Wasserpreise steigen: Stanford-Forscher warnen vor neuer Kostenfalle
US-Forscher warnen: Hitze und Dürre könnten Wasserpreise steigen lassen und arme Haushalte besonders belasten.
Aus dem Wasserhahn kommt Wasser selbstverständlich – doch laut einer neuen Stanford-Studie könnten Hitze, Dürre und teure neue Anlagen die Versorgung künftig spürbar verteuern. © Unsplash
Wasserpreise steigen längst nicht mehr nur, weil Leitungen altern oder Energie teurer wird. Eine neue Studie der Stanford University im Fachjournal Nature Sustainability zeigt ein Risiko, das bisher weniger beachtet wurde: Hitze und Trockenheit können Städte zu teuren Investitionen zwingen, damit Wasser auch in Dürrejahren verlässlich aus dem Hahn kommt. Für Haushalte kann das spürbar werden, weil die Kosten häufig über Gebühren weitergegeben werden.
Untersucht wurde Santa Cruz in Kalifornien, eine Küstenstadt mit begrenzten Wasservorräten. Die Stadt hängt stark von lokalem Oberflächenwasser und einem einzelnen Speicher ab. Viele günstige Sparmaßnahmen sind dort schon ausgeschöpft, weil die Menschen nach früheren Dürren bereits wenig Wasser verbrauchen. Wenn es heißer und trockener wird, bleiben Versorgern daher vor allem teure Lösungen wie Entsalzungsanlagen oder die Wiederverwendung von Abwasser.
Warum die Wasserpreise steigen, obwohl viele schon sparen
Der wichtigste Befund der Forscher: Nicht allein der private Verbrauch treibt die Rechnung nach oben. Der größere Kostendruck entsteht, wenn Städte ihre Wasserversorgung absichern müssen. Sinkende Speicherstände erhöhen den Druck auf Versorger, neue Anlagen zu bauen oder bestehende Systeme auszubauen. Diese Investitionen verbessern die Versorgungssicherheit, verteuern aber die monatliche Rechnung.
„Der Klimawandel setzt die Wasserversorgung unter Druck und zwingt Versorger, teure neue Infrastruktur zu bauen, um Zuverlässigkeit zu erhalten“, sagt Erstautorin Jennifer Skerker. In Städten, die wegen alter Infrastruktur bereits Probleme mit bezahlbarem Wasser haben, könnten zusätzliche Kosten viele Haushalte in eine Krise treiben. In den USA sind die Kosten für Leitungswasser in den vergangenen zwei Jahrzehnten dreimal schneller gestiegen als die Inflation.
Dürre treibt die Rechnung kräftig hoch
Die Modellrechnungen reichen bis zur Mitte des Jahrhunderts. In einem moderaten Klima mit Anpassungsmaßnahmen steigt die mittlere monatliche Wasserrechnung in Santa Cruz von 64 auf 80 US-Dollar. In einem trocken-heißen Szenario mit neuen Anlagen steigt sie auf 120 US-Dollar. Umgerechnet entspricht das ungefähr einem Sprung von 55 auf 103 Euro.
Bei höheren Rechnungen fällt der Anstieg noch stärker aus. Das 80. Perzentil liegt heute bei 100 US-Dollar im Monat, im moderaten Szenario bei 148 US-Dollar und im trocken-heißen Szenario bei 204 US-Dollar. Grob umgerechnet wären das etwa 86, 127 und 175 Euro. Die Werte stehen für heutige Kaufkraft, nicht für künftige Dollar mit zusätzlicher Inflation.
Arme Haushalte geraten schnell unter Druck
Die Forscher orientieren sich an einer Schwelle der US-Umweltbehörde EPA. Danach wird Wasser problematisch teuer, wenn Haushalte mehr als 2,5 Prozent ihres Einkommens dafür ausgeben. In Santa Cruz liegen heute bereits 19 Prozent der Haushalte über dieser Marke. Bei moderatem Klima mit Anpassung wären es 26 Prozent, bei trocken-heißem Klima 35 Prozent.
Noch deutlicher wird die Belastung bei Menschen mit geringem Einkommen. Ihre mittlere Wasserrechnung steigt im trocken-heißen Szenario von 60 auf 111 US-Dollar im Monat, also ungefähr von 52 auf 95 Euro. Beim oberen Fünftel dieser Gruppe wächst die Rechnung von 92 auf 186 US-Dollar, etwa von 79 auf 160 Euro. Die mittlere Belastung steigt von 3,9 auf 7,3 Prozent des Einkommens.
Wenn Wasser mit Essen und Medizin konkurriert
Für manche Haushalte fällt die Belastung noch härter aus. Beim 90. Perzentil der einkommensschwachen Haushalte steigt der Anteil der Wasserrechnung am Einkommen von 16 auf 30 Prozent. In solchen Fällen konkurriert eine Grundversorgung mit Ausgaben für Lebensmittel, Medikamente, Arztbesuche oder Miete.
Weitere Anstiege im Überblick:
- mittlere Rechnung aller Haushalte: 64 auf 120 US-Dollar im trocken-heißen Szenario
- Anteil belasteter Haushalte: 19 auf 35 Prozent
- zusätzliche Haushalte mit unbezahlbarem Wasser: 7 bis 16 Prozentpunkte
Wasserpreise steigen auch durch sichere Versorgung
Die Forscher nennen ein Dilemma, das viele Städte treffen kann. Wer früh und groß in Anlagen investiert, macht die Versorgung robuster, erhöht aber die Gebühren. Wer wartet, hält Rechnungen länger niedrig, riskiert aber Engpässe in schweren Dürrejahren. Eine vorsichtige Strategie mit früher großer Entsalzung erreicht in den Rechnungen eine durchschnittliche Zuverlässigkeit von 98,8 Prozent, verursacht aber mindestens 9,4 Millionen US-Dollar pro Jahr an zusätzlichen Kosten.
Eine abwartende Strategie senkt die neuen Kosten auf 1,4 Millionen US-Dollar pro Jahr. Dafür fällt die Mindestzuverlässigkeit in kritischen Jahren im Schnitt auf nur 61 Prozent. Für eine Stadt wäre das schwer hinnehmbar. Santa Cruz geht davon aus, dass eine Wasserreduktion um 30 Prozent während eines Mangels die Wirtschaftsleistung um mehr als 100 Millionen US-Dollar drücken könnte.
„Unter den heutigen Finanzierungs- und Regulierungsmodellen steuern Klimaanpassung und bezahlbares Wasser auf einen Zusammenstoß zu“, sagt die Forscherin Sarah Fletcher. Eine verlässliche Wasserversorgung für alle werde staatliche und bundesstaatliche Eingriffe brauchen, „die weit über das hinausgehen, was einzelne Versorger allein leisten können“.
Die Ergebnisse lassen sich nicht direkt auf Deutschland übertragen. Santa Cruz hat eigene Voraussetzungen: wenig Speicherkapazität, lokale Wasserquellen, bereits ausgeschöpfte Sparmöglichkeiten und hohe soziale Unterschiede. Trotzdem beschreibt die Studie einen Mechanismus, der auch andernorts wichtig werden kann. Wenn Trockenheit zunimmt und Versorger teuer investieren müssen, entscheidet die Finanzierung darüber, wie stark Haushalte belastet werden.
Kurz zusammengefasst:
- Wasserpreise steigen nicht nur durch alte Leitungen oder höhere Betriebskosten, sondern auch durch Hitze und Dürre, weil Städte ihre Versorgung mit teuren Anlagen absichern müssen.
- Die Stanford-Studie zeigt am Beispiel Santa Cruz: In einem trocken-heißen Szenario könnten sich Wasserrechnungen bis zur Mitte des Jahrhunderts fast verdoppeln.
- Besonders gefährdet sind Haushalte mit geringem Einkommen, weil höhere Wassergebühren dort schneller mit Ausgaben für Miete, Lebensmittel oder Gesundheit konkurrieren.
Übrigens: Wasserknappheit kann nicht nur die Wasserrechnung verteuern, sondern auch Rohstoffe wie Kupfer und Lithium knapper machen – und damit Batterien, Elektroautos und Solaranlagen unter Kostendruck setzen. Mehr dazu in unserem Artikel.
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