Chinas Währung verzerrt den Wettbewerb: Billiger Yuan kostet Deutschland Milliarden

Ein fairer Yuan könnte Deutschlands Wirtschaftsleistung bis 2028 um rund 43 Milliarden Euro erhöhen. Das zeigt eine neue IW-Studie.

Ein fair bewerteter Yuan könnte Deutschlands Wirtschaftsleistung laut IW-Studie bis 2028 um rund 43 Milliarden Euro erhöhen. Besonders deutsche Exportfirmen leiden unter dem künstlich günstigen Wechselkurs. © Unsplash

Ein fair bewerteter Yuan könnte Deutschlands Wirtschaftsleistung laut IW-Studie bis 2028 um rund 43 Milliarden Euro erhöhen. Besonders deutsche Exportfirmen leiden unter dem künstlich günstigen Wechselkurs. © Unsplash

Wenn Waren aus China in Europa besonders günstig ankommen, liegt das nicht nur an niedrigen Produktionskosten. Auch der Yuan spielt eine Rolle. Die China-Währung bleibt nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) künstlich günstig und verschafft chinesischen Exporteuren Vorteile.

Für Deutschland könnte das teuer werden. Das Institut hat mit Förderung des Auswärtigen Amts berechnet, wie stark ein fairer bewerteter Yuan die Wirtschaft entlasten würde. Der Studie zufolge könnte das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt in Deutschland und im Euroraum 2028 um bis zu 0,25 Prozent höher liegen. Für Deutschland ergäbe sich von 2026 bis 2028 ein Plus von rund 43 Milliarden Euro, gemessen an Preisen von 2025.

Warum Chinas Währung deutsche Firmen spürbar belastet

China lässt den Yuan nicht frei schwanken. Der Wechselkurs entsteht also nicht allein aus Angebot und Nachfrage. Der Staat lenkt die Währung und verhindert nach Einschätzung des IW seit Jahren eine stärkere Aufwertung gegenüber dem Euro. Seit den Preissteigerungen ab 2021 falle dieser Effekt stärker ins Gewicht.

Für deutsche Firmen entsteht daraus ein handfester Nachteil. Chinesische Anbieter können ihre Waren günstiger auf den Weltmarkt bringen. Deutsche Produkte wirken in China dagegen teurer. Das trifft Branchen, die stark vom Export leben, etwa Maschinenbau, Autozulieferer oder Chemie. Viele Mittelständler konkurrieren ebenfalls mit chinesischen Firmen, obwohl sie höhere Kosten tragen.

Billiger Yuan verschiebt den Handel deutlich

Die Entwicklung lässt sich an den Handelszahlen ablesen. Nach Angaben des IW gingen deutsche Ausfuhren nach China zurück. Die Einfuhren aus China stiegen dagegen kräftig. Das deutsche Handelsbilanzdefizit mit China liegt inzwischen bei rund 90 Milliarden Euro.

Normalerweise würde eine stark nachgefragte Währung teurer. Viele Unternehmen brauchen den Yuan, um chinesische Waren zu bezahlen. Trotzdem habe sich die Währung nicht entsprechend verteuert, weil China den Kurs politisch steuere. Für deutsche Firmen bedeutet das: Sie treffen im Wettbewerb auf Preise, die nicht nur aus Produktion, Löhnen und Nachfrage entstehen.

Das sind die wichtigsten Erkenntnisse aus der IW-Berechnung:

  • Ein fairer Yuan könnte Deutschlands BIP bis 2028 um bis zu 0,25 Prozent erhöhen.
  • Für Deutschland ergäbe sich von 2026 bis 2028 ein Plus von rund 43 Milliarden Euro.
  • Das deutsche Handelsbilanzdefizit mit China liegt bei rund 90 Milliarden Euro.
  • In der Simulation werteten die Forscher den Yuan rechnerisch um 40 Prozent auf.

Wie die China-Währung Preise künstlich drückt

IW-Außenhandelsexperte Jürgen Matthes kritisiert das chinesische Vorgehen scharf. „Für den freien Handel ist Chinas Währungsmanagement Gift“, sagt er. Aus seiner Sicht verkauft China Waren günstiger, als es bei fairen Bedingungen möglich wäre. So gewinne das Land Marktanteile, die es im offenen Wettbewerb nicht in diesem Umfang erreichen würde.

Matthes fordert deshalb eine Reaktion der Europäischen Union. „China spielt mit gezinkten Karten. Europa sollte mit Ausgleichszöllen für gleiche Bedingungen sorgen“, sagt der Ökonom. Solche Zölle könnten den Preisvorteil chinesischer Waren teilweise ausgleichen. Für Europa wäre das aber ein schwieriger Schritt. Viele Firmen nutzen Vorprodukte aus China. Auch Verbraucher könnten höhere Preise spüren.

Ausgleichszölle hätten Folgen für Alltag und Industrie

Der Konflikt reicht deshalb weit über die Industrie hinaus. Billige Importe helfen beim Einkauf und senken Kosten für Unternehmen. Auf Dauer können sie aber Anbieter verdrängen, die unter anderen Bedingungen produzieren. Dann geraten Investitionen, Arbeitsplätze und Standorte unter Druck.

Die IW-Studie betrachtet daher ein Gegenbild. Die Forscher werteten den Yuan in ihrer Simulation um 40 Prozent auf. Nach ihrer Einschätzung käme dieser Wert einem faireren Kurs nahe. Dann würden chinesische Exporte zunächst sinken. Für Deutschland und den Euroraum entstünde aber ein messbarer Wachstumsgewinn.

Fairerer Yuan könnte China anders wachsen lassen

Auch für China selbst wäre ein stärkerer Yuan laut Berechnung nicht nur ein Nachteil. Zwar würde der Exportüberschuss zunächst schrumpfen. Doch mehr Waren blieben im Inland. Die Preise könnten dort sinken, der private Konsum steigen.

Die Forscher rechnen außerdem mit möglichen Zinssenkungen. Steuererleichterungen stützen die Nachfrage dann zusätzlich. Dadurch würde Chinas Wirtschaft stärker vom eigenen Binnenmarkt leben. Bis 2028 käme sie in der Simulation fast wieder an das Niveau heran, das sie mit dem niedrigeren Yuan erreichen würde.

Für Deutschland liegt der Nutzen vor allem im Wettbewerb. Ein fairerer Yuan würde chinesische Produkte nicht automatisch unattraktiv machen. Er würde aber einen künstlichen Preisvorteil verringern. Deutsche Firmen hätten bessere Chancen, wenn Qualität, Preis und Leistung stärker ohne Währungseingriff miteinander konkurrieren.

Kurz zusammengefasst:

  • Chinas Währung bleibt laut IW künstlich günstig und verbilligt dadurch chinesische Exporte auf dem Weltmarkt.
  • Für Deutschland könnte ein fair bewerteter Yuan von 2026 bis 2028 rund 43 Milliarden Euro mehr Wirtschaftsleistung bedeuten.
  • Deutsche Firmen sind davon betroffen, weil chinesische Waren günstiger wirken und deutsche Produkte in China schwerer verkäuflich werden.

Übrigens: Während Chinas Währung deutsche Firmen unter Druck setzt, sparen viele junge Chinesen aus Angst vor der Zukunft jeden Yuan. Der Trend „Revenge Saving“ zeigt, wie stark die wirtschaftliche Unsicherheit den Alltag einer ganzen Generation prägt. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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