewertet. Die beiden Regionen unterscheiden sich deutlich beim Klima: Unterfranken ist wärmer und trockener, Oberbayern kühler und feuchter. Die Daten reichen bei Feldfrüchten von 1985 bis 2019, beim Obst von 2003 bis 2019. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im Fachjournal Ecology and Evolution.
Im warmen Unterfranken steigen Erträge deutlich langsamer
Über die Jahrzehnte legten die Erträge in beiden Regionen insgesamt zu. In Oberbayern lag der mittlere jährliche Zuwachs bei 3,6 Prozent, im wärmeren und trockeneren Unterfranken dagegen nur bei 1,4 Prozent. Der Unterschied war statistisch signifikant.
Bessere Sorten, modernere Maschinen, Präzisionslandwirtschaft sowie Fortschritte beim Boden- und Pflanzenschutz konnten einen Teil der klimatischen Belastung offenbar auffangen. Gleichzeitig setzen Hitze und Trockenheit einigen Kulturen zunehmend Grenzen. Technischer Fortschritt steigert die Produktivität, während sich ihre Wachstumsbedingungen verschlechtern.
Weizen nähert sich seiner klimatischen Grenze
Für die Auswertung ordneten die Forscher die Kulturen danach, wie stark sie auf Insekten angewiesen sind. Weizen, Roggen, Gerste, Mais und Hafer kommen ohne Bestäuber aus. Raps, Sonnenblumen und Ackerbohnen wurden mit einer Abhängigkeit von 25 Prozent eingestuft. Bei Äpfeln, Birnen, Pflaumen, Mirabellen sowie Süß- und Sauerkirschen lag sie bei 65 Prozent.
Bei den bestäuberunabhängigen und mäßig abhängigen Kulturen fanden die Forscher ein klimatisches Optimum. Wird es darüber hinaus wärmer und trockener, sinken die Erträge wieder. Bei den mäßig bestäuberabhängigen Pflanzen lagen die langfristigen Klimabedingungen bereits jenseits dieses errechneten Optimums. In der Studie heißt es dazu übersetzt: „Optimale klimatische Bedingungen wurden bereits überschritten oder werden sehr wahrscheinlich bald den Kipppunkt erreichen.“
Äpfel und anderes Obst profitieren bislang von mehr Wärme
Bei stark bestäuberabhängigem Obst verlief der Zusammenhang anders. Wärmere und trockenere Bedingungen gingen dort mit höheren Erträgen einher. Auch in warmen Jahren stieg im trockeneren Unterfranken die Wahrscheinlichkeit überdurchschnittlicher Ernten.
Zu dieser Gruppe gehören auch Äpfel. Der Befund gilt jedoch nicht automatisch für jeden Apfelbestand. Die Auswertung fasst mehrere Obstarten zusammen, zudem reicht der betrachtete Zeitraum beim Obst nur von 2003 bis 2019. Der positive Zusammenhang betrifft deshalb die gesamte Gruppe der stark bestäuberabhängigen Kulturen.
Weniger Spätfrost könnte Obst derzeit helfen
Ein möglicher Vorteil wärmerer Frühjahre liegt in der Blütezeit. Spätfrost kann Obstblüten stark schädigen und damit die spätere Ernte verkleinern. Mildere Temperaturen könnten dieses Risiko verringern. Hinzu kommt, dass mehrjährige Obstbäume meist größere und tiefere Wurzelsysteme besitzen als einjährige Feldfrüchte. Dadurch können sie kurze Trockenphasen teilweise besser überstehen.
Auch die Bestäuber selbst könnten eine Rolle spielen. Einige Bienenarten kommen mit warmen und trockenen Bedingungen vergleichsweise gut zurecht. Verändert sich die Zusammensetzung der Bestäubergemeinschaft, könnten wärmeliebende Arten einen Teil der Bestäubung übernehmen. Dafür brauchen die Bäume allerdings weiterhin ausreichend Wasser.
Mit weiterer Erwärmung könnte sich der Vorteil umkehren
Dass Obst bislang teilweise profitiert, bedeutet keinen dauerhaften Vorteil. Steigen die Temperaturen weiter, können auch Obstbäume ihre günstigen Klimabedingungen überschreiten. Gleichzeitig geraten viele Insekten durch starke Hitze und veränderte Niederschläge unter Druck.
Für bestäuberabhängige Kulturen entsteht dann eine doppelte Belastung: Die Pflanzen selbst wachsen schlechter, während zugleich die Bestäubungsleistung sinken kann. In bereits warmen Regionen dürfte diese Grenze früher erreicht werden als in kühleren Gebieten. Treffen Wärme, Wassermangel und schwächere Bestäubung zusammen, könnten die Erträge stagnieren oder zurückgehen.
Kurz zusammengefasst:
- Der Klimawandel verändert die Landwirtschaft je nach Kultur unterschiedlich: Weizen und andere Feldfrüchte geraten bei zunehmender Wärme und Trockenheit schneller unter Druck.
- Stark bestäuberabhängige Obstkulturen wie Äpfel, Birnen und Kirschen profitieren bislang teilweise von wärmeren Bedingungen, unter anderem durch weniger Spätfrost.
- Dieser Vorteil ist nicht dauerhaft gesichert: Steigende Temperaturen, Wassermangel und Veränderungen bei Bestäubern könnten die Erträge künftig auch bei Obst bremsen.
Übrigens: Der Klimawandel verändert nicht nur Ernten, sondern kann über Dürren auch die Preise auf dem Weltmarkt treiben – besonders beim Weizen. Wie stark Wasserknappheit den Weizenpreis beeinflusst, mehr dazu in unserem Artikel.
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