Fettleber durch Essen zum Mitnehmen: Nicht nur Fett und Zucker könnten das Risiko erhöhen
Häufiges Essen zum Mitnehmen ist bei Männern mit höherem Fettleber-Risiko verbunden. Auch Verpackungsstoffe könnten beitragen.
Take-away-Essen kann mehr sein als eine Kalorienfrage: Häufiger Konsum war bei Männern mit einem höheren Risiko für eine metabolisch bedingte Fettleber verbunden. © Pexels
Viermal pro Woche Essen bestellen oder mitnehmen – und plötzlich geht es nicht mehr nur um Kalorien. Bei Männern war häufiger Take-away-Konsum mit einem deutlich höheren Risiko für eine metabolisch bedingte Fettleber verbunden.
Die Auswertung im American Journal of Epidemiology basiert auf Daten von mehr als 100.000 Erwachsenen aus China und Großbritannien. Als mögliche Gründe nennen die Autoren typische Eigenschaften vieler Take-away-Mahlzeiten: viel Fett, Zucker und Salz, wenig Ballaststoffe und Mikronährstoffe. Hinzu kommen Stoffe aus Verpackungen wie Bisphenol A und Phthalate. Welche dieser Faktoren den Zusammenhang tatsächlich erklärt, wurde allerdings nicht untersucht.
Fettleber durch Essen zum Mitnehmen trifft Männer besonders häufig
In einer chinesischen Kohorte begleiteten die Wissenschaftler 3186 Erwachsene über mehrere Jahre. Zu Beginn waren Teilnehmer mit bereits bestehender Fettleber oder anderen Lebererkrankungen ausgeschlossen worden. Während 12.941 Personenjahren entwickelten 724 Menschen eine MASLD, also eine metabolisch bedingte Fettlebererkrankung. Dabei lagert sich zu viel Fett in der Leber ein und zugleich bestehen Stoffwechselprobleme wie Übergewicht, erhöhte Blutzuckerwerte oder Bluthochdruck. Die Ernährung der Teilnehmer wurde mit Fragebögen erfasst.
Bei Männern fiel vor allem häufiger Take-away-Konsum auf. Wer weniger als einmal pro Woche solche Mahlzeiten aß, bildete die Vergleichsgruppe. Bei ein bis drei Mahlzeiten pro Woche lag die Hazard Ratio bei 0,92 und damit nicht erhöht. Ab mindestens vier Take-away-Mahlzeiten pro Woche stieg sie dagegen auf 1,30. Das entspricht einem rund 30 Prozent höheren relativen Risiko gegenüber Männern mit weniger als einer solchen Mahlzeit pro Woche.
Britische Daten bestätigen den Zusammenhang
Zusätzlich werteten die Wissenschaftler Daten von 99.781 Teilnehmern der UK Biobank aus. Die Männer und Frauen waren zu Beginn zwischen 40 und 69 Jahre alt. Grundlage der Ernährungsauswertung waren mindestens zwei webbasierte 24-Stunden-Ernährungsprotokolle. Im Median wurden die Teilnehmer 10,6 Jahre beobachtet.
Auch dort entwickelten 724 Menschen im Beobachtungszeitraum eine MASLD. Bei Männern, die Take-away-Essen konsumierten, lag die vollständig bereinigte Hazard Ratio bei 1,66 gegenüber Männern ohne solchen Konsum. Das entspricht einem um 66 Prozent höheren relativen Risiko. Für Frauen berichten die Autoren keinen vergleichbar eindeutigen Zusammenhang.
Take-away-Gerichte enthalten häufig mehr Salz sowie große Mengen an Fett und Zucker. Gleichzeitig liefern sie oft weniger Mikronährstoffe und Ballaststoffe.
Diese Zusammensetzung könne zur Entstehung von MASLD beitragen. Welcher einzelne Nährstoff den Zusammenhang mit der Fettleber besonders beeinflusst, wurde allerdings nicht untersucht.
Auch Stoffe aus Verpackungen geraten unter Verdacht
Die Autoren nennen noch einen weiteren möglichen Faktor: Verpackungen für Essen zum Mitnehmen. Darin können Stoffe wie Bisphenol A und Phthalate vorkommen. Frühere Untersuchungen, auf die sich die Wissenschaftler beziehen, hätten solche Chemikalien mit einem erhöhten MASLD-Risiko in Verbindung gebracht. Auch hier gilt: Die neue Arbeit hat nicht geprüft, wie viel BPA oder Phthalate einzelne Teilnehmer tatsächlich aufgenommen haben.
Für eine weitere chinesische Kohorte griffen die Forscher deshalb auf besonders genaue Leberdaten zurück. Dort wurden 334 Erwachsene mit durch Biopsie bestätigter MASLD untersucht. Häufigerer Take-away-Konsum hing bei Männern auch mit einem höheren Schweregrad der Erkrankung zusammen. Damit fand sich das Muster sowohl bei neu auftretenden Erkrankungen als auch bei bereits diagnostizierter MASLD.
Fettleber kann bis zu Leberkrebs fortschreiten
MASLD ist die neue Bezeichnung für die früher häufig als nicht-alkoholische Fettlebererkrankung bezeichnete Erkrankung. Dabei lagern sich mindestens fünf Prozent Fett in der Leber ein und zugleich bestehen Stoffwechselprobleme. Nach Angaben der Autoren betrifft MASLD inzwischen ungefähr 30 Prozent der Weltbevölkerung.
Die Erkrankung kann sehr unterschiedliche Verläufe nehmen. Bei manchen Menschen bleibt es bei einer Fettleber. Bei anderen entwickelt sich eine entzündliche Form, später können Leberzirrhose, Leberversagen oder Leberkrebs folgen. MASLD steht außerdem mit Typ-2-Diabetes, chronischen Nierenerkrankungen und weiteren gesundheitlichen Problemen in Verbindung.
Ab vier Take-away-Mahlzeiten pro Woche steigt das Risiko deutlich
Aus den Ergebnissen lässt sich dennoch keine feste Schwelle ableiten, ab der Take-away-Essen automatisch krank macht. Die Gruppe mit ein bis drei Mahlzeiten pro Woche hatte in der chinesischen Kohorte kein statistisch erhöhtes Risiko. Erst bei mindestens vier Mahlzeiten pro Woche zeigte sich bei Männern der deutliche Zusammenhang.
Die Untersuchung ist zudem eine Beobachtungsstudie. Sie kann deshalb nicht beweisen, dass Take-away-Essen selbst die Fettleber verursacht. Die Forscher berücksichtigten zahlreiche Einflussfaktoren statistisch, dennoch können sich Menschen mit häufigem Take-away-Konsum auch in anderen Lebensgewohnheiten unterscheiden.
Für Männer blieb der Zusammenhang über die verschiedenen Kohorten hinweg jedoch bestehen. Die Autoren fassen ihre Ergebnisse so zusammen: „Take-away-Konsum war bei Erwachsenen positiv mit dem Risiko und dem Schweregrad von MASLD verbunden, insbesondere bei Männern.“
Kurz zusammengefasst:
- Bei Männern war häufiges Essen zum Mitnehmen mit mehr Fettleber verbunden: Ab vier Mahlzeiten pro Woche lag das relative Risiko in einer chinesischen Kohorte rund 30 Prozent höher.
- Mögliche Gründe sind die typische Zusammensetzung und die Verpackung: viel Fett, Zucker und Salz, wenig Ballaststoffe sowie Stoffe wie BPA und Phthalate.
- Wichtig: Die Studie zeigt einen Zusammenhang, aber keinen Beweis, dass Take-away-Essen selbst die Fettleber verursacht.
Übrigens: Während häufiges Essen zum Mitnehmen mit einem höheren Fettleber-Risiko verbunden ist, könnten zwei Cannabis-Wirkstoffe den Fettstoffwechsel der Leber günstig beeinflussen. Mehr dazu in unserem Artikel.
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