PFAS: Alltagschemikalien beschleunigen die Alterung bei Männern ab 50

Bestimmte PFAS stehen bei Männern in der Lebensmitte mit messbar beschleunigter Zellalterung in Verbindung.

Mann bereitet Essen mit einer Pfanne zu

Viele beschichtete Bratpfannen enthalten PFAS. Eine aktuelle Studie sieht bei Männern ab 50 einen Zusammenhang zwischen diesen Alltagschemikalien und beschleunigter Alterung. © Pexels

Bratpfannen mit Antihaft-Beschichtung, wasserabweisende Outdoorjacken, fettabweisende Pizzakartons – PFAS stecken in vielen Produkten des Alltags. Die Abkürzung steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, eine große Gruppe künstlich hergestellter Chemikalien. Sie gelten als extrem langlebig, zerfallen kaum und können sich über Jahre im Körper anreichern, weshalb sie auch als Ewigkeitschemikalien bezeichnet werden. Inzwischen lassen sie sich im Blut vieler Menschen messen. Neue Daten stellen PFAS nun in einen Zusammenhang mit beschleunigter Alterung – besonders bei Männern in der Lebensmitte.

Eine Auswertung umfangreicher US-Gesundheitsdaten zeigt dabei deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Stoffen. Vor allem zwei weniger bekannte Verbindungen, PFNA und PFOSA, fielen auf. Bei Männern zwischen 50 und 64 Jahren standen höhere Blutwerte dieser Substanzen mit messbaren Veränderungen an der DNA in Verbindung. Solche molekularen Veränderungen gelten als Hinweis darauf, wie schnell ein Organismus biologisch altert.

Epigenetische Uhren messen beschleunigte Alterung durch PFAS

Die Daten stammen aus der großen US-Gesundheitsstudie NHANES. 326 Frauen und Männer ab 50 Jahren nahmen zwischen 1999 und 2000 teil. Alle gaben Blutproben ab. Darin bestimmten Fachleute die Konzentration von insgesamt 11 verschiedenen PFAS. Zusätzlich analysierten sie chemische Veränderungen an der DNA. Diese Veränderungen gehören zum sogenannten Methylom und beeinflussen, wie Gene aktiv sind.

Ein Forschungsteam der Shanghai Jiao Tong University School of Medicine in China wertete die Daten neu aus. Mithilfe von zwölf verschiedenen „epigenetischen Uhren“ berechneten sie das biologische Alter der Teilnehmenden. Diese Uhren messen nicht das Geburtsdatum, sondern molekulare Veränderungen im Erbgut. Sie geben an, wie schnell ein Körper auf Zellebene altert.

Bei rund 95 Prozent der Teilnehmenden fanden sich PFNA und PFOSA im Blut. Besonders auffällig war der Zusammenhang bei Männern zwischen 50 und 64 Jahren. Je höher die Konzentration, desto stärker zeigten sich Marker einer beschleunigten Alterung. Einer dieser Marker heißt „GrimAge“. Er gilt als besonders zuverlässig für altersbedingte Gesundheitsrisiken.

Studienleiter Dr. Xiangwei Li sagt zu den Forschungsergebnissen: „Wir zeigen, dass bestimmte Ewigkeitschemikalien, nämlich PFNA und PFOSA, offenbar die biologische Alterung beschleunigen, wobei Männer mittleren Alters die anfälligste Gruppe sind.“ Nicht alle PFAS verhielten sich gleich. Bekannte Vertreter wie PFOA oder PFOS zeigten in dieser Auswertung keinen vergleichbaren Zusammenhang mit beschleunigter Alterung.

Männer in der Lebensmitte könnten sensibler reagieren

Interessant ist: Die gemessenen PFAS-Konzentrationen unterschieden sich nicht zwischen Männern und Frauen. Dennoch reagierten Männer biologisch stärker. Warum das so ist, lässt sich noch nicht endgültig klären.

Erstautorin Dr. Ya-Qian Xu erklärt: „Die Lebensmitte ist ein sensibles biologisches Zeitfenster, in dem der Körper anfälliger für altersbedingte Belastungen wird.“ In dieser Phase steigen häufig Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Stoffwechselstörungen. Zusätzliche Umweltbelastungen könnten stärker ins Gewicht fallen.

Dr. Li ergänzt: „Wir vermuten, dass Männer ein höheres Risiko haben könnten, weil die von uns analysierten Alterungsmarker stark von Lebensstilfaktoren wie Rauchen beeinflusst werden, was die schädlichen Effekte dieser Schadstoffe verstärken kann.“

Den Forschenden zufolge stellen manche neuere PFAS-Varianten keine automatisch sichere Alternative dar. „Diese Ergebnisse legen nahe, dass einige neuere PFAS-Ersatzstoffe nicht unbedingt risikoarme Alternativen sind und ernsthafte Aufmerksamkeit verdienen“, so Li.

PFAS bleiben Jahre im Organismus

PFAS gehören zu einer großen Stoffgruppe mit Tausenden Verbindungen. Einige ältere Vertreter wie PFOS oder PFOA stehen seit 2001 unter internationaler Beobachtung im Rahmen der Stockholmer Konvention über persistente organische Schadstoffe. Dennoch kommen immer neue Varianten auf den Markt. Sie finden sich inzwischen auch in Hightech-Anwendungen, etwa in Rechenzentren.

Charakteristisch für PFAS:

  • Sie sind extrem langlebig und reichern sich im Körper an.
  • Ihre Halbwertszeit kann mehrere Jahre betragen.
  • Sie gelangen über Nahrung, Trinkwasser und Alltagsprodukte in den Organismus.

PFAS wurden bereits mit verschiedenen Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht, darunter Krebs, Fettleibigkeit, Unfruchtbarkeit und hormonelle Störungen. Die aktuelle Analyse ergänzt dieses Bild um mögliche Effekte auf die biologische Alterung.

Politik reagiert bereits

Die Studie zeigt statistische Zusammenhänge, aber keinen direkten Ursache-Wirkung-Beweis. Sie basiert auf einer sogenannten Querschnittsanalyse. Dennoch liefern die Ergebnisse einen wichtigen Hinweis: Nicht nur altbekannte Ewigkeitschemikalien, sondern auch weniger beachtete PFAS wie PFNA und PFOSA könnten gesundheitliche Auswirkungen haben. Einige Länder reagieren bereits. Frankreich hat PFAS in Kleidung und Kosmetik verboten. In der EU wird über weitergehende Beschränkungen diskutiert.

Zur Verringerung der Belastung raten Fachleute unter anderem:

  • Weniger stark verpackte Lebensmittel kaufen.
  • Beschädigte beschichtete Pfannen austauschen.
  • Fast-Food-Verpackungen nicht in der Mikrowelle erhitzen.

Vollständig vermeiden lassen sich PFAS derzeit jedoch kaum. Sie sind weiterhin in vielen industriellen Anwendungen im Einsatz.

Kurz zusammengefasst:

  • Bestimmte PFAS, vor allem PFNA und PFOSA, stehen bei Männern zwischen 50 und 64 Jahren in Zusammenhang mit messbar beschleunigter biologischer Alterung – gemessen über moderne DNA-Marker wie GrimAge.
  • Bekannte Stoffe wie PFOA oder PFOS zeigten in dieser Analyse keinen vergleichbaren Effekt, obwohl sie ebenfalls fast bei allen Teilnehmern im Blut nachweisbar waren.
  • Die Studie belegt statistische Zusammenhänge, aber keine Kausalität; sie macht jedoch deutlich, dass Männer in der Lebensmitte möglicherweise empfindlicher auf bestimmte Ewigkeitschemikalien reagieren.

Übrigens: Ob jemand schneller altert, entscheidet sich nicht nur durch Gene oder Umweltgifte wie PFAS – tief im Zellkern steuert der Stoffwechsel, welche Gene aktiv bleiben und wie robust Herz und Gefäße langfristig funktionieren. Eine neue Studie zeigt, wie feine chemische Prozesse die Alterung direkt beeinflussen. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert