Solarparks können Vogelvielfalt verringern – besonders dort, wo für die Energiewende Acker- und Grasland weichen muss
Wenn Acker- und Grasland für Solarparks umgewandelt wird, kann die Artenvielfalt sinken – besonders bei Vögeln.
Wo Solarparks Acker- und Grasland ersetzen, kann die Vogelvielfalt sinken – besonders in ökologisch vielfältigen Regionen. © Pexels
Solarparks gehören zu den wichtigsten Bausteinen der Energiewende, doch große Anlagen brauchen viel Fläche. Dort, wo Acker- oder Grasland verschwindet, kann daraus ein Konflikt zwischen Klimaschutz und Naturschutz entstehen. Wie eng Solarparks und Artenvielfalt zusammenhängen können, zeigt nun eine große Untersuchung aus China. Besonders betroffen ist offenbar die Vogelwelt – und zwar vor allem dort, wo zuvor vielfältige Landschaften bestanden.
Für die im Fachjournal Science veröffentlichte Studie wertete ein internationales Forschungsteam Daten aus 2.344 chinesischen Landkreisen zwischen 2014 und 2023 aus. Insgesamt flossen 46.528 Beobachtungen auf Landkreis- und Monatsebene ein. Die Forscher kombinierten Angaben zu Vogelarten, Landnutzung, Wetter und wirtschaftlichen Faktoren mit der Stärke staatlicher Photovoltaik-Förderung. In Landkreisen mit deutlich stärkerer Förderung lag der verwendete Index für Vogelvielfalt im Schnitt 2,10 Prozent niedriger.
Wie Solarparks die Artenvielfalt regional verändern
Die Auswirkungen fielen regional sehr unterschiedlich aus. In wirtschaftlich stärkeren Landkreisen war der Rückgang ausgeprägter. Dort lag der Index für Vogelvielfalt bei stärkerer Förderung rund 2,22 Prozent niedriger. Auch außerhalb der großen Wüstengebiete Chinas war der negative Zusammenhang klarer zu erkennen.
In Sand- und Kieswüsten sowie in der sogenannten Three-North-Region ließ sich dagegen kein eindeutiger Rückgang der Vogelvielfalt nachweisen. Dort sind Landschaften ohnehin offener, trockener und weniger dicht bewachsen. Die Ergebnisse sprechen deshalb dafür, dass der Standort eines Solarparks viel darüber bestimmt, wie stark Tiere und Pflanzen betroffen sind.
Acker- und Grasland verlieren Vielfalt durch Solarparks
Vor allem die Umwandlung von Acker- und Grasland veränderte die Lebensräume. Wo große Anlagen entstanden, ging vielfältige Vegetation verloren oder wurde stärker zerschnitten. Dadurch veränderten sich Brutplätze, Nahrungsangebote und Rückzugsräume für verschiedene Vogelarten.
„Ohne sorgfältige räumliche Planung kann der politisch vorangetriebene Solarausbau unbeabsichtigt die lokale Artenvielfalt beeinträchtigen“, schreiben die Autoren. Besonders deutlich war der Effekt bei Zugvögeln und Standvögeln. Auch staatlich geschützte Arten waren betroffen.
Bei der Ernährung zeigten sich Unterschiede:
- Fleisch- und Allesfresser reagierten mit einem deutlichen Rückgang ihrer Vielfalt.
- Für pflanzenfressende Arten fanden die Forscher dagegen keinen statistisch signifikanten Effekt.
- Auch die Art des Brutplatzes spielte eine Rolle, weil manche Vögel stärker auf strukturreiche Vegetation angewiesen sind.
Mehr Grün bedeutet nicht automatisch mehr Artenvielfalt
Einer der ungewöhnlichsten Befunde betrifft die Vegetation selbst. Satellitendaten registrierten auf manchen Flächen nach dem Ausbau sogar eine größere Blattfläche. Dennoch nahm die Vogelvielfalt ab.
Die Forscher sprechen von „Inferior Greening“, also einer Art ökologisch minderwertiger Begrünung. Dichter Pflanzenbewuchs kann demnach eine vielfältige Landschaft ersetzen, obwohl die Fläche aus der Ferne grüner wirkt. Unter Solarmodulen können etwa gleichförmige Pflanzenbestände entstehen, die deutlich weniger unterschiedliche Lebensräume bieten.
„Wer allein auf übliche Vegetationskennzahlen blickt, kann damit eine starke strukturelle Verarmung natürlicher Lebensräume übersehen“, erklären die Autoren. Für Vögel zählt also nicht allein, wie viel Grün vorhanden ist, sondern auch, welche Pflanzen dort wachsen und wie vielfältig die Vegetation aufgebaut ist.
Neue Solarprojekte verändern Lebensräume besonders schnell
Auffällig war zudem, dass vor allem neue politische Förderimpulse mit sinkender Vogelvielfalt zusammenhingen. Bei bereits länger bestehenden Fördermaßnahmen zeigte sich kein ähnlich deutlicher Zusammenhang. Die Forscher führen das vor allem auf die frühen Phasen des Flächenumbaus zurück, wenn Böden verändert, Vegetation entfernt und neue Infrastruktur errichtet wird.
Auch die Landwirtschaft war betroffen. Mit zunehmender Intensität der Photovoltaik-Förderung gingen die landwirtschaftlichen Erträge zurück; im Modell lag der Rückgang bei 2,88 Prozent pro zusätzlicher Einheit der verwendeten Förderskala. Die Forscher interpretieren das als Hinweis auf Konkurrenz um verfügbare Flächen.
Solarparks lassen sich naturverträglicher planen
Aus den Ergebnissen leiten die Autoren mehrere Ansätze für den weiteren Ausbau ab:
- Große Solarparks sollten bevorzugt in trockenen und ökologisch weniger komplexen Gebieten entstehen.
- In produktiven Landschaften können Dachanlagen und Agri-Photovoltaik den Flächenverbrauch begrenzen.
- Unter und zwischen Solarmodulen sollten möglichst unterschiedliche heimische Pflanzen wachsen.
Die Experten sind der Meinung: „Bei diesem Konflikt geht es nicht darum, den Ausbau der Solarenergie einzuschränken, sondern ihn besser zu gestalten.“ Ihre Ergebnisse legen nahe, dass Solarstrom und Artenschutz nicht zwangsläufig gegeneinanderstehen. Viel hängt davon ab, welche Flächen genutzt werden und wie stark bestehende Lebensräume verändert werden.
Kurz zusammengefasst:
- Eine Analyse von 2.344 chinesischen Landkreisen bringt stärkere Solar-Förderung mit einem Rückgang der Vogelvielfalt um durchschnittlich 2,10 Prozent in Verbindung.
- Besonders stark waren die Auswirkungen dort, wo Acker- und Grasland in Solarflächen umgewandelt wurde. In Wüstenregionen fanden die Forscher keinen vergleichbaren Effekt.
- Mehr Pflanzenmasse bedeutet nicht automatisch mehr Artenvielfalt, weil gleichförmige Vegetation unter Solarparks vielfältige Lebensräume ersetzen kann.
Übrigens: In der Kubuqi-Wüste baut China eine 400 Kilometer lange „Solar-Mauer“, die einmal mehr Strom liefern soll, als ganz Peking verbraucht. Vor allem Wüstenregionen könnten für solche Mega-Solarparks ökologisch günstiger sein als artenreiche Landschaften. Mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Pexels
