Mietpreise steigen langsamer – niedrigstes Wachstum seit Jahren
Mieten steigen nur noch um 2,9 Prozent im Jahr. Real sinken sie leicht, in Berlin sogar deutlich. Gleichzeitig wird das Wohnungsangebot knapper.
Die Mietpreise steigen langsamer, doch das Angebot bleibt knapp – und die Unterschiede zwischen den Städten sind weiter groß. © Unsplash
Der jahrelange Mietwahnsinn verliert an Tempo. Die Mietpreise steigen zwar weiter – aber deutlich langsamer als lange Zeit zuvor. In einigen Städten bewegen sich die Angebotsmieten kaum noch, in Berlin gehen sie sogar zurück.
Aktuelle Zahlen zeigen: Im ersten Quartal 2026 legten die Angebotsmieten in Deutschland nur noch um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Im Vergleich zum Vorjahr beträgt das Plus 2,9 Prozent. Das ist der niedrigste Anstieg seit Ende 2021. Rechnet man die Inflation heraus, ergibt sich sogar ein leichter Rückgang von 0,1 Prozent innerhalb eines Quartals.
Warum sich der Mietanstieg spürbar abschwächt
Grundlage dieser Entwicklung sind Auswertungen des Kiel Instituts für Weltwirtschaft. Der sogenannte GREIX-Mietpreisindex erfasst Daten aus 37 Städten und Regionen. „Das Quartalsbild ist eindeutig: Nominal liegt das Wachstum mit 2,9 Prozent im Jahresvergleich auf dem niedrigsten Stand seit über vier Jahren“, sagt Jonas Zdrzalek, Projektleiter des GREIX.
Auch der langfristige Vergleich fällt moderat aus. Seit dem bisherigen Höchststand im Jahr 2020 sind die Mieten inflationsbereinigt nur um 2,8 Prozent gestiegen. „Real sind die Mieten im Vergleich zum Vorquartal leicht gesunken“, so Zdrzalek. Das deutet darauf hin, dass sich die Entwicklung stärker an der allgemeinen Teuerung orientiert als an einem eigenständigen Preisschub.
Große Städte entwickeln sich überraschend unterschiedlich
Ein genauer Blick auf die größten Städte zeigt ein uneinheitliches Bild. Während einige Märkte weiter zulegen, geraten andere ins Stocken oder drehen ins Minus.
- Düsseldorf: +1,9 Prozent im Quartal
- Hamburg: +1,6 Prozent
- Frankfurt am Main: +1,2 Prozent
- Leipzig: +1,1 Prozent
- Köln: +0,6 Prozent
- München: +0,4 Prozent
- Stuttgart: −0,2 Prozent
- Berlin: −1,8 Prozent
Vor allem Berlin fällt auf. Dort sinken die Angebotsmieten deutlich. Auch Stuttgart zeigt eine leicht rückläufige Entwicklung. In anderen Metropolen nimmt der Preisanstieg zwar weiter zu, fällt aber deutlich schwächer aus als in den Jahren zuvor.
Mietniveau bleibt hoch – München deutlich an der Spitze
Trotz der langsameren Entwicklung bleibt Wohnen in vielen Städten teuer. München führt weiterhin mit großem Abstand. Dort liegt die durchschnittliche Kaltmiete bei 23,56 Euro pro Quadratmeter.
Dahinter folgen:
- Frankfurt am Main: 17,71 Euro pro Quadratmeter
- Hamburg: 16,35 Euro
- Stuttgart: 16,25 Euro
- Berlin: 15,84 Euro
- Köln: 15,67 Euro
- Düsseldorf: 14,78 Euro
- Leipzig: 10,41 Euro
Der Durchschnitt über alle untersuchten Regionen liegt bei 14,36 Euro pro Quadratmeter. Auch außerhalb der großen Städte zeigen sich starke Unterschiede. Augsburg liegt mit 14,86 Euro bereits über Düsseldorf. Am unteren Ende stehen Städte wie Chemnitz mit 6,19 Euro pro Quadratmeter.

Weniger klassische Angebote verändern den Markt
Neben den Preisen verändert sich auch das Angebot. Klassische Mietanzeigen werden seltener. Im ersten Quartal 2026 liegt ihre Zahl leicht unter dem Vorquartal. Bereits im Gesamtjahr 2025 wurden rund 250.000 reguläre Inserate gezählt – weniger als im Jahr zuvor.
Langfristig fällt der Rückgang noch deutlicher aus. Seit 2015 ist die Zahl klassischer Angebote um rund 22 Prozent gesunken. In Städten wie Münster oder Potsdam beträgt das Minus sogar bis zu 55 Prozent.
Immer mehr möblierte Wohnungen drängen auf den Markt
Parallel wächst ein anderes Segment stark. Möblierte Wohnungen ohne feste Laufzeit nehmen deutlich zu. In den acht größten Städten steigt ihre Zahl von rund 7.500 im Jahr 2015 auf etwa 23.000 im Jahr 2025. „Reguläre Inserate sind seit 2015 um über ein Fünftel zurückgegangen, während möblierte unbefristete Angebote sich in den Metropolen mehr als verdreifacht haben“, sagt Zdrzalek.
Im gesamten Markt ergibt sich ein ähnliches Bild. Dort wächst ihr Angebot von rund 12.000 auf etwa 37.000 Inserate. Das entspricht einem Zuwachs von über 200 Prozent.
Der Anteil klassischer Mietverhältnisse bleibt zwar hoch, er sinkt jedoch kontinuierlich. Gleichzeitig stoßen Wohnungssuchende häufiger auf neue Modelle, die vor einigen Jahren noch selten waren.
Kurz zusammengefasst:
- Mietpreise steigen langsamer: Laut GREIX-Mietpreisindex lag das Plus Anfang 2026 nur noch bei 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
- Berlin wird günstiger, München bleibt mit 23,56 Euro pro Quadratmeter am teuersten. Auffällig: Augsburg liegt mit 14,86 Euro bereits über Düsseldorf.
- Die Wohnungssuche bleibt schwierig, weil klassische Inserate seit 2015 stark zurückgehen und möblierte Angebote deutlich zunehmen.
Übrigens: Während Mieten vielerorts langsamer steigen, ist die Hürde ins Eigentum für viele Haushalte extrem hoch – in Starnberg müssten Käufer fast 30 Jahre für das nötige Eigenkapital sparen. Warum Nebenkosten den Hauskauf zusätzlich erschweren und welche Regionen besonders betroffen sind, mehr dazu in unserem Artikel.
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