China hängt Deutschland im Handelsrennen um den globalen Süden ab

Deutschland kämpft um Marktanteile im globalen Süden, während China seinen Vorsprung vor allem bei den E-Autos immer weiter ausbauen kann.

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China zieht im Handelsrennen um den globalen Süden an Deutschland vorbei. © Wikimedia

Deutschland ringt um wirtschaftlichen Einfluss im globalen Süden, während China seine Vormachtstellung weiter ausbaut und Russland signifikante Fortschritte macht. Dies geht aus einer aktuellen Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hervor.

Laut IW dominiert China den Handel mit einer Gruppe von 25 Ländern, zu denen unter anderem Argentinien, Brasilien und Indien gehören, und hält fast 20 Prozent Marktanteil. China überflügelte bereits 2019 die Europäische Union und 2020 die USA als Hauptwirtschaftspartner dieser Länder.

Marktanteile sinken stark, Russland verdoppelt sich

Die Europäische Union verzeichnet einen Rückgang ihres Marktanteils auf knapp 14 Prozent. Im Gegensatz dazu hat sich der deutsche Marktanteil seit 2010 kaum verändert und lag zuletzt bei 3,6 Prozent. Der Marktanteil Russlands, das seit dem Ukraine-Krieg verstärkt unter westlichen Sanktionen steht, ist auf etwa 2,4 Prozent gestiegen. Dies ist eine Verdoppelung im Vergleich zu 2021.

Quelle: iwkoeln.de

China verstärkt gezielt Handelsbeziehungen

China konnte seinen Handel mit dem globalen Süden während der Pandemie stark ausbauen, insbesondere in Bereichen wie Mikrochips, Fahrzeuge und Stahl. Das Land hat zudem seinen Import von Erdöl, Eisenerz und anderen Rohstoffen aus diesen Ländern erheblich erhöht, was laut IW darauf hindeutet, dass China seine Wertschöpfungsketten verstärkt ins eigene Land verlagert.

China dominiert deutlich im Automobilmarkt

Im Automobilsektor ist der Wettbewerb besonders intensiv. China steigerte den Export von Autos in den letzten zwei Jahren erheblich und verkaufte Waren im Wert von 19 Milliarden Euro. Deutschland konnte im gleichen Zeitraum ebenfalls Zuwächse verzeichnen, allerdings in geringerem Maße. Bei den Elektroautos ist der Unterschied noch deutlicher. China exportierte Elektroautos im Wert von 6,2 Milliarden Euro, während Deutschland nur für 1,9 Milliarden Euro verkaufte.

Laut aktuellen Daten aus dem Statistischen Bundesamt bleibt Deutschland ein starker Exporteur, vor allem in den traditionell starken Sektoren wie der Automobilindustrie, trotz des intensivierten Wettbewerbs.

Simon Gerards Iglesias vom IW merkt an, es sei „noch nicht eindeutig feststellbar“, ob die Zunahme des chinesischen Exports deutsche Produkte in diesen Märkten verdränge. Die genauen Zusammenhänge seien schwer abzuleiten. Während bei chemischen Produkten aus Deutschland Wettbewerbsnachteile sichtbar werden, ist die Lage im Automobilsektor weniger eindeutig.

Deutsche Außenwirtschaftspolitik verfehlt ihre Ziele

Aktuell verfolge die deutsche Außenwirtschaftspolitik nicht den gewünschten Kurs, um die wirtschaftliche Position im globalen Süden zu stärken, heißt es im Bericht des IW. Im Gegensatz zu China, wo die Regierung gezielt Investitionsrichtungen vorgibt, überlässt Deutschland diese Entscheidungen weitgehend der Privatwirtschaft. Trotzdem besteht die Möglichkeit für die Bundesregierung, durch geeignete politische Rahmenbedingungen die Resilienz der Lieferketten zu erhöhen und die wirtschaftlichen Beziehungen zu den Ländern des globalen Südens zu festigen. Leider scheitern viele dieser Bemühungen an politischen Hindernissen, wie dem Fall des geplanten Rohstofffonds, der an der Schuldenbremse scheiterte.

Was du dir merken solltest:

  • China hat seinen Handel mit Ländern des globalen Südens stark ausgebaut und führt jetzt den Markt mit fast 20 Prozent Anteil an. Währenddessen hängt Deutschland mit einem Marktanteil von nur 3,6 Prozent hinterher.
  • Deutschland kämpft damit, im globalen Süden Fuß zu fassen. Die deutsche Außenwirtschaftspolitik erreicht nicht die Ziele, die sie sich gesetzt hat, oft wegen politischer Probleme im Inland.
  • Neben China macht auch Russland trotz Sanktionen Fortschritte und hat seinen Marktanteil im globalen Süden verdoppelt, auf 2,4 Prozent. Das zeigt, dass sich die Handelsmacht weltweit verschiebt und Deutschland zurückfällt.

Bild: © kees torn via Wikimedia unter CC2-Lizenz

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