CBD bei Alzheimer? Was der Hanfwirkstoff in unseren Nervenzellen tatsächlich verändert

Eine neue Laborstudie zu CBD und Alzheimer zeigt: Cannabidiol verändert wichtige Membranfette in Nervenzellen – mit noch unklaren Folgen.

Bei Alzheimer gehen nach und nach Gedächtnis und Orientierung verloren. Forscher untersuchen nun, wie CBD die Fettzusammensetzung von Nervenzellen verändert. © Pexels

Bei Alzheimer gehen nach und nach Gedächtnis und Orientierung verloren. Forscher untersuchen nun, wie CBD die Fettzusammensetzung von Nervenzellen verändert. © Pexels

Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland lebten Ende 2025 mit einer Demenz – Alzheimer ist die häufigste Form davon. Entsprechend groß ist das Interesse an Stoffen, die krankhafte Vorgänge im Gehirn beeinflussen könnten. Eine neue Laborstudie zu CBD und Alzheimer liefert nun einen ungewöhnlichen Hinweis: Cannabidiol verändert offenbar die Fettzusammensetzung von Nervenzellen. Das betrifft ausgerechnet deren Zellmembran, an der mehrere Prozesse ablaufen, die auch bei Alzheimer eine Rolle spielen.

Forscher der SRH University und der Universität des Saarlandes untersuchten dafür Nervenzellen im Labor. Ihre Studie erschien im Fachjournal Cells. Nach der Behandlung mit CBD verschoben sich mehrere Gruppen von Membranfetten deutlich. Manche nahmen zu, andere gingen zurück. Einen Beleg dafür, dass CBD Alzheimer behandeln oder verhindern kann, liefert die Arbeit allerdings nicht. Die beobachteten Veränderungen könnten sowohl günstige als auch ungünstige Folgen haben.

Warum CBD und Alzheimer an der Zellmembran zusammenkommen

Zellmembranen sind keineswegs nur dünne Hüllen um eine Zelle. Sie bestehen zu einem großen Teil aus Fettmolekülen, sogenannten Lipiden, und schaffen die Umgebung für zahlreiche Proteine und Enzyme. Auch die Synapsen, über die Nervenzellen Signale weitergeben, benötigen eine passende Zusammensetzung dieser Fette.

Bei Alzheimer ist diese Fettumgebung aus einem weiteren Grund von Bedeutung: In den Membranen sitzen sogenannte Sekretasen. Diese Enzyme zerlegen das Amyloid-Vorläuferprotein APP. Dabei kann Amyloid-beta entstehen, ein Eiweißfragment, das an der Alzheimer-Erkrankung beteiligt ist. Welche Lipide eine Zellmembran enthält, beeinflusst wiederum die Arbeit solcher Enzyme.

„Die Zusammensetzung der Membran ist deshalb ein wichtiger Ansatzpunkt, um Prozesse zu verstehen, die für die Funktion von Nervenzellen und für Alzheimer bedeutsam sind“, sagt Studienleiter Marcus Grimm von der SRH University.

Unter CBD verändern sich Membranfette auch in Alzheimer-relevanten Nervenzellen

Unter CBD stiegen in den untersuchten Zellen zwei Gruppen sogenannter Phosphatidylcholine an. Diese Lipide gehören zu den wichtigen Baustoffen von Zellmembranen. Den gleichen Anstieg fanden die Forscher auch in Zellen mit einer Alzheimer-relevanten Variante des APP-Proteins.

Mehr Phosphatidylcholine könnten grundsätzlich den Aufbau und Erhalt neuronaler Membranen unterstützen. Daraus lässt sich jedoch kein gesundheitlicher Vorteil ableiten, denn das gesamte Fettprofil veränderte sich. Andere Lipidgruppen gingen zurück, darunter mehrfach ungesättigte Fette.

Vor allem diese Moleküle erfüllen wichtige Aufgaben in Zellmembranen. Sinkt ihr Anteil, könnten sich deren Eigenschaften verändern. Andererseits reagieren mehrfach ungesättigte Fette empfindlicher auf oxidative Schäden. Dabei greifen reaktive Moleküle Zellbestandteile an. Ein niedrigerer Anteil könnte daher theoretisch auch vor bestimmten Schäden schützen.

Der CBD-Effekt fällt nicht eindeutig positiv aus

Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht in ein einfaches „gut“ oder „schlecht“ übersetzen. CBD verändert mehrere Fettgruppen auf einmal, und ihre Funktionen unterscheiden sich. Was davon am Ende überwiegt, ist bislang offen.

Für eine Einnahme von CBD gegen Alzheimer gibt es aus dieser Untersuchung daher keine Grundlage. Die Versuche fanden ausschließlich an kultivierten Zellen statt. Es wurde weder untersucht, ob sich Gedächtnisleistungen verbessern, noch ob CBD den Verlauf einer Demenz beeinflusst.

Auch die Übertragbarkeit auf den Menschen bleibt ungeklärt. Nervenzellen im menschlichen Gehirn stehen mit zahlreichen anderen Zelltypen in Kontakt und reagieren auf Hormone, Stoffwechselprozesse und Entzündungen. Eine Zellkultur bildet diese Bedingungen nur teilweise nach.

Forscher verändern CBD für weitere Untersuchungen

Das Team arbeitet inzwischen auch mit chemisch veränderten Formen von Cannabidiol, sogenannten CBD-Derivaten. Dabei prüfen die Wissenschaftler, ob sich erwünschte Veränderungen verstärken und mögliche ungünstige Wirkungen abschwächen lassen.

Dahinter steht vor allem die Frage, welche Veränderungen der Zellmembran für Nervenzellen tatsächlich hilfreich sein könnten. Die bisherigen Ergebnisse liefern dafür erste Hinweise, reichen aber noch nicht für Aussagen zu einer möglichen Therapie. Weitere Untersuchungen müssen klären, wie sich die veränderten Fettprofile langfristig auf Nervenzellen auswirken und ob ähnliche Effekte auch im menschlichen Gehirn auftreten.

Kurz zusammengefasst:

  • CBD verändert in Nervenzellen die Zusammensetzung mehrerer Membranfette, darunter Phosphatidylcholine und mehrfach ungesättigte Lipide.
  • Einige Veränderungen könnten für Zellmembranen günstig sein, andere könnten Nachteile haben – ihre Gesamtwirkung ist bislang offen.
  • Die Laborstudie liefert keinen Nachweis, dass CBD Alzheimer vorbeugen oder behandeln kann.

Übrigens: Neben veränderten Membranfetten untersuchen Forscher bei Alzheimer auch einen schädlichen Proteinkomplex, der Nervenzellen absterben lässt. Ein neuer Wirkstoff konnte diesen Mechanismus im Tierversuch bremsen. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

What do you feel about this?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert