Studie schlägt Alarm: Viel süße Getränke – 34 Prozent mehr Angst bei Teenagern?

Eine Analyse von neun Studien zeigt, dass Jugendliche mit hohem Konsum süßer Getränke häufiger über Angst berichten – ihr Risiko für eine Angststörung ist sogar um 34 Prozent erhöht.

Teenager mit Softdrink

Für viele Jugendliche sind süße Getränke selbstverständlich – Studien sehen bei hohem Konsum ein erhöhtes Risiko für Angst-Symptome. © Freepik

Immer mehr Teenager kämpfen mit Angst, Schlafproblemen und ständiger innerer Unruhe. Ärzte beobachten seit Jahren, dass psychische Belastungen im Jugendalter deutlich zunehmen – jede fünfte junge Person ist inzwischen betroffen. Forscher suchen deshalb nach möglichen Auslösern im Alltag. Neben Stress und Leistungsdruck gerät nun auch das in den Blick, was viele Jugendliche täglich konsumieren: zuckerhaltige Getränke wie Cola, Energy-Drinks oder süße Säfte.

Eine neue wissenschaftliche Auswertung geht der Frage nach, ob zwischen diesem Konsum und der seelischen Gesundheit junger Menschen ein Zusammenhang bestehen könnte. Geleitet wurde die Analyse von Dr. Karim Khaled, der inzwischen an der Lebanese American University arbeitet. Beteiligt war auch Dr. Chloe Casey von der Bournemouth University. Das Team sichtete bereits veröffentlichte Studien und fasste deren Ergebnisse systematisch zusammen.

Süße Getränke und Angst bei Jugendlichen: 34 Prozent höheres Risiko

Insgesamt analysierten die Forscher neun Studien aus den Jahren 2000 bis 2025. Sieben dieser Untersuchungen zeigten einen klaren Zusammenhang: Jugendliche, die viele süße Getränke konsumieren, berichten häufiger über Angst-Symptome. Zwei Studien fanden keinen deutlichen statistischen Effekt.

Die zentrale Zahl der Analyse ist deutlich: Jugendliche mit hohem Konsum zuckerhaltiger Getränke hatten eine um 34 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, eine Angststörung anzugeben. Die Forscher berechneten diesen Wert anhand der zusammengefassten Daten mehrerer Studien.

Zwei der neun Untersuchungen begleiteten Jugendliche über einen Zeitraum von einem Jahr. Auch dort blieb der Zusammenhang bestehen. Der Effekt war nicht sehr groß, aber er verschwand nicht.

Forscher betonen die Grenzen der Ergebnisse

Wichtig ist: Die Studie beweist nicht, dass Zucker Angst auslöst. Die meisten ausgewerteten Arbeiten beobachteten nur das Verhalten der Jugendlichen. Sie griffen nicht aktiv ein.

Dr. Khaled und sein Team schreiben ausdrücklich: „Angesichts der überwiegend beobachtenden Studiendesigns sollten diese Ergebnisse als Zusammenhänge und nicht als Beweis für Kausalität interpretiert werden.“ Das heißt: Man erkennt eine Verbindung, aber keine direkte Ursache.

„Während viele Initiativen im Bereich der öffentlichen Gesundheit die körperlichen Folgen schlechter Ernährung betonen, sind die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit bislang vergleichsweise wenig untersucht worden“, sagt Co-Autorin Casey. Sie ergänzt: „Angststörungen im Jugendalter sind in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Deshalb ist es wichtig, Lebensgewohnheiten zu identifizieren, die verändert werden können, um das Risiko dieses Trends zu verringern.“

Warum süße Getränke im Fokus stehen

Zuckerhaltige Getränke liefern viel Energie, enthalten aber kaum wichtige Nährstoffe. Sie lassen den Blutzuckerspiegel schnell steigen. Danach fällt er häufig wieder stark ab. Solche Schwankungen können das Wohlbefinden beeinflussen. Viele Energy-Drinks enthalten zusätzlich viel Koffein. Das kann Nervosität und Unruhe verstärken.

In den ausgewerteten Studien ging es vor allem um:

  • Limonaden und Cola
  • Energy-Drinks
  • gesüßte Fruchtsäfte
  • gesüßten Tee oder Kaffee
  • aromatisierte Milchgetränke

Die Jugendlichen gaben meist selbst an, wie häufig sie solche Getränke trinken. Auch die Angst-Symptome wurden per Fragebogen erfasst.

Was bedeutet das für Familien?

Die Ergebnisse sind kein Grund für Panik. Gleichzeitig erweitern sie den Blick auf einen Faktor, der bislang oft unterschätzt wurde. Ernährung ist mehr als eine Frage von Gewicht oder Zahngesundheit, sie kann die seelische Entwicklung junger Menschen beeinflussen, genauso wie Schlaf, Bewegung, Stress und soziale Beziehungen.

Als Teil eines gesunden Lebensstils kann im Alltag förderlich sein:

  • Wasser oder ungesüßter Tee als Hauptgetränk
  • Energy-Drinks nur selten
  • Säfte stark verdünnen
  • Gespräche über Stress und Stimmung ernst nehmen

Dr. Casey betont dabei erneut die Bedeutung möglicher veränderbarer Gewohnheiten: „Initiativen im Bereich der öffentlichen Gesundheit und klinische Maßnahmen zur Reduktion des Konsums zuckerhaltiger Getränke könnten dazu beitragen, die steigende Prävalenz von Angststörungen bei Jugendlichen einzudämmen.“

Kurz zusammengefasst:

  • Jugendliche mit hohem Konsum von Cola, Energy-Drinks und anderen zuckerhaltigen Getränken hatten in einer neuen Auswertung ein um 34 Prozent erhöhtes Risiko, von einer Angststörung zu berichten.
  • Die Analyse zeigt einen klaren statistischen Zusammenhang, beweist jedoch nicht, dass Zucker direkt Angst auslöst; auch Stress, Schlafmangel oder bestehende Probleme können eine Rolle spielen.
  • Für Familien heißt das: Süße Getränke betreffen nicht nur Gewicht und Zähne, sondern könnten auch mit der psychischen Gesundheit zusammenhängen – ein bewusster Umgang damit ist sinnvoll.

Übrigens: Während Studien süße Getränke mit Angst bei Jugendlichen verknüpfen, zeigen neue Experimente, dass auch ein gestörter Zuckerstoffwechsel im Gehirn selbst Depressionen auslösen kann. Wie winzige Zuckerketten Nervenzellen destabilisieren und warum das neue Therapien ermöglichen könnte, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Freepik

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