Schon zwei Tage Haferflocken genügen – und der Cholesterinspiegel sinkt messbar
Kurze Kur statt langer Diät: Zwei Tage mit viel Hafer senken das LDL-Cholesterin messbar. Eine Bonner Studie zeigt Effekte, die selbst Wochen später anhalten.
Hafer gilt seit Langem als wirkungsvoll für den Stoffwechsel. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts setzte der deutsche Mediziner Carl von Noorden das Getreide erfolgreich bei Menschen mit Diabetes ein. © Pexels
Erhöhte Cholesterinwerte zählen zu den wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie verursachen meist keine Beschwerden, erhöhen aber langfristig die Gefahr für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich. Viele Betroffene erhalten klare Empfehlungen zu Ernährung, Bewegung oder Medikamenten.
Im Alltag erweist sich konsequentes Umsetzen jedoch oft als schwierig. Eine kurze, klar begrenzte Ernährungsphase könnte hier einen anderen Weg eröffnen. Dabei gerät Hafer als möglicher Einflussfaktor auf das Cholesterin in den Blick. Darauf deutet eine aktuelle Untersuchung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn hin.
Schon 48 Stunden Hafer bringen messbare Cholesterin-Effekte
Untersucht wurden Erwachsene mit metabolischem Syndrom. Dazu zählen Übergewicht, erhöhter Blutdruck sowie auffällige Blutzucker- und Fettwerte. Die Teilnehmenden ernährten sich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen fast ausschließlich von Haferflocken. Pro Tag standen rund 300 Gramm auf dem Speiseplan, zubereitet mit Wasser und ergänzt durch kleine Mengen Obst oder Gemüse. Gleichzeitig lag die Kalorienzufuhr deutlich unter dem Gewohnten.
Eine Vergleichsgruppe reduzierte ebenfalls Kalorien, verzichtete jedoch auf Hafer. Beide Gruppen profitierten. Doch bei den Personen mit Haferkost fiel der Effekt klar stärker aus. Besonders deutlich zeigte sich das beim LDL-Cholesterin, also jenem Anteil, der als besonders gefäßschädigend gilt.
„Der Spiegel des besonders schädlichen LDL-Cholesterins sank bei ihnen um zehn Prozent“, sagt Juniorprofessorin Marie-Christine Simon vom Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften. Sie ordnet ein: „Das ist eine substanzielle Reduktion, wenn auch nicht ganz vergleichbar mit der Wirkung moderner Medikamente.“
Bemerkenswert ist nicht nur die Stärke, sondern auch die Dauer des Effekts. Selbst sechs Wochen nach der kurzen Kur lagen die Werte noch unter dem Ausgangsniveau.
Darmbakterien erklären die anhaltende Wirkung
Die Erklärung liegt nicht allein in der geringeren Kalorienmenge. Entscheidend scheint der Darm zu sein. Dort leben Milliarden Mikroorganismen, die Nahrung zerlegen und Stoffwechselprodukte bilden. Nach den zwei Hafertagen veränderte sich diese Bakteriengemeinschaft messbar.
Bestimmte Mikroben nahmen zu und produzierten Substanzen, die in den Stoffwechsel eingreifen. „Wir konnten zum Beispiel nachweisen, dass die Darmbakterien durch den Abbau des Hafers phenolische Verbindungen produzieren“, erklärt Linda Klümpen, Erstautorin der Studie. Eine dieser Substanzen ist Ferulasäure. Tierexperimente deuten darauf hin, dass sie den Cholesterinstoffwechsel positiv beeinflussen kann.
Andere Darmbakterien bauten wiederum Histidin ab. Aus dieser Aminosäure kann im Körper ein Stoff entstehen, der mit Insulinresistenz in Verbindung steht – einem Kernproblem bei Diabetes. Der veränderte Darmstoffwechsel könnte erklären, warum die Wirkung länger anhielt als die Diät selbst.
Die Dosis entscheidet über den Cholesterin-Effekt
Im zweiten Teil der Untersuchung aßen Teilnehmende sechs Wochen lang täglich etwa 80 Gramm Haferflocken, ohne ihre übrige Ernährung stark zu verändern. Der Effekt blieb deutlich schwächer, die Cholesterinwerte sanken kaum.
Die Daten legen nahe, dass die Konzentration entscheidend ist. Viel Hafer in kurzer Zeit, kombiniert mit Kalorienreduktion, verändert den Stoffwechsel stärker als kleine Mengen über Wochen hinweg. „Eine kurze Haferkur in regelmäßigen Abständen könnte eine gut verträgliche Möglichkeit sein, den Cholesterinspiegel im Norm-Bereich zu halten und einem Diabetes vorzubeugen“, so Simon.
Die Untersuchung ersetzt keine medizinische Behandlung. Sie liefert jedoch Hinweise, wie Ernährung gezielt genutzt werden kann. Besonders interessant ist der Ansatz für Menschen mit erhöhten Werten, die Medikamente vermeiden oder ergänzen möchten.
Kurz zusammengefasst:
- Eine zweitägige, stark haferbasierte und kalorienreduzierte Ernährung senkt bei Menschen mit metabolischem Syndrom das LDL-Cholesterin um etwa zehn Prozent, und der Effekt hält noch Wochen an.
- Hafer verändert gezielt die Zusammensetzung der Darmbakterien, die Stoffe bilden, welche Fettstoffwechsel und Insulinempfindlichkeit günstig beeinflussen.
- Entscheidend ist die Intensität. Viel Hafer in kurzer Zeit wirkt stärker als kleine Mengen über viele Wochen und kann eine alltagstaugliche Ergänzung zur Cholesterin-Prävention sein.
Übrigens: Wer im Büro täglich Kaffee aus dem Automaten trinkt, nimmt je nach Maschine Stoffe auf, die das Cholesterin deutlich erhöhen können – ganz anders als bei Filterkaffee. Warum gerade Brühmaschinen problematisch sind und wie groß der Effekt wirklich ausfällt, mehr dazu in unserem Artikel.
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