Kalifornien startet Großspeicher: Wo einst Öl gefördert wurde, verschwindet jetzt CO₂
Ein neuer CO₂-Speicher in Kalifornien soll Industrie-Emissionen tief unter der Erde lagern. Die Technik bleibt umstritten.
Beim Carbon Capture and Storage (CCS) wird Kohlendioxid aus Abgasen abgeschieden und tief unter der Erde gespeichert, damit es nicht in die Atmosphäre gelangt. © Unsplash
Jahrzehntelang förderte die California Resources Corporation (CRC), einer der größten Öl- und Gasproduzenten Kaliforniens, Öl und Gas in dem US-Bundesstaat. Nun soll derselbe Untergrund Kohlendioxid aufnehmen. Im Elk Hills Oil Field im Kern County ist mit Carbon TerraVault I der erste große CO₂-Speicher Kaliforniens gestartet, wie CRC mitteilt.
Das Treibhausgas stammt aus einer Gasaufbereitungsanlage und wird mehr als 1,6 Kilometer tief in ehemalige Öl- und Gaslagerstätten gepresst. Dort soll es dauerhaft bleiben. Nach Angaben des Betreibers können in ein einzelnes Reservoir pro Jahr bis zu 1,46 Millionen Tonnen CO₂ eingespeist werden – fast so viel wie 350.000 Autos jährlich ausstoßen. Um dieselbe Menge mit Wald zu binden, bräuchte es grob gerechnet eine Fläche von etwa der halben Größe des Saarlands.
Die Technik heißt Carbon Capture and Storage, kurz CCS. Sie soll Kohlendioxid abfangen, bevor es in die Atmosphäre gelangt, und dauerhaft im Untergrund speichern. Vor allem für Industrien mit schwer vermeidbaren Emissionen gilt sie als mögliche Ergänzung zum klassischen Klimaschutz.
Erster CO₂-Speicher startet nach jahrelanger Prüfung
Carbon TerraVault I besteht aus zwei Reservoirs mit den Bezeichnungen 26R und A1-A2. Das Reservoir 26R erhielt als erstes seiner Art in Kalifornien eine endgültige Class-VI-Genehmigung der US-Umweltbehörde EPA. Solche Genehmigungen sind in den USA eine zentrale Voraussetzung für die geologische Speicherung von Kohlendioxid.
Unternehmen fangen Kohlendioxid ab, bevor es in die Atmosphäre gelangt. Anschließend wird das Gas verdichtet und in tiefe Gesteinsschichten gepresst. Dort soll es dauerhaft eingeschlossen bleiben. Als besonders geeignet gelten Lagerstätten, die bereits über sehr lange Zeiträume Öl und Erdgas gehalten haben.
Darauf verweist CRC auch beim Projekt in Kern County. Nach Angaben des Unternehmens nutzt der Speicher geologische Formationen, die Kohlenwasserstoffe bereits über Millionen Jahre eingeschlossen haben. Für die Betreiber ist das ein wichtiges Argument für die langfristige Speicherung.

Die Anlage hat nun mit der Einspeisung begonnen. Laut CRC kann das Reservoir 26R insgesamt bis zu 38 Millionen Tonnen CO₂ aufnehmen. Das Unternehmen nennt außerdem acht weitere Speicherreservoirs, die derzeit auf eine Genehmigung der EPA warten. Zusammen könnten sie rund 352 Millionen Tonnen CO₂ speichern. Die genannten Mengen beschreiben die geplante Leistung bei voller Auslastung.
Betreiber sieht wirtschaftliche Chancen
CRC verfolgt mit dem Projekt mehr als reine Klimaziele. Nach Angaben des Unternehmens soll Carbon TerraVault helfen, einen kommerziellen Markt für industrielle CO₂-Speicher in Kalifornien aufzubauen. Gleichzeitig soll die Anlage die Klimaneutralitätsziele des Bundesstaats unterstützen.
Francisco Leon, Präsident und Vorstandschef von CRC, bezeichnete den Start als wichtigen Schritt: „Die erste Einspeisung bei CTV I zeigt, dass Kalifornien bei Klimaschutzlösungen vorangehen kann, die praktisch, skalierbar und kosteneffizient sind.“
Auch Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom hob die Bedeutung des Projekts hervor: „Dieses einzigartige Projekt in Kern County wird erstmals in der Geschichte Kaliforniens Kohlenstoffverschmutzung dauerhaft unter der Erde speichern.“ Für die Regierung ist die Anlage Teil der langfristigen Klimastrategie des Bundesstaats.
Warum CCS für die Industrie interessant bleibt
Viele Klimaschutzmaßnahmen konzentrieren sich auf Stromerzeugung, Verkehr oder Gebäude. In einigen Industriebereichen entstehen Emissionen jedoch direkt bei Produktionsprozessen. Dort sind schnelle Alternativen oft schwer umzusetzen. Für solche Bereiche wird CCS zunehmend diskutiert. Die Technik bleibt dennoch umstritten. Kritiker befürchten, dass sie fossile Geschäftsmodelle verlängern könnte. Befürworter verweisen auf Industrien, die ihre Emissionen kurzfristig kaum vermeiden können.
Lauren Sanchez, Vorsitzende des California Air Resources Board, sieht CCS als wichtigen Baustein der Klimapolitik: „CO₂-Abscheidung, Nutzung und Speicherung ist ein entscheidender Teil des Klimaschutz-Puzzles in Kalifornien und ein wichtiges Werkzeug, auf das wir zählen, um Klimaneutralität zu erreichen.“
Das Projekt soll deutlich wachsen
Carbon TerraVault I ist nach Angaben von CRC erst der Anfang. Das Unternehmen arbeitet an einem größeren Netz von Speicherstandorten in Kalifornien. Acht weitere Reservoirs befinden sich bereits im Genehmigungsverfahren.
Hinter Carbon TerraVault steht ein Gemeinschaftsunternehmen von CRC und Brookfield. CRC hält 51 Prozent der Anteile. Brookfield besitzt 49 Prozent. Craig Frenette, Senior Vice President bei Brookfield, bezeichnete die erste Einspeisung als „einen spannenden Meilenstein für das Kohlenstoffmanagement in Kalifornien“.
Auch die Region selbst soll profitieren. CRC kündigte mehr als eine Million US-Dollar für lokale Programme in Kern County an. Zudem plant das Unternehmen für 2026 die Einrichtung eines Community Advisory Councils. Dieses Gremium soll lokale Anliegen aufnehmen und den Austausch mit der Bevölkerung fördern.
Kurz zusammengefasst:
- Kalifornien baut erstmals dauerhafte CO₂-Speicher tief unter der Erde und nutzt dafür ausgeförderte Öl- und Gaslagerstätten im Kern County.
- Das Projekt Carbon TerraVault I soll laut Betreiber jährlich bis zu 1,46 Millionen Tonnen CO₂ aufnehmen, wenn das Reservoir voll ausgelastet ist.
- Die CCS-Technik kann schwer vermeidbare Industrie-Emissionen verringern, bleibt aber umstritten, weil sie alte fossile Infrastruktur weiter nutzt.
Übrigens: Während Kalifornien CO₂ tief unter der Erde speichert, könnten Moore Kohlenstoff ganz natürlich binden – wenn der Wasserstand stimmt. Eine neue Untersuchung zeigt, dass aus entwässerten Mooren mit wenigen Maßnahmen wieder Kohlenstoffspeicher werden können. Mehr dazu in unserem Artikel.
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