Inflation in Deutschland sinkt – diese Familien profitieren besonders

Die Inflation in Deutschland sinkt auf 2,3 Prozent. Laut IMK profitieren Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen besonders.

Vor allem Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen profitierten zuletzt von der geringeren Teuerung an der Tankstelle. Laut IMK sank der Beitrag der Kraftstoffpreise zu ihrer Inflationsrate seit April um 0,8 Prozentpunkte. © Unsplash

Vor allem Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen profitierten zuletzt von der geringeren Teuerung an der Tankstelle. Laut IMK sank der Beitrag der Kraftstoffpreise zu ihrer Inflationsrate seit April um 0,8 Prozentpunkte. © Unsplash

Die Inflation in Deutschland ist im Juni 2026 auf 2,3 Prozent gesunken und damit den zweiten Monat in Folge zurückgegangen. Im Mai hatte sie noch bei 2,6 Prozent gelegen, im April bei 2,9 Prozent. Hinter der Entspannung steckt vor allem die Entwicklung bei Energie und Kraftstoffen. Davon profitieren Haushalte allerdings sehr unterschiedlich. Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen wurden zuletzt stärker entlastet, weil Benzin und Diesel in ihrem Haushaltsbudget stärker ins Gewicht fallen als bei vielen anderen Gruppen.

Das geht aus dem aktuellen Inflationsmonitor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Die Ökonomin Silke Tober untersucht darin, wie sich Preissteigerungen auf neun verschiedene Haushaltstypen auswirken. Während die allgemeine Inflationsrate im Juni sank, blieb die Kerninflation ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak bei 2,4 Prozent. Der jüngste Rückgang der Teuerung geht daher vor allem auf Energie zurück und weniger auf eine breite Entspannung bei allen Preisen.

Niedrigere Spritkosten drücken die Inflation in Deutschland

Eine große Rolle spielte der Rohölpreis. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete im Mai durchschnittlich 107 US-Dollar, im Juni waren es noch 85 US-Dollar. Kraftstoffe und Heizöl lagen dadurch im Juni 12,6 Prozent über dem Vorjahresniveau. Einen Monat zuvor hatte der Aufschlag noch 20,1 Prozent betragen. Die Preise waren also weiterhin höher als vor einem Jahr, stiegen aber längst nicht mehr so kräftig. Nach Berechnungen des IMK erklärt diese Entwicklung den gesamten Rückgang der allgemeinen Inflationsrate um 0,3 Prozentpunkte im Juni.

Hinzu kam der Tankrabatt von 17 Cent pro Liter, der im Mai und Juni galt. Unter der Annahme, dass die Entlastung vollständig an den Zapfsäulen ankam, senkte er die allgemeine Inflationsrate rechnerisch um rund 0,3 Prozentpunkte. Bei Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen fiel der Effekt stärker aus. Ihre persönliche Inflationsrate dürfte durch den Rabatt allein um rund 0,5 Prozentpunkte niedriger gelegen haben.

„Der Tankrabatt um 17 Cent in den Monaten Mai und Juni 2026 hat die Inflationsrate in Deutschland merklich gesenkt“, schreibt Tober. Familien mit geringeren und mittleren Einkommen seien „überproportional entlastet“ worden.

Familien profitieren von der Entlastung besonders stark

Der Grund liegt in den unterschiedlichen Ausgaben der Haushalte. Familien wenden im Durchschnitt einen größeren Teil ihres Budgets für Kraftstoff auf als einkommensschwache Alleinlebende. Steigen Benzin und Diesel stark im Preis, erhöht das ihre persönliche Inflationsrate daher stärker. Lässt der Preisauftrieb nach, fällt auch die Entlastung größer aus. Im April, als der Rohölpreis seinen bisherigen Jahreshöchststand erreichte, lag die gesamte Inflationsrate bei Familien mit geringem Einkommen bei 3,0 Prozent. Familien mit mittlerem Einkommen kamen auf 2,9 Prozent.

Seit April sank der Beitrag der Kraftstoffpreise zur Inflationsrate dieser Familien um insgesamt 0,8 Prozentpunkte. Im Juni lag die gesamte Inflationsrate bei Paaren mit zwei Kindern und einem monatlichen Nettoeinkommen von 2.000 bis 2.600 Euro bei 2,0 Prozent. Familien mit 3.600 bis 5.000 Euro Nettoeinkommen kamen auf 2,3 Prozent.

Bei den Angaben zur einkommensschwächsten Familiengruppe weist das IMK auf eine höhere statistische Unsicherheit hin, weil nur wenige Haushalte dieser Gruppe in die Datengrundlage eingingen.

Persönliche Ausgaben verändern die Inflation in Deutschland

Wie unterschiedlich sich dieselbe Preisentwicklung auswirken kann, zeigt der Vergleich mit Alleinlebenden. Menschen mit weniger als 900 Euro Nettoeinkommen hatten im Juni mit 1,7 Prozent sogar die niedrigste Inflationsrate der neun untersuchten Gruppen. Von der Entspannung bei Kraftstoffen profitierten sie jedoch weniger, weil sie im Durchschnitt deutlich weniger Geld für Benzin oder Diesel ausgeben. Der schwächere Preisanstieg bei Kraftstoffen verringerte ihre Inflationsrate lediglich um etwa 0,1 Prozentpunkte. Bei Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen waren es gegenüber Mai etwas mehr als 0,3 Prozentpunkte.

Auch bei Lebensmitteln liegt hinter dem Durchschnitt eine große Spannbreite. Insgesamt stiegen die Preise im Juni gegenüber dem Vorjahr nur um 0,4 Prozent. Einige Produkte wurden deutlich günstiger, andere blieben teuer:

  • Butter kostete 29,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
  • Kartoffeln wurden 8,8 Prozent günstiger.
  • Molkereiprodukte verbilligten sich um 6,2 Prozent.
  • Eier verteuerten sich dagegen um 14,6 Prozent.

Dienstleistungen bleiben vielerorts deutlich teurer

Während sich der Preisdruck bei Energie und Lebensmitteln abschwächte, verteuerten sich zahlreiche Dienstleistungen weiter. Flugtickets kosteten im Juni 13,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Für den öffentlichen Nahverkehr mussten Haushalte 6,0 Prozent mehr bezahlen, auch infolge der Preiserhöhung beim Deutschlandticket zu Jahresbeginn. Reise- und Gepäckversicherungen stiegen sogar um 38,5 Prozent. Friseurleistungen und andere Angebote der Körperpflege wurden 4,2 Prozent teurer, soziale Dienstleistungen 6,9 Prozent.

Über längere Zeiträume bleibt zudem ein anderes Bild bestehen als im aktuellen Monat. Zwischen 2019 und 2025 verzeichneten einkommensstarke Alleinlebende laut IMK mit insgesamt 20,8 Prozent die niedrigste Teuerung. Bei einkommensschwachen Familien waren es 22,8 Prozent.

Die Entlastung durch niedrigere Kraftstoffpreise kommt damit vor allem jenen Familien zugute, die während der großen Energie- und Lebensmittelpreise der vergangenen Jahre besonders starke Preisanstiege verkraften mussten.

Kurz zusammengefasst:

  • Die Inflation in Deutschland sank im Juni 2026 auf 2,3 Prozent, vor allem weil sich Kraftstoffe und Heizöl deutlich weniger stark verteuerten.
  • Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen profitierten laut IMK besonders, weil Spritkosten in ihrem Haushaltsbudget stärker ins Gewicht fallen.
  • Der Tankrabatt senkte ihre persönliche Inflationsrate rechnerisch um bis zu 0,5 Prozentpunkte, während viele Dienstleistungen weiterhin spürbar teurer wurden.

Übrigens: Obwohl sich die Kaufkraft in Deutschland rechnerisch erholt hat, fühlen sich fast 60 Prozent der Menschen ärmer als vor fünf Jahren – vor allem hohe Preise für Energie und Lebensmittel prägen dieses Gefühl. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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