Im August wird Nektar knapp – für Honigbienen beginnt dann die teuerste Nahrungssuche des Jahres
Honigbienen finden im August besonders schwer Nektar. Weniger Blüten und mehr Konkurrenz machen die Nahrungssuche dann besonders aufwendig.
Honigbienen finden im August besonders schwer Nektar, weil weniger ergiebige Blüten verfügbar sind und viele Bestäuber um die Nahrung konkurrieren. © Marta Rossi
Der August sieht für eine Honigbiene eigentlich nach Überfluss aus. Es ist warm, überall summt und blüht es. Doch dieser Schein trügt: Viele Blüten liefern nur noch wenig Nektar, während besonders viele Bestäuber um dieselben Nahrungsquellen konkurrieren. Die Bienen müssen weiter fliegen, länger suchen und verbrauchen mehr Energie für immer weniger Ertrag.
Wie stark sich dieser Engpass bemerkbar macht, haben Wissenschaftler der University of Sussex in Brighton und Edinburgh untersucht. Zwischen April und Oktober beobachteten sie 1.217 Honigbienen und bestimmten den Nektarertrag von 1.426 Blüten. Im Frühjahr lohnt sich die Suche energetisch am meisten. Ende Juli und im August fällt die Energiebilanz der Nahrungssuche dagegen am schlechtesten aus.
Warum Honigbienen im August weniger Nektar für ihre Energie bekommen
Die Wissenschaftler zählten nicht einfach Blüten. Sie berechneten, wie viel Energie eine Biene bei der Nahrungssuche verbraucht und wie viel sie über den gesammelten Nektar zurückgewinnt. Dafür beobachteten sie die Tiere jeweils 60 Sekunden lang und erfassten, wie viel Zeit sie fliegend oder laufend verbrachten. Zusätzlich bestimmten sie die besuchten Pflanzen und deren Nektarertrag.
Im Frühjahr profitieren Honigbienen in Großbritannien von besonders ergiebigen Gehölzen wie Rosskastanien, Weiden und Kirschbäumen. Viele dieser Nahrungsquellen fallen im Spätsommer weg. Gleichzeitig sind noch zahlreiche Bestäuber aktiv. Damit verteilt sich das verbliebene Angebot auf mehr Tiere.
Brighton und Edinburgh zeigen denselben saisonalen Verlauf
Die beiden Untersuchungsorte liegen rund 600 Kilometer auseinander. Brighton befindet sich im Süden Englands, Edinburgh in Schottland. Trotzdem verlief die Entwicklung an beiden Standorten ähnlich. Das spricht dafür, dass der saisonale Engpass nicht nur an einem einzelnen Ort auftritt.
Co-Autor Nicholas Balfour hält den Spätsommer auch für andere Bestäuber für eine schwierige Phase. Viele Arten sind dann aktiv und benötigen zugleich Nahrung für ihren Nachwuchs. Honigbienen besuchen besonders viele unterschiedliche Pflanzen und können deshalb Hinweise darauf liefern, wie ergiebig das Nektarangebot einer Landschaft insgesamt ist.
Spät blühende Pflanzen können die Lücke verkleinern
Für Gärten, Parks und andere Grünflächen kommt es deshalb auch auf den Zeitpunkt der Blüte an. Pflanzen, die erst im Spätsommer Nektar liefern, können das knapper werdende Angebot ergänzen. Ciaran Harris von der University of Sussex nennt unter anderem Disteln, Greiskräuter und Flockenblumen.
Auch eine spätere oder seltenere Mahd kann mehr Blüten erhalten. Hitzeperioden könnten den Engpass zusätzlich verschärfen, weil hohe Temperaturen die Nektarmenge verringern und Blühzeiten verändern können.

Schwänzeltänze hatten den Engpass bereits angedeutet
Frühere Untersuchungen derselben Forschungsgruppe lieferten bereits Hinweise auf schwierigere Bedingungen im Spätsommer. Damals werteten die Wissenschaftler unter anderem Schwänzeltänze von Honigbienen aus. Mit ihnen teilen die Tiere ihren Artgenossen mit, wo lohnende Nahrungsquellen liegen.
Die aktuelle Arbeit geht einen Schritt weiter und berechnet direkt die Energiebilanz der Nahrungssuche. Francis Ratnieks von der University of Sussex spricht von der „energetischen Rentabilität der Nektarsuche“.
Zwei Regionen begrenzen die Aussagekraft
Untersucht wurden ausschließlich Grünflächen in Brighton und Edinburgh. Deshalb lässt sich nicht ohne Weiteres auf ganz Großbritannien oder andere Länder schließen. Auch Landschaftstypen könnten einen Unterschied machen: Gärten mit vielen spät blühenden Pflanzen oder landwirtschaftliche Flächen mit mehr Wildblumen könnten den Engpass teilweise abfedern. Weitere Untersuchungen sollen deshalb verschiedene Formen der Landnutzung einbeziehen.
Kurz zusammengefasst:
- Honigbienen finden Ende Juli und im August besonders schwer Nektar, weil dann weniger ergiebige Blüten verfügbar sind und viele Bestäuber um dieselben Nahrungsquellen konkurrieren.
- Untersuchungen an 1.217 Honigbienen und 1.426 Blüten ergaben, dass die Nahrungssuche im Frühjahr energetisch am günstigsten und im Spätsommer besonders aufwendig ist.
- Spät blühende Pflanzen können diese Nahrungslücke abmildern, etwa wenn Grünflächen später gemäht werden und Wildpflanzen wie Disteln oder Flockenblumen länger blühen dürfen.
Übrigens: Honigbienen kämpfen nicht nur mit knapper Nahrung – auch Pestizide können sich im Stock anreichern und am Ende sogar die Eier der Königin belasten. Mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Marta Rossi
