Studie zeigt, bei welchen Frauen Abnehmen das Krebsrisiko senken kann

Starkes Abnehmen könnte bei manchen Frauen das Risiko für Krebs deutlich senken. Insulinwerte und Gene spielen offenbar mit.

Starkes Abnehmen könnte bei manchen Frauen das Risiko für Krebs deutlich senken. Insulinwerte und Gene spielen offenbar mit.

Insulinwerte und Gene beeinflussen, wie stark Abnehmen das Krebsrisiko bei Frauen senkt. © Unsplash

Starkes Übergewicht verändert weit mehr als den Körperumfang. Fettgewebe beeinflusst Hormone, Entzündungen und den Stoffwechsel – und offenbar auch das Risiko für bestimmte Krebsarten. Neue Langzeitdaten aus Schweden zeigen nun, warum manche Frauen nach starkem Gewichtsverlust besonders profitieren könnten. Die Daten deuten darauf hin, dass der Effekt von Abnehmen auf das Krebsrisiko stark vom Stoffwechsel und von genetischen Faktoren abhängen könnte.

Die Daten stammen aus zwei großen Auswertungen der Universität Göteborg. Grundlage war die sogenannte Swedish Obese Subjects Study. Sie begleitet Menschen mit schwerer Adipositas bereits seit den späten 1980er Jahren. Mehr als 4000 Personen nahmen daran teil. Rund die Hälfte ließ sich bariatrisch operieren, also eine Magenverkleinerung durchführen. Andere erhielten die übliche Behandlung ohne Operation. Die Forscher beobachteten viele Teilnehmer über mehr als 30 Jahre.

Starkes Abnehmen verändert das Krebsrisiko nicht bei allen gleich

Eine der beiden Studien erschien im Fachjournal PLOS Medicine. Dort wertete das Team Daten von 2007 Personen nach bariatrischer Operation und 2040 Vergleichspersonen ohne Eingriff aus. Die Nachbeobachtung dauerte im Schnitt rund 25 Jahre.

Bei Frauen traten nach der Operation deutlich seltener neue Krebserkrankungen auf. Das allgemeine Krebsrisiko lag laut Berechnungen um 22 Prozent niedriger. Auch Todesfälle durch Krebs kamen seltener vor. Männer profitierten dagegen nicht in gleicher Weise. Für sie fanden die Forscher keinen klaren Zusammenhang zwischen Operation und allgemeinem Krebsrisiko.

Besonders deutlich fiel der Unterschied bei Tumoren aus, die mit Adipositas in Verbindung stehen. Dazu gehören Brustkrebs und bestimmte gynäkologische Krebsarten. Bei diesen frauenspezifischen Tumoren lag das Risiko nach bariatrischer Operation rund 40 Prozent niedriger.

Hohe Insulinwerte verändern den Effekt deutlich

Besonders auffällig war ein anderer Befund. Frauen mit hohen Insulinwerten vor der Operation profitierten offenbar am stärksten. In dieser Gruppe sank das Risiko für frauenspezifische Krebsarten besonders deutlich.

Die Forscher beobachteten außerdem, dass Frauen mit erhöhtem Insulin generell häufiger an Krebs erkrankten. Nach einer bariatrischen Operation verringerte sich dieses Risiko jedoch spürbar. Die Daten sprechen deshalb dafür, dass Insulin eine wichtige Rolle beim Zusammenhang zwischen Adipositas, Gewichtsverlust und Krebs spielen könnte.

Studienautorin Kajsa Sjöholm, Professorin an der Universität Göteborg, erklärt: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass es biologische Unterschiede zwischen Menschen gibt, die beeinflussen, wie stark das Krebsrisiko nach Gewichtsverlust sinkt.“

Die Forscher nennen mehrere mögliche Ursachen. Hohe Insulinwerte beeinflussen Entzündungen, Hormone und Zellwachstum. Diese Prozesse spielen auch bei vielen Tumorerkrankungen eine Rolle.

Kajsa Sjöholm and Magdalena Taube, University fo Gothenburg
© Universität Göteborg Kajsa Sjöholm und Magdalena Taube von der Universität Göteborg erforschen, wie starkes Abnehmen das Krebsrisiko bei Frauen verändern könnte. © Universität Göteborg

Ein Gen könnte Brustkrebs mit beeinflussen

Die zweite Studie erschien in Scientific Reports. Dort untersuchte das Team zusätzlich das sogenannte FTO-Gen. Bestimmte Varianten dieses Gens stehen bereits länger mit Übergewicht, erhöhtem BMI und Insulinresistenz in Verbindung. Nun zeigte sich offenbar auch ein Zusammenhang mit Brustkrebs.

Für diese Analyse wurden Daten von 2596 Frauen mit schwerer Adipositas ausgewertet. 2584 Teilnehmerinnen konnten genetisch untersucht werden. Besonders häufig kam die sogenannte FTO-Risikovariante rs9939609 vor. Die Ergebnisse fielen deutlich aus:

  • Frauen mit dieser Genvariante hatten nach bariatrischer Operation ein um 47 Prozent niedrigeres Brustkrebsrisiko.
  • Frauen ohne die Variante zeigten keinen klaren Vorteil.
  • Am stärksten fiel der Effekt bei Frauen mit hohen Insulinwerten und der FTO-Variante aus. Hier sank das Brustkrebsrisiko um rund 64 Prozent.

Die Daten legen nahe, dass Gene beeinflussen könnten, wie der Körper auf starken und langfristigen Gewichtsverlust reagiert.

Neue Abnehmmittel verändern die Krebsforschung

Die Ergebnisse gewinnen gerade jetzt an Bedeutung. Neue Medikamente gegen Adipositas verändern die Behandlung weltweit. Viele Menschen verlieren damit innerhalb weniger Monate deutlich Gewicht. Noch ist allerdings unklar, ob solche Mittel langfristig ähnliche Effekte auf Krebsrisiken haben wie bariatrische Operationen.

Die schwedischen Langzeitdaten liefern dafür wichtige Hinweise. Denn sie sprechen dafür, dass nicht jede Form des Gewichtsverlusts automatisch denselben Effekt hat. Geschlecht, Stoffwechsel und genetische Voraussetzungen könnten mitentscheiden.

„Langfristig könnte dies den Weg für einen präzisionsmedizinischen Ansatz ebnen, bei dem vorbeugende Maßnahmen etwa an Geschlecht, Stoffwechselgesundheit und genetische Voraussetzungen angepasst werden“, erklärt Studienleiterin Magdalena Taube von der Universität Göteborg.

Die Forscher weisen jedoch auch auf Einschränkungen hin. Viele Operationen fanden vor Jahrzehnten statt. Einige Verfahren werden heute kaum noch genutzt. Außerdem gehörte Krebs zu Beginn der Langzeitstudie nicht zu den ursprünglich festgelegten Hauptzielen der Studie.

Kurz zusammengefasst:

  • Starkes Abnehmen ging bei Frauen in Langzeitdaten mit einem deutlich niedrigeren Krebsrisiko einher. Besonders selten traten Brustkrebs und gynäkologische Tumoren auf.
  • Hohe Insulinwerte könnten erklären, warum manche Frauen stärker profitieren als andere. Frauen mit erhöhtem Insulin vor der Operation hatten teils ein deutlich niedrigeres Risiko für frauenspezifische Krebsarten.
  • Auch Gene scheinen eine Rolle zu spielen. Trägerinnen der verbreiteten FTO-Risikovariante hatten nach starkem Gewichtsverlust ein besonders niedriges Brustkrebsrisiko.

Übrigens: Während Studien zeigen, dass starkes Abnehmen das Krebsrisiko verändern könnte, entdeckte eine KI bei Mäusen nun versteckte Nervenschäden bei Adipositas im ganzen Körper – sogar im Gesicht. Die Veränderungen fanden Forscher später auch in menschlichem Gewebe. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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