Wie aus „House of the Dragon“: Neue Echsenart in Thailand entdeckt
In Thailands Bergwäldern lebt ein neu entdeckter „Mini-Drache“: Acanthosaura syrax wurde nach einem Drachen aus „House of the Dragon“ benannt.
Erwachsene Weibchen der neu entdeckten Echsenart Acanthosaura syrax aus Thailand. © Trivalairat et al., 2026
Man könnte meinen, auffällige Wirbeltiere seien längst entdeckt. Doch selbst heute leben in schwer zugänglichen Wäldern Arten, die noch keinen wissenschaftlichen Namen tragen. In den Bergen Westthailands ist Forschern nun eine solche Überraschung begegnet: eine kleine Echse mit gelblich-grüner Haut, dunklem Kragen und einem stacheligen Kamm über Nacken und Rücken. Die neue Echsenart aus Thailand erinnert so sehr an einen Miniaturdrachen, dass ihr Name direkt aus „House of the Dragon“ stammt.
Acanthosaura syrax heißt die Art. Namensgeber ist Syrax, der Drache von Rhaenyra Targaryen aus der Fantasy-Serie. Gefunden wurden die Tiere im Mae-Wong-Nationalpark im Westen Thailands. Wie der Wissenschaftsverlag Pensoft berichtet, stieß ein Team um Poramad Trivalairat in immergrünen Bergwäldern auf die Echsen. Die Fundorte lagen überwiegend oberhalb von 1300 Metern. Die wissenschaftliche Beschreibung erschien im Fachjournal ZooKeys. Mit der neuen Art sind nun 23 Arten der Gattung Acanthosaura bekannt.
Ein Mini-Drache bekommt einen Namen aus „House of the Dragon“
Die Verbindung zur Fernsehserie ist mehr als ein werbewirksamer Vergleich. Die Forscher wählten den Namen Syrax bewusst. Der Serien-Drache besitzt eine gelbliche Färbung und fällt im Vergleich zu anderen Drachen eher klein aus. Ähnliche Merkmale fanden sie bei der Echse. Auch ihre Fortpflanzung spielte bei der Namenswahl eine Rolle.

Tatsächlich bleibt der kleine „Drache“ überschaubar. Bei den untersuchten Männchen betrug die Körperlänge ohne Schwanz höchstens 69,6 Millimeter. Weibchen erreichten bis zu 101,2 Millimeter. Besonders auffällig sind die winzigen Schuppen ihres Kamms. Die Nackenschuppen messen lediglich 2,4 bis 4,7 Millimeter, die Rückenschuppen 1,0 bis 2,6 Millimeter. Nach Angaben der Forscher sind das die kleinsten bislang gemessenen Kammstrukturen innerhalb der gesamten Gattung.

DNA bestätigt: Syrax ist keine Variante einer bekannten Art
Auch die Zeichnung liefert Hinweise auf ihre Eigenständigkeit. Um die Augen fehlt beispielsweise ein schwarzer Fleck, der bei einigen verwandten Bergagamen vorkommt. Dafür besitzt Acanthosaura syrax eine markante dunkle Partie am Hals. Die Wissenschaftler verglichen zahlreiche solcher Körpermerkmale mit bereits bekannten Arten.
Zusätzlich untersuchten sie Abschnitte der mitochondrialen DNA. Bei einem der analysierten Gene, ND2, lagen die genetischen Unterschiede zu anderen Acanthosaura-Arten zwischen 14,1 und 15,9 Prozent. Beim Gen COI reichte der Abstand von 14,96 bis 28,13 Prozent. Innerhalb der neu beschriebenen Art waren die Unterschiede dagegen gering. Körperbau und Erbgut sprechen damit übereinstimmend für eine eigenständige Art.
Morgens sonnt sich Syrax, abends verschwindet sie im Wald
Ihr Alltag wirkt weniger spektakulär als ihr Name. Morgens sitzen die Echsen auf Felsen, umgestürzten Baumstämmen oder niedrigen Sträuchern und wärmen sich in der Sonne. Teilweise nutzten sie sogar Betonstrukturen. Gegen Abend verschwinden die Tiere wieder im Wald. Dort verbringen sie die Nacht unter Holz und Steinen oder in Hohlräumen von Bäumen.
Bei einigen Begegnungen konnten sich die Forscher den Tieren erstaunlich weit nähern. Einzelne Exemplare ließen sich sogar mit der Hand fangen. Am frühen Morgen beobachtete das Team außerdem Echsen beim Fressen von Regenwürmern. Besonders häufig waren die Tiere zwischen April und Mitte Juni aktiv, also am Übergang von der Trockenzeit zum Monsun.
Hoch oben im Bergwald endet bislang ihre bekannte Welt
Bemerkenswert eng erscheint bisher ihr Lebensraum. Die neue Art trat vor allem in Höhen oberhalb von 1300 Metern auf. Bei Untersuchungen unterhalb von 1000 Metern fanden die Wissenschaftler dagegen kein einziges Exemplar. Die bekannte Population konzentriert sich damit auf einen begrenzten Bereich der Bergwälder im Mae-Wong-Nationalpark.
Das zerklüftete Gelände kann einzelne Gruppen zusätzlich voneinander abschneiden. Ein naher Verwandter, Acanthosaura lepidogaster, wurde rund 50 Kilometer weiter nördlich gefunden. Dort lebt er allerdings in tieferen und wärmeren Lagen. Für Acanthosaura syrax könnten die kühleren Höhenwälder daher einen besonders eng begrenzten Lebensraum darstellen.
Thailands Bergwälder könnten noch weitere unbekannte Arten bergen
Solche isolierten Hochlagen sind empfindlich gegenüber Veränderungen ihrer Umwelt. Schrumpft geeigneter Lebensraum, können Populationen stärker voneinander getrennt werden. Damit sinkt auch der Austausch von Erbgut. Die Autoren verweisen deshalb auf die Bedeutung des Schutzes der höher gelegenen Wälder im Mae-Wong-Nationalpark.
Der Fund hat darüber hinaus eine größere biologische Bedeutung. Die Autoren schreiben, die Entdeckung deute darauf hin, dass „die Artenvielfalt der Gattung Acanthosaura in Thailand lange Zeit deutlich unterschätzt wurde“. In den schwer erreichbaren Bergwäldern Südostasiens könnten daher weitere Wirbeltierarten leben, die bislang noch niemand wissenschaftlich beschrieben hat.
Kurz zusammengefasst:
- Acanthosaura syrax ist eine neu beschriebene Echsenart aus dem Mae-Wong-Nationalpark in Thailand und lebt offenbar vor allem in Bergwäldern oberhalb von 1300 Metern.
- Körperbau und DNA unterscheiden sie klar von verwandten Arten; besonders auffällig sind ihre ungewöhnlich kleinen Nacken- und Rückenkammschuppen.
- Die Art wurde nach Syrax aus „House of the Dragon“ benannt und macht zugleich deutlich, dass in den schwer zugänglichen Bergwäldern Südostasiens noch unbekannte Wirbeltierarten leben könnten.
Übrigens: Nicht nur heute überraschen kleine „Drachen“ die Forschung – auch bei Dinosauriern rätseln Wissenschaftler, warum es nie mausgroße Arten gab. Frühe Säugetiere könnten ihnen diese Nische streitig gemacht haben. Mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Trivalairat et al., 2026
